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Lara Stolls schräges Fernsehen

Die Slampoetin aus dem Thurgau realisiert zusammen mit zwei Mitstudenten die Satiresendung «Bild mit Ton». Sie haben Carte blanche, dafür arbeiten sie von früh bis spät. Am Montag ist das Resultat zu sehen.
Rolf App
Da geht die Post ab: Dominik Wolfinger, Lara Stoll und Cyrill Oberholzer machen aus ihrem Studio lustvoll Kleinholz. (Bild: Coralie Wenger)

Da geht die Post ab: Dominik Wolfinger, Lara Stoll und Cyrill Oberholzer machen aus ihrem Studio lustvoll Kleinholz. (Bild: Coralie Wenger)

Unsere drei Helden sind müde. Tags zuvor haben sie bis zum Umfallen im Fernsehstudio gearbeitet – und sind dann noch eins trinken gegangen. Oder auch zwei. Am Samstag haben sie das Studio verwüstet. Natürlich nicht als Selbstzweck, sondern in fernseherischer Absicht.

Wolfi und die Lesbe

Dennoch: Kaum haben sie die Kaffees bestellt, sind Lara Stoll, Cyrill Oberholzer und Dominik Wolfinger wieder quicklebendig. Und natürlich fragen sie, wie ich denn die erste Folge von «Bild mit Ton» finde. Die Wahrheit ist: Ich habe mich selten so krumm gelacht. Da ist diese altkluge junge Frau, die im heiligen Ernst Texte liest, zu denen die Bilder den kuriosesten Kontrast bilden. Da ist «Wolfi», Hauptfigur einer abschliessenden Kürzest-Sitcom. In der ersten Folge bekommt der Schüchterne es mit einer Lesbe zu tun. Zwischendurch steht er auch einfach auf einer Wiese und schaut in die Gegend, womit die Frage beantwortet ist: Was tun eigentlich Liechtensteiner? Da ist, drittens, der Computerwissenschafter Cyrill Oberholzer, der eigentlich gar nicht vor die Kamera wollte. Der jetzt aber auf einem Uraltgerät herumhämmert, während eine Stimme erklärt, es sei nun gelungen, alle Videos im gesamten World Wide Web in einem einzigen zu komprimieren, den man nun zeigen werde. Was dann folgt, ist der Höhepunkt dieser Folge. Nein, verraten sei es hier nicht.

Carte Blanche für Lara Stoll

Wie ist es zu dieser Kuriosität aus der Hand dreier Fernsehneulinge gekommen? In einem ersten Schritt hat sich das «Schweizer Sportfernsehen» unter neuen Besitzern ins «Sport-Szene-Fernsehen» umgewandelt – und hat dann Szeneformate gesucht. «Im Februar sind die Verantwortlichen auf mich zugekommen und haben mir Carte blanche gegeben für ein Comedyformat», sagt Lara Stoll. Sie hat im Herbst 2011 an der Zürcher Hochschule der Künste mit einem Filmstudium begonnen und dort Mitstreiter gesucht.

Was fehlt: Das liebe Geld

Sechs Folgen sind gedreht, die weitere Zukunft hängt davon ab, wie das Format ankommt. «Wir sind auf grosser Sponsorensuche, wir bräuchten ein grösseres Budget», sagt Lara Stoll.

«Am Anfang war vieles unklar, wir haben uns auch nicht sehr gut gekannt», erzählt Dominik Wolfinger. «Wir haben dann aber ziemlich rasch Ideen entwickelt.» Und sich ins Abenteuer gestürzt. «Zuerst dachten wir an zwölf Minuten, jetzt sind es schon 24», sagt Cyrill Oberholzer.

Alle drei hatten keine Ahnung, worauf sie sich da eingelassen hatten. «Unsere Leben sind sehr beeinträchtigt», stellt Lara Stoll leicht lädiert fest. «Wir studieren fast nicht mehr. <Bild und Ton> ist zum Lebensinhalt geworden.»

Mitleid wäre fehl am Platz

Mitleid muss man allerdings nicht haben mit den dreien. Im Gespräch bricht immer wieder die Freude über das Werkeln im Studio durch. Goldgräberstimmung herrscht, es fühlt sich nach Abenteuerurlaub an. Denn auch improvisieren müssen sie beinahe pausenlos. «Es kommt vor, dass bei uns mehr Leute vor als hinter der Kamera stehen», sagt Cyrill Oberholzer. Viele sind es nicht, weder auf dieser noch auf jener Seite. Pannenträchtig ist das Ganze auch. «Wir haben einmal einen Tag lang drei Folgen der Wolfi-Sitcom aufgezeichnet – und am Abend festgestellt, dass man den Ton nicht brauchen kann», erzählt Lara Stoll. Eine «normale» Aufnahmecrew hätte jetzt einfach nachsynchronisiert, diese hier macht aus der Panne einen schrägen Witz – wie man noch sehen wird.

Für nichts haben die drei genug Zeit, weder fürs Drehbuch-Entwickeln noch fürs Casting der Darsteller noch fürs Drehen. Gerade in dieser Knappheit aber liegt wohl das kreative Potenzial. Und in der geballten Phantasie von Lara Stoll, Dominik Wolfinger und Cyrill Oberholzer. Sie mögen einander und kennen sich mittlerweile auch ziemlich gut. «Unser Humor ist zwar noch immer sehr verschieden», sagt Lara Stoll. «Aber er hat schon abgefärbt.»

Sehen Sie also, was ihnen unter der Rubrik «Sprichwörter hinterfragt» eingefallen ist zum Sprichwort: «Wer andern eine Grube gräbt, ist selber schuld.»

SSF: Montag 19.00 und 20.10 Uhr

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