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Egon Schiele und die Frauen

Gleich drei Kunstsparten treffen beim neuesten Projekt des St. Galler Inscriptum Chors aufeinander: Zur Musik steuert die St. Galler Autorin Laura Vogt einen Text über den Maler Egon Schiele bei.
Martin Preisser
Die St. Galler Autorin Laura Vogt. (Bild: Urs Bucher)

Die St. Galler Autorin Laura Vogt. (Bild: Urs Bucher)

Es ist ein Markenzeichen des St. Galler Inscriptum Chores, dass er es nicht beim blossen Singen von Chormusik belässt. Musiktheatralische Inszenierungen und spartenübergreifendes Denken bestimmen immer wieder die Projekte.

Jetzt also ein Abend, der an den vor hundert Jahren an der Spanischen Grippe sehr jung verstorbenen Egon Schiele erinnern will. Bilder des Wiener Expressionisten werden nicht gezeigt, dafür nähert sich ein neuer Text der St. Galler Autorin Laura Vogt dem Künstler an, der vor allem für seine speziellen Frauenakte und Porträts berühmt geworden ist.

«Die Figuren bringen die Geschichte mit»

Laura Vogts zweiter Roman mit dem vorläufigen Titel «Eins und zwei» ist fertig und sucht einen Verlag. Mutter sein, Frau sein. Unterschiedliche Beziehungsformen will er erforschen. «Unterschiedliche Räume überlappen sich dabei», sagt die 29-jährige Literatin, die 2016 ihren Erstling «So einfach war es also zu gehen» vorlegte. «Ich orientiere mich beim Schreiben an den Figuren, sie bringen die Geschichte mit, sie sagen mir, was sie beschäftigt», erklärt die Autorin ihren Schreibprozess. Zwei Frauen spielen in dem Text über Egon Schiele eine Rolle, welcher der Chor Inscriptum für sein neues Projekt «Die Traumbeschauten» bei Laura Vogt in Auftrag gegeben hat. «Egon Schiele war ein nicht greifbarer und sehr ambivalenter Mensch», sagt Laura Vogt, die den Maler im Text selbst nicht auftreten lässt.

Schieles Person wird durch die beiden wichtigen Frauenfiguren in seinem Leben beleuchtet. Da ist einmal Wally Neuzil, Schieles Geliebte, eine arm und ohne Vater aufgewachsene Frau, stark und unabhängig. Als Gegenpol dann die bürgerliche, wohlbehütete Edith Harms, Schieles Ehefrau, die kurz vor ihm selbst mir ihrem ungeborenen Kind ebenfalls der Grippe erlag.

Chormusik aus verschiedenen Epochen

Vorgaben hat der Chor der Autorin nicht gemacht. «Ein Chorprojekt ist ein gewisser festgesteckter Rahmen, in dem ich mich aber selbst sehr frei bewegt habe», sagt Laura Vogt, die seit drei Jahren wieder in St. Gallen lebt. Zuvor hat sie in Biel im Literaturhaus eine Schreibausbildung absolviert, unter anderen bei der Schriftstellerin Ruth Schweikert, bei der sie vor allem gelernt habe, sich der eigenen Art des Schreibens bewusst zu werden.

«Die Blicke, die Egon Schiele auf seine Modelle und die Welt geworfen hat, werden im Projekt <Die Traumbeschauten> zurückgespiegelt», heisst es in der Einladung des Chors. Inscriptum, dirigiert von Christian Döhring, hat einen interessanten Mix von Chormusik verschiedener Epochen vorbereitet, Musik aus der Zeit Schieles, aber nicht nur. Zur traumähnlichen Szenerie des Abends erklingt Musik von Gustav und Alma Mahler, Schönberg und Zemlinsky. Der Abend geht aber auch zurück bis zu Dowland und in unsere Zeit zu einem geflüsterten Psalm Heinz Holligers oder den sphärischen Klängen des Letten Eriks Esenvalds.

Hinweis

Aufführungen: 11., 12., 13., 16., 18. und 19.1., jeweils 19.30 Uhr, Offene Kirche (Böcklinstr. 2), St. Gallen

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