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Lesetipps Schweiz: Mit einem Meister der Kurzform und Zugang zu Ägypten

Ein Poetry-Slammer veröffentlicht Kolumnen und eine Kennerin schreibt vom Leben in Ägypten nach dem Arabischen Frühling.
Melissa Müller

Pikante Pointen
des Poetry-Slam-Königs

Der einsamste Mensch der Welt gründet eine Einzelfirma – und wird gefeuert. Seine Freundin verlässt ihn. Sein Hund wufft, er gehe nur mal Zigaretten holen – und kehrt nie mehr zurück. Sein Fernseher nimmt sich das Leben – und hinterlässt nur Stromkabel und Fernbedienung. «Und sein Alltag ist noch langweiliger als die Oltner Altstadt am Sonntagnachmittag» – schreibt der Oltner Kilian Ziegler, 33, Soziologe, Kabarettist und Poetry-Slam-Schweizermeister 2018. Sein erstes Buch ist eine Sammlung süffiger, sarkastischer, manchmal ein wenig belangloser Kolumnen. So gesteht er seine kulinarischen Vorlieben: «...Walnuss, Venus, Sinus oder Bonus – nichts geht über Nüsse.» Um etwas zu erzählen, genügt Ziegler oft nur ein Satz: «Oft fühli me wienes partnerloses Reh: E ha ke Bock.» Der Mann weiss, wie man Pointen setzt. Das ist so unterhaltend, dass wir jetzt auf einen «richtigen» Roman des Meisters der Kurzform hoffen.

Kilian Ziegler: Vorübergehend stehen bleiben, Knapp-Verlag, 144 S., Fr. 27.–

Katerstimmung
auf dem Tahrir-Platz

Die 58-jährige Berner Schriftstellerin und Journalistin Susanne Schanda hat im Nahen und Mittleren Ostens gelebt, sie arbeitete als Übersetzerin beim deutschen Programm von Radio Kairo. Ähnlich wie Nura, die Hautfigur in ihrem ersten Roman «Kairo Kater». Die 33-jährige Journalistin lässt in der Schweiz alles stehen – ihre Stelle und ihren geliebten Kater. Sie bricht auf in ihre alte Heimat Ägypten, die sie als Zehnjährige verlassen musste: «Als sie aus der Tür des Flugzeugs auf die Gangway trat, schlug ihr die vertraute, feuchtwarme Luft entgegen, süss, wie von überreifen Früchten. Mein Kairo.» Als Vorwand dient ihr ein Übersetzungsprojekt, aber ihre Motivation wurzelt tiefer. Die Tochter eines Ägypters und einer Schweizerin ist beflügelt von der Revolution im Jahr 2011, sie demonstriert mit gleichgesinnten Freunden auf dem Tahrir-Platz; sie trifft Schriftstellerinnen, Künstler und Intellektuelle. Auch eine Jugendliebe aus Kairo flammt wieder auf. Und immer wieder streichen Katzen durch die Geschichte. «Kairo Kater» ist bildhaft und atmosphärisch dicht geschrieben, ohne zu moralisieren. So ermöglicht Susanne Schanda ihren Lesern einen Zugang zu Ägypten, der über die Fakten hinaus geht.

Susanne Schanda: Kairo Kater, Lokwort, 240 S., Fr. 32.–

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