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Lesetipps Literatur: Die Odyssee des Krieges

«Die Pfefferfälscher» erzählt die wahre Geschichte einer jüdischen Familie im Polen der Nachkriegszeit und «Blanchefleur» versetzt Parzival ins Jahr 1870.
Erika Achermann/Hansruedi Kugler

Wie sie schuldig wurden

Monika Sznajderman ist Verlegerin. Ihr gehört, zusammen mit ihrem Mann, dem Autor Andrzej Stasiuk, der Verlag Czarne in Südpolen, der mitteleuropäische Literatur vermittelt. Nun hat auch sie ein Buch geschrieben: die Geschichte ihrer jüdischen und polnischen Familie. Die Angehörigen der Mutter gehörten zur polnischen Oberschicht, waren patriotisch und antisemitisch eingestellte Gutsbesitzer. Alle haben den Krieg überlebt. Auch ihr Vater überlebte als Sechzehnjähriger das KZ Auschwitz; aber er hat über seine Vergangenheit nie sprechen wollen, denn seine jüdische Familie wurde entweder ermordet oder musste nach Amerika auswandern.

Als Monika Sznajderman eine grosse Anzahl Fotos aus Übersee bekam, die das jüdische Leben in Polen vor dem Holocaust dokumentieren, fröhliche Familienfotos, recherchierte sie ihre beiden Familiengeschichten und stellt sich dabei die Frage: Warum haben sich die einen schuldig gemacht und andere nicht? Verlierer sind (fast) alle: Im Nachkriegspolen zerfällt das Familiengut vor sich hin. ­Beide Teile der Familie gehören zu verschiedenen Zeiten der falschen Seite an. Erika Achermann

Monika Sznajderman: Die Pfefferfälscher. Geschichte einer Familie. Suhrkamp, 277 S., Fr. 36.–

Parzival im Jahr 1870

Der mittelalterliche Parzival und der barocke Simplizissimus stehen Pate für Noel, die Hauptfigur in Anita Siegfrieds neuem historischen Roman. Er wächst von der kriegerischen Welt abgeschirmt als naiver, aber schöner Tölpel auf – und wird gerade deshalb zum Soldaten, Frauenschwarm, Vater, Flüchtling, Mörder, Fremdenlegionär und am Ende zum einsamen Gärtner. Der die historische Epoche gut recherchierte Abenteuer- und Entwicklungsroman spielt in Frankreich zwischen 1851 und 1900, die Machtergreifung Louis Napoleon Bonapartes setzt den blutigen Anfang, Noel wird im Gemetzel des von Frankreich vom Zaun gebrochenen deutsch-französischen Kriegs verwundet und danach eine 30 Jahre dauernde Odyssee erleben.

Siegfried erzählt sehr dicht und nahe am ­Parzival-Vorbild. Das erklärt die grotesken Wendungen in Noels Leben, die sprunghafte Erzählweise und die Liebesgeschichte der verpassten Chancen mit der titelgebenden Wirtin Blanche. Hansruedi Kugler

Anita Siegfried: Blanchefleur. Roman. Bilger-Verlag, 280 S., Fr. 34.–

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