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Anne-Sophie Mutter im KKL:
Lehrstunde der Perfektion

Seit 40 Jahren steht Anne-Sophie Mutter auf der Bühne. Keine Violinistin zieht das Publikum mehr in seinen Bann. Begleitet wird sie im KKL Luzern von einem All-Star Ensemble aus Berlin und Wien.
Roman Kühne
Die deutsche Violinistin Anne-Sophie Mutter (55). (Bild Ullstein/Getty)

Die deutsche Violinistin Anne-Sophie Mutter (55). (Bild Ullstein/Getty)

Anne-Sophie Mutter. Die Königin hält Hof. Nur schon, wenn sie die Bühne betritt, gehört diese ihr. Rotes Kleid, dezenter Glitzer am Saum. Aufrecht und selbstbewusst steht sie da. Nichts an ihr ist affektiert oder künstlich. Kurz nickt sie dem Konzertmeister zu, und los geht’s. Hier gibt es keine Sekunde irgendwelcher Zweifel. Ihr Spiel beginnt, und fast augenblicklich ist dieses Momentum da, diese Gewissheit: Es wird ein grosses Konzert.

Dabei ist es nicht überraschend, was sie spielt an diesem Montagabend im – natürlich – restlos ausverkauften KKL im Rahmen des Migros Kulturprozentes. Vier Mal Mozart ist angesagt. Auch ist ihre Interpretation nicht die geheimnisvolle Wundertüte, welche die Ohren fordert. Sie spielt im Gegenteil ziemlich «klassisch», streicht ihren Mozart mit viel Vibrato und Klang. Die praktisch vibratolose, historisch-informierte Aufführungspraxis ist weniger ihr Ding.

Auch spielt sie nicht die virtuose Karte aus, die mit schnellen Tempi und horrender Akrobatik prunkt. Ihr Instrument ist nicht mit den früher gebräuchlichen Darmsaiten bespannt. Moderne Saiten klingen länger, und es wäre ein Unding, die Finalsätze von Mozart so schnell zu spielen, wie es wohl damals üblich war.

Nicht mehr von dieser Welt

Was ist es also, das ihr Spiel und damit auch diesen Abend so speziell macht? Andere Musiker mögen spannender sein. Sie geben mit unerwarteten Wendungen und eigenen Lesarten den Stücken eine faszinierende, verwirrende Seite. Aber wenn Anne-Sophie Mutter die gleiche Musik zelebriert, ist dies wie ein Sog, ein Taumel fast, der den Zuhörer nicht mehr aus seinem Bann lässt. Selbstverständlich und bestimmt gibt sie der Musik die scheinbar einzige Form und Richtung. Dabei sind es nicht Show und Spektakel, die ihren Auftritt prägen. Vielmehr ist ihr Spiel elegant, sehr klar und von Respekt geprägt. Ihr Ton, der im Piano bis in die letzten Sitze klingt. Ihre hohen Noten, die deutlich und voll durch den Saal tragen. Ihre unzweifelhafte Gestaltung des Klanges, ein Vexierbild von Licht und Schatten – all dies schafft eine Faszination und einen Zauber, dem man sich kaum entziehen kann.

Die Pianissimi im Adagio des zweiten Violinkonzertes, kleine farbige Halluzinationen, die auf die Hörer niedersinken. Oder der langsamere Mittelsatz des 3. Konzertes, eine sehnsüchtige Melodie «wie vom Himmel gefallen» (Albert Einstein), wo der Ton von Mutter zu einem kaum wahrnehmbaren Zittern schwindet. Eine Suche, die alles Irdische hinter sich lässt. Eine Präsenz, fast nicht mehr von dieser Welt.

Subtile Feinheiten

Herrlich ist auch ihre technische Behandlung der Stücke. Gerade bei Mozart spielt die Phrasierung eine grosse Rolle. Die Wechsel zwischen Legato und Spiccato, manchmal auf einem Schlag, die vielen unterschiedlichen Gewichtungen der Noten. All diese Feinheiten treten aufs schönste nach vorne. Sie spielt elegant und klar, aber auch spannend und emotionell. So zum Beispiel im grossen Finale des 5. Violinkonzertes, wo sie den «alla turca»-Einschub wild und dämonisch, mit harten Kanten zelebriert. Sie ist eine dieser Musikerinnen, die auf dem Instrument alles kann. Gepaart mit ihrer bedingungslosen Suche nach der passenden Gestaltung, dem Herzen der Stücke, gibt dies eine Musik, die nahe an der Perfektion ritzt. Emotionell, packend und tiefgehend.

Klangkörper auf höchstem Niveau

Nicht weniger Anteil an diesem empfindungsreichen Abend hat das begleitende «Kammerorchester Wien-Berlin». Hinter dem simplen Namen steckt nichts anderes als eine Gruppe von Stimmführern der Wiener und Berliner Philharmoniker, zwei der Ikonen der europäischen Musikgeschichte. Unter dem Konzertmeister der Wiener, Rainer Honeck, interpretiert dieser exquisite Klangkörper auf höchstem Niveau. Ob in der Begleitung oder als Solisten in der 1. Sinfonie von Mozart – die Lust der Musiker, die Spannung in Spiel und Gestaltung ist mit den Händen greifbar. Variantenreich, intensiv, mit warmem Klang und sensibel zeichnen sie diesen farbenprächtigen Mozart, fügen die verschiedenen Ideen zu einem Fluss. Das Publikum ist begeistert, und die Musiker und Anne-Sophie Mutter verabschieden sich mit dem Presto aus dem 1. Violinkonzert von Mozart.

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