Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

LESUNG: Mehr als ein Leben zwischen den Buchdeckeln

Vier Bestsellerautoren erzählen von den Abenteuern ihres Lebens. Bei der Talkshow im Hotel Einstein in St. Gallen wird klar: Ungewöhnliche Geschichten brauchen ungewöhnliche Protagonisten.
Julia Nehmiz
Extremsportlerin Evelyne Binsack im Gespräch mit Moderator Frank Baumann. (Bild: Michel Canonica)

Extremsportlerin Evelyne Binsack im Gespräch mit Moderator Frank Baumann. (Bild: Michel Canonica)

Und das eigene Leben? Erscheint einem dann banal, gewöhnlich, langweilig. Im Vergleich mit den Bestsellerschriftstellern strampelt man sich selber mühevoll im Hamsterrad des Alltags ab, während sie ihrem Herzen, ihrer Passion folgen – und eine unglaubliche Geschichte nach der anderen erleben.

Davon berichten die vier Autoren des Wörterseh-Verlags Evelyne Binsack, Röbi Koller, Susy Utzinger und Florian Burkhardt am Samstagabend im Hotel Einstein St. Gallen. So unterschiedlich die vier Autoren sind, etwas eint sie: das unbedingte Verfolgen der eigenen Ziele. Evelyne Binsack ist da vielleicht die ex­tremste der Runde. Bergführerin, Extremsportlerin, Abenteurerin: Allein unterwegs zum Nordpol, zum Südpol, als erste Schweizerin bestieg sie den Mount Everest. Jetzt sitzt sie in schwarzer Abendbluse auf der Bühne und berichtet gut gelaunt aus ihrem reichhaltigen Leben. Laut einer Studie machten 80 bis 90 Prozent der arbeitenden Menschen in Westeuropa nicht das, was sie eigentlich gerne tun würden, sagt die 50-Jährige. «Das ist doch krass, das Hamsterrad dreht und dreht sich, und es ist trotzdem Stillstand.» Es sei doch wichtig, sich auszuprobieren, seiner Verletzlichkeit zu begegnen, die Sicherheit zu verlassen. So könne man sich selber besser kennenlernen. Trotzdem: Auch Binsacks Le- ben ist nicht eitel Sonnenschein. «Die Expeditionen sind Fluch und Segen zugleich.» Sie muss durch die Hölle, um ins Paradies zu gelangen. Sturm, Gefahren, Strapazen, Verlust der Kollegen – aber wenn sie dann am Ziel ankomme, das sei einfach unbeschreiblich.

Sie plant bereits ihr nächstes Abenteuer: sie will 40 mystische Berge besuchen und deren Geschichten nachgehen. Sinai, Kailash, Everest, Olymp – viele Berge strahlten eine Kraft aus. Wie sie das finanziert, wo es sie hinführt, das ist alles noch offen. «Ich will ins Abenteuer, Menschen begegnen», sagt Binsack.

Vom Limousinenleben ins Irrenhaus

Menschen begegnen, dafür hat Röbi Koller ein besonderes Händchen. Der TV-Moderator und Autor reist an Orte, an die man als Tourist nicht hinkommt. Durch sein soziales Engagement besucht er Projekte im Slum von Nigeria oder arbeitet als Reisebegleiter einer Behindertengruppe. Vor zwei Jahren machte er den Taxischein und arbeitete in Zürich wie schon zu Studentenzeiten als Taxifahrer. «Heute ist da viel vom ehemaligen Charme weg», sagt Koller.

Charme versprühen hingegen Susy Utzinger und Florian Burkhardt. Utzinger setzt sich seit Jahrzehnten unermüdlich und erfolgreich für den Tierschutz ein. Florian Burkhardt, berühmt geworden durch den Dokumentarfilm «Electroboy», wirkt fast schüchtern, mit Brille und gediegener Kurzhaarfrisur mag man fast nicht glauben, dass er das gefragteste männliche Topmodel der 90er war und beinahe Hollywood erobert hätte. Schonungslos offen berichtet er von seinen Höhenflügen, Hochstaplereien bis zum Absturz, als er sich selber ins «Irrenhaus», wie er sagt, einweisen lässt. Mit Schalk und einer guten Portion Selbstironie erzählt er aberwitzige Begebenheiten – wie er in «Milano» landet, trotz seiner nur 1,79 Meter Körpergrösse sich als Model versucht, und nur zwei Wochen später streiten sich Gucci und Prada um einen Exklusivvertrag und kürzen die Designerhosen für ihn. Er wird Newcomer des Jahres, führt ein Limousinenleben. «Ich habe den Grössenwahn gehabt und war wie berauscht: Was für eine gigantische Leistung ich hier vollbringe», erzählt er. Dann folgt die totale Vereinsamung bis hin zum psychischen Zusammenbruch, aus dem er sich wieder herausarbeitet.

Nach eineinhalb Stunden intensivem Autoren-Talk reift die Erkenntnis: Wie schön, dass man gemütlich auf dem Sofa von den extremen Erfahrungen der anderen lesen kann. Man muss ja nicht alles selber erleben.

Julia Nehmiz

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.