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Lesevergnügen über einen Jazz-Superstar

Der bekannte Luzerner Journalist und Jazzkritiker Meinrad Buholzer war mit dem grossen Pianisten Cecil Taylor (1929–2018) befreundet. In einem Buch erzählt er von seinen Begegnungen.
Pirmin Bossart
Cecil Taylor, hier bei einem Auftritt in New York, spielte mehrmals auch in Willisau. Am 5. April dieses Jahres ist er mit 89 Jahren verstorben. (Bild: AP Photo/Barbara Woike, 14. April 2016)

Cecil Taylor, hier bei einem Auftritt in New York, spielte mehrmals auch in Willisau. Am 5. April dieses Jahres ist er mit 89 Jahren verstorben. (Bild: AP Photo/Barbara Woike, 14. April 2016)

1974 erlebte Meinrad Buholzer am Montreux Jazz Festival zum ersten Mal den Pianisten Cecil Taylor. Er hatte noch nie etwas von ihm gehört und keine Ahnung, was ihn erwartete. «Es verschlug mir die Sprache», schreibt Buholzer in seinem Buch. «Seine Musik hat mich seither nicht mehr losgelassen.» Schon ein Jahr später war Buholzer wieder in Montreux. Cecil Taylor fragt ihn, ob er ihn zum Essen begleite. Es kommt zu einem ersten, längeren Gespräch. «Wie war doch gleich ihr Name?», erkundigt sich Taylor, als sie sich verabschieden.

Montreux, Willisau, New York

1975, zwischen den beiden Montreux-Begegnungen, trat Cecil Taylor am ersten Jazz Festival Willisau auf (Zur Erinnerung: Dieses Jahr findet das Festival zum 44. Mal statt!). Buholzer, der später die Regionalredaktion Zentralschweiz der Nachrichtenagentur SDA leitete, war als Jazzliebhaber und Musikkritiker für die damalige Zeitung LNN vor Ort. Das Festival glänzte mit einigen der damals grössten Namen in der Welt des Free Jazz und der improvisierten Musik. Für sehr viele Zuhörer wurde der Auftritt des Trios mit Cecil Taylor, Jimmy Lyons und Andrew Cyrille zum Höhepunkt des Festivals.

Als Cecil Taylor 1983 erneut am Jazz Festival Willisau spielt, macht Buholzer ein grösseres Interview mit ihm, das im «Tages-Anzeiger-Magazin» veröffentlicht wird. Von nun an werden die Begegnungen regelmässiger. Ab und zu besucht ihn Buholzer in New York. Er ist immer willkommen und wird jeweils mit einem «Sir, it’s always a pleasure with you» verabschiedet. Er sei längst nicht immer ein inspirierender Gesprächspartner gewesen, wundert sich Buholzer im Buch, um selbstironisch anzufügen: «Wenn ich er gewesen wäre, hätte ich es mir zweimal überlegt, einen Abend mit mir zu verbringen.»

Ältere Artikel und neue Texte

Buholzer lässt seine Begegnungen mit C. T. – wie er den Musiker nennt – chronologisch Revue passieren. Wir erleben Taylor vor und hinter der Bühne, bei Aufnahmen im ehemaligen MPS-Studio im Schwarzwald, bei Treffen in Manhatten oder beim Pianisten zu Hause in Brooklyn. Es sind Texte und Interviews versammelt, die Buholzer in den letzten 40 Jahren über C. T. geschrieben hat, ergänzt mit mehreren neuen «Intermezzi» und aktuellen Gedanken, die das Phänomen C. T. pointiert reflektieren. Das Buch-Cover zeigt das berühmte Fingermotiv, mit dem Niklaus Troxler sein Plakat für den Soloauftritt von Cecil Taylor 1989 im Mohren Willisau gestaltet hat.

Es ist ein eigenwilliges Duo, das sich sporadisch trifft: Hier der radikale Free Jazzer und Jahrhundertmusiker, der als schwieriger Mensch gilt, aber mit dem Journalisten ein Gegenüber findet, das er respektiert. Dort der kulturell und politisch interessierte Journalist, der von der Musik des Pianisten gepackt wurde, sich einen persönlichen Zugang zu ihm schuf und in oft ausufernden Monologen erfährt, was den Künstler bewegt, was er über Musik denkt, über Kunst, das Leben. Und mit unzähligen Anekdoten auch Einblicke erhält in die Community der Musiker aus Taylors engerem und weiteren Umfeld.

Gute Mischung aus Facts und Persönlichem

Erinnerungswürdig ist Taylors letztes Willisau-Konzert am 3. September 2000. Der grandiose Live-Gig erschien als CD «The Willisau Concert» (Intakt Records). Buholzer schilderte im Booklet seine Begegnung mit Taylor im Vorfeld des Auftritts. Zwei kurze Porträts über Mickey Davidson, die als Tänzerin mit Taylor tourte, und mit dem Schweizer Saxofonisten Werner Lüdi (1936–2000) runden das Buch ab. Lüdi trat 1990 in der Roten Fabrik mit Taylor auf – es wurde ein Desaster. Buholzer beschreibt in seiner Replik «Das Recht auf Scheitern» die Hintergründe dieses Auftritts.

Mit seiner Mischung aus nüchternen Facts, seismografischen Momentaufnahmen und subjektiven Eindrücken ist «Always a Pleasure» ein perfekter Einstieg, um dem aussergewöhnlichen Künstler Cecil Taylor näherzukommen. Buholzer bezeichnet das Buch als «Versuch einer Annäherung». Es ist locker geschrieben, ohne Pathos und Fan-Gedröhn, dafür mit Neugier und viel Respekt. Schnell ist man mittendrin und lebt mit. Und liest das Buch in einem Zuge durch.

Meinrad Buholzer: Always a Pleasure. Begegnungen mit Cecil Taylor, 145 Seiten, Fr. 29.–. Das Buch ist während des Jazz Festivals Willisau am Stand von Intakt Records erhältlich. Es kann auch direkt beim Autor bestellt werden: mab-cpt@bluewin.ch.

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