Lauschstück, Ländleroperette oder ein Gemetzel? Das können Sie auf der Bühne der Theaterwerkstatt Gleis 5 sehen

Die Frauenfelder Theaterwerkstatt Gleis 5 bietet heuer wieder Breitbandtheater vom feinsten. Mit dabei: Theater für die Kleinsten (ab 2), eine interaktive Operette und ein Adventsspaziergang mit Esel.

Dieter Langhart
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 Das Team der Theaterwerkstatt Gleis 5 (von links): Joe Fenner, Rahel Wohlgensinger, Giuseppe Spina,  Judith Zwick und Simon Engeli.

 Das Team der Theaterwerkstatt Gleis 5 (von links): Joe Fenner, Rahel Wohlgensinger, Giuseppe Spina, Judith Zwick und Simon Engeli.

Bild: Donato Caspari

Rahel, Giuseppe, Joe, Noce und Simon sind unzähmbar. Sie machen alles, also Theater. Also alles und für alle. Auch «Theater von Anfang an» für Kinder ab 2 Jahren. Rahel Wohlgensinger und Andrea Kilian beginnen die kommende Spielzeit genau für sie – mit «Klank», einer Art Fortsetzung der Entstehungsgeschichte «Flow» rund um das Mehl.

«Klank» ist eine Forschungsreise zum Klang der Dinge, zu Granit oder Herbstlaub. Die zwei lassen alles mögliche knacken und rascheln, knuspern und schwingen, wummern und brummen; sie wecken die Ohren, lassen Klein und Gross hinhören und aufhorchen. «Alle sollen kommen, auch Kitas», sagt Rahel Wohlgensinger, «und wenn das Budget zu klein ist, spielen wir auch für eine Kollekte.»

In «Klank» gibt es für kleine Zuschauer (ab 2) allerlei Klänge zu entdecken.

In «Klank» gibt es für kleine Zuschauer (ab 2) allerlei Klänge zu entdecken.  

Bild: PD

«Klank» ist nur eine von vier hauseigenen Produktionen in der stillgelegten Lokremise hinter Frauenfelds Bahnhof. Das sommerliche Freilufttheater fällt dieses Jahr aus, weil der Greuterhof Islikon renoviert wird.

Das Publikum wählt die besten Schlussakkorde

So oder so, in die Programmbresche springt eine Ländleroperette, die genau so heisst: «So oder so». Giuseppe Spina und Silvana Peterelli (zuletzt in «Der schwarze Kuss») spielen und singen, die optimierte Schweizer Volksmusik dazu machen der Weinfelder Christoph Hartmann und seine interaktive Formation «Cheibe Choge», das Libretto schreibt Bettina Scheiflinger, bekannt etwa von «zuOhren» in Wil. Zentral bei «So oder so»? Das Publikum wählt die besten Schlussakkorde und stimmt darüber ab.

Regie zum Jahresausklang führt Leopold Huber, Co-Leiter des See-Burgtheaters zu Kreuzlingen, das den Sommer am Bodensee dominiert: Er inszeniert Yasmina Rezas Klassiker «Der Gott des Gemetzels». Da geraten sich zwei Elternpaare in die Haare, weil ihre Sprösslinge sich auf dem Pausenplatz in die Wolle geraten sind.

Das Ensemble bei dieser «Situation Dampfkochtopf» (Spina: «der Druck nimmt zu, die Figuren können nicht raus») ist erstklassig: Zu den Gleis-5-Mitgründern Noce Noseda und Giuseppe Spina gesellen sich Wanda Wylowa («Strangers») und Nicole Steiner, die hier zuletzt in «Der Held der westlichen Welt» zu sehen war.

Ein Esel als Fluchtfahrzeug

Giuseppe Spina sagt: «Wir haben dieses Stück zwölfmal gespielt – bei hundert Prozent Auslastung, also mehr als im Greuterhof.» Dies zeige, dass Nachfrage nach solchen Stoffen bestehe und «dass wir ein gutes Stück möglichst oft in unserem Haus spielen wollen.»  In jener Eigenproduktion hatten er und Simon Engeli eine Doppelrolle inne: als Schauspieler und als Musiker von «A Little Green».

«Der Held der westlichen Welt» feierte im November 2019 Premiere in der Theaterwerkstatt Gleis 5.

«Der Held der westlichen Welt» feierte im November 2019 Premiere in der Theaterwerkstatt Gleis 5.

Bild: Dieter Langhart

Die vierte Eigenproduktion setzt eine Reihe fort: Mit «Ein Esel packt aus» ergänzen Rahel Wohlgensinger und Simon Engeli die Adventsspaziergänge durchs beleuchtete Frauenfeld mit kurzen Szenen oder Monologen und einem zwinkernden Auge. Hierfür lässt Puppenspielerin Rahel Wohlgensinger erneut eine Puppe in Berlin herstellen, einen Esel als «Sympathieträger» – und als «Fluchtfahrzeug», wie sie ihr Mann und Textautor Simon Engeli nennt.

Gastspiele und Repertoire? «Gesucht: Biber the Kid!» kehrt zurück, ebenso Süskinds Monolog «Der Kontrabass» oder die Secondo-Komödie «Zürich Hauptbahnhof». Und das ist längst nicht alles, das die Tausendsassas von der Theaterwerkstatt heuer anbieten.

Informationen zum Spielplan auf theaterwerkstatt.ch

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Dieter Langhart