Laure Wyss – ein Schreibleben

«Es ist etwas ganz Einfaches, das der Film des Zürcher Fernsehjournalisten Ernst Buchmüller über Laure Wyss, die dieses Jahr hundert Jahre alt geworden wäre, leistet.

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Laure Wyss Schriftstellerin, Journalistin, Frauenrechtlerin (Bild: pd)

Laure Wyss Schriftstellerin, Journalistin, Frauenrechtlerin (Bild: pd)

«Es ist etwas ganz Einfaches, das der Film des Zürcher Fernsehjournalisten Ernst Buchmüller über Laure Wyss, die dieses Jahr hundert Jahre alt geworden wäre, leistet. Und doch ist es etwas, das in vielen anderen Filmporträts über grosse alte Menschen fehlt: die Neugierde zu befriedigen, die das schöne alte Gesicht der damals 86-Jährigen drei Jahre vor ihrem Tod auslöst; zu zeigen, was dahinter steht, was für ein bewegtes, reiches, aktives Leben seine Spuren in diesen markanten Zügen hinterlassen hat», schreibt Bettina Spoerri über Buchmüllers Filmporträt.

Laure Wyss, die im Jahr 2002 starb, führte das Leben einer alleinerziehenden, berufstätigen Frau zu einer Zeit, als dieser Lebensentwurf nicht vorgesehen war. Sie wehrte sich gegen die Benachteiligung als Mutter eines ausserehelichen Kindes; als Journalistin kämpfte sie für die Selbstbestimmung und Gleichberechtigung der Frauen.

Sie wurde zu einer Medienpionierin und Wegbereiterin der heutigen Gesellschaft. Als Redaktorin des «Tages-Anzeigers» gründete sie 1970 das Magazin mit; sie förderte viele junge Autoren – darunter auch Niklaus Meienberg.

Biel, Paris, Zürich, Stockholm sind die biographischen Stationen, und Regisseur Erwin Buchmüller situiert analog dazu das Gespräch mit Laure Wyss an drei für sie wesentlichen Schauplätzen: in ihrer Zürcher Wohnung, im Ferien- und Schreibdomizil Mornac-sur-Seudre an der Atlantikküste und in den Strassen von Stockholm, wo die junge Schreiberin und Übersetzerin während des Krieges im Kreise des antifaschistischen deutschen Exils zu ihrer unbestechlich klaren politischen Haltung fand.

Laure Wyss erzählt unprätentiös, ihre eigentlichen Leistungen eher herabmindernd als ins Licht setzend, und doch gewinnt sie gerade dadurch Glaubwürdigkeit und Authentizität. (pd)

Der Film läuft am kommenden Sonntag, 17 Uhr, sowie am 26.9., 17.30 Uhr, im Kinok. Am Montag, 16. September, stellt die Autorin Barbara Kopp ihre Biographie «Laure Wyss – Leidenschaften einer Unangepassten» vor. Lesung in der Kellerbühne, 20 Uhr.