Zugabe: Laue Abende statt Glühweindunst

Mitten im kalten Winter hofft das Theater St. Gallen auf einen guten Vorverkauf für die Freilichtoper im Klosterhof.

Bettina Kugler
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Der nächste Sommer kommt bestimmt:Das Theater St. Gallen beginnt den Vorverkauf für die Festspieloper im Klosterhof, während wir aufs Christkindlein warten. Bild: Toni Suter

Der nächste Sommer kommt bestimmt:Das Theater St. Gallen beginnt den Vorverkauf für die Festspieloper im Klosterhof, während wir aufs Christkindlein warten. Bild: Toni Suter

Heute schon an die St.Galler Festspiele gedacht? Das Wetter wäre prädestiniert dafür: ein eiskalter Sturm fegt ums Haus, der Regen prasselt ans Fenster. Weil man da sicher nicht an den rustikalen Buden des Weihnachtsmarkts vorbeischlendern und sich die Finger an einem Becher Glühwein wärmen will, schweifen die Gedanken lieber ein paar Meter weiter. Dorthin, wo der Weihnachtsmarkt schon immer gern wäre, aber mangels Besinnlichkeit nicht hinpasst: in den Klosterhof.

Hat man da nicht auch schon oft gefroren, in einer nassen Plastikpelerine dem Tod einer unglücklichen Heldin entgegengeschlottert? Natürlich mit viel katholischem Brimborium drumherum; schliesslich brüsten sich die Festspiele gern mit ortssensibler Stückauswahl.

So sicher wie das «Stille Nacht» in der Christmette kommt also im Dezember die Vorfreude auf das Sommerspektakel, findet das Theater St.Gallen und startet traditionsbewusst dieser Tage den Vorverkauf: mit dem Sehnsuchtsbild «lauer Abende» vor der Kathedrale.

Lau aber sollte Oper nie sein, sondern lodernd vor Leidenschaft. Sogar noch dann, wenn, wie 2020 in Verdis «Stiffelio», ein protestantischer Pastor auf der Bühne seine Pflicht tun muss.