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LEXIKON: Appenzeller Nabelschau zum Wohlfühlen

Von A wie Alpsegen bis Z wie Zündschnur findet man in der Publikation «Auftritt Appenzell» eine Fülle an Wissenswertem und Kuriosem über das Appenzellerland. Zu kurz kommen die Frauen, die Jungen und die Ausländer.
Christina Genova
Eine der überraschenden Doppelbelichtungen aus «Auftritt Appenzell» von Luzia Broger und Verena Schoch. (Bild: PD)

Eine der überraschenden Doppelbelichtungen aus «Auftritt Appenzell» von Luzia Broger und Verena Schoch. (Bild: PD)

Christina Genova

christina.genova@tagblatt.ch

Kennen Sie das Graue Hungerblümchen? Die unscheinbare Pflanze mit den weissen Blüten kommt innerhalb der Schweiz nur im Appenzellerland vor. Angeblich wächst sie an sonnigen Felsen beim Sämtisersee, am Hohen Kasten oder am Furgglenfirst. Es ist eines der Kuriosa, die es beim Schmökern im von Franziska Schläpfer herausgegebenen Band «Auftritt Appenzell» zu entdecken gibt. Das Buch ist als Lexikon gestaltet, von A wie Alpsegen bis Z wie Zündschnur (da geht es natürlich um den gebürtigen Appenzeller Roman Signer). Doch dient die alphabetische Ordnung nur als Vorwand, um unter den einzelnen Buchstaben eine wahre Wundertüte an Wissenswertem und Erstaunlichem über das Appenzellerland unterzubringen.

Nach «Appenzeller Welten» und der «Appenzeller Anthologie» ist «Auftritt Appenzell» die dritte Publikation in anderthalb Jahren, welche das Appenzellerland in den Mittelpunkt rückt. Woher kommt wohl diese Neigung zur Nabelschau?

Die Rivalitäten leben fort

Ausserrhoden und Innerrhoden sind in «Auftritt Appenzell» einträchtig vereint: «Beide Kantone sind sich so ähnlich, dass die Unterschiede in aller Deutlichkeit hervortreten» beschreibt der Teufener Journalist Hanspeter Spörri das Verhältnis trefflich. Und diese Unterschiede bieten Stoff für allerhand schöne Geschichten und kritische Betrachtungen. So wundert sich Spörri, dass jeder der beiden Appenzeller Kantone nach wie vor über einen eigenen Tourismusverband verfügt. Da lebe eine Rivalität aus früheren Tagen fort, die heute praktisch verschwunden sei. Davon, dass sie weiterlebt, erzählt auch der Unternehmer Franz ­Bischofberger von der Waldstätter Firma Blumer Fenster. Man habe ihm dreimal Blachen zerschnitten, weil ein grosser Auftrag in Innerrhoden an ihn, den Ausserrhoder, gegangen sei. Für sich spricht auch der Umstand, dass es für «Auftritt Appenzell» zwei Buchvernissagen gibt – eine in Innerrhoden, eine in Ausserrhoden.

Am liebsten liest man in diesem Buch die Kuriosa: Man erfährt, dass es zwei Zürcher waren, der Arzt und Naturforscher Johann Jakob Scheuchzer und der Literat Johann Jakob Bodmer, die das heutige Appenzell-Bild im 18. Jahrhundert massgeblich prägten. Eine weitere Auswärtige, die Norddeutsche Caroline Rudolphi, schrieb den Text des berühmten Landsgemeindelieds.

Nicht alles wurde für «Auftritt Appenzell» neu geschrieben, einiges trug Franziska Schläpfer aus neueren und älteren Publikationen zusammen. Das ist kein Nachteil, sondern zeichnet das Lesebuch aus. Darunter sind auch literarische Textausschnitte. Da gibt es etwa Niklaus Meienbergs träfes Porträt des Inner­rhoder Landammanns Raimund Broger oder Urs Widmer mit seiner frivolen Geschichte über ein Bauernpaar, das es mit der ehe­lichen Treue nicht allzu genau nimmt. Allzu wohlwollend und viel zu zahlreich sind die Unternehmerporträts. 17 sind es, darunter nur drei Frauen. Vermissen tut man auch die Jungen. Die 36-jährige Modedesignerin Ly-Ling Vilaysane ist da eine wohltuende Ausnahme. Ihre Eltern stammen ursprünglich aus Laos. Überhaupt – warum gibt es keinen Lexikoneintrag zu all den Gastarbeiterinnen und Gastarbeitern, die in den zahlreichen Fabriken Ausserrhodens Arbeit fanden? Auch nach S wie Spitalkrise oder K wie Kantonalbankdebakel sucht man vergeblich.

«Auftritt Appenzell» ist trotz Lücken und wenig Kritischem ein Lesebuch, das man gerne zur Hand nimmt. Auch wegen der schönen Gestaltung und der stimmigen Fotos von Luzia Broger und Verena Schoch. Rivalitäten gab es zwischen der Innerrhoderin und der Ausserrhoderin offenbar keine: Eine Fotografin belichtete den Film und die zweite belichtete ihn noch einmal, ohne zu wissen, was darauf ist.

Hinweis

Buchvernissagen: Sa, 17.3., 17 Uhr, Zeughaus Teufen; So, 18.3., 11.30 Uhr, Treibhaus, Wührestrasse 1, Appenzell.

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