Neue Alben: Der nächste Kendrick Lamar

Anderson.Paak kombiniert auf seinem Album Lässigkeit mit souligen Beats. Und wird von Erfolgsproduzent Dr. Dre etwas gar auf gross getrimmt.

Stefan Künzli/Michael Graber
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Lässigkeit wird auf Gross getrimmt

Eine der grössten Künste im Rap ist es, etwas sehr ernsthaft zu machen und dabei trotzdem unglaublich lässig zu wirken. Anderson .Paak kann das. Locker fliegt er über die jazzig-souligen Beats und strahlt selbst in schnellen Momenten eine Tiefenentspanntheit aus, um die ihn wohl sämtliche Yoga-Lehrer beneiden. Nach Jahren als Geheimtipp und einer Tour im Vorprogramm von Bruno Mars, wird jetzt alles etwas ernster. Für «Oxnard» zeichnet sich Dr. Dre verantwortlich, der alles etwas gar auf gross trimmt. Man hört etwas zu oft, dass da der nächste Kendrick Lamar gemacht werden soll. Aber dank der Leichtigkeit von Paak sieht man auch darüber locker hinweg.

Anderson .Paak: Oxnard, ADA/Rykodisc/Warner

Wenn das Leben doppelt gemein ist

Charles Bradley ist ein Beispiel dafür, dass das Leben manchmal doppelt gemein sein kann: Erst 2011 mit 62 Jahren gelang dem Soul-Sänger nach entbehrungsreichen Jahren der Durchbruch – 2017 starb er an Magenkrebs, zuvor war er immerhin noch durch die halbe Welt getourt. Auf seinem Album «Black Velvet» versammeln sich Raritäten und ungehörte Tracks. Da wird schnell klar: Charles Bradley war ein Ereignis. Er schlendert locker und lässig durch funky Soulgefilde und berührt mit einer grossen stimmlichen Power.

Charles Bradley: Black Velvet, Daptone Records

Die anderer Seite der ZAZ

Die 38-jährige Zaz hat die französische Popszene seit ihrem Debüt 2010 mächtig aufgemischt und dem in die Jahre gekommenen Chanson eine Frischzellenkur verpasst. Doch auf ihrem neuen Album vermissen wir die Jazz-affinen Uptempo-Stücke, welche die quirlige Sängerin berühmt gemacht haben. Stattdessen erweitert die Weltenreisende ihr Repertoire um kubanische Rhythmen und wird auch poppiger. Zaz zeigt andere Seiten, klingt melancholischer, nachdenklicher als zuletzt. Doch auch das beherrscht sie. Am berührendsten sind die ganz reduziert arrangierten Stücke wie «Ma Valse».

Zaz: Effet Miroir, Warner.