Langes Warten auf Chaos und Musik

St. Gallen. Als das 35. OpenAir St. Gallen gestern eröffnet wurde, hatten die härtesten Festivalgänger schon über 24 Stunden Wartezeit in den Knochen: Seit dem späten Mittwochmorgen belagerten Grüppchen mit Bier, Campingstühlen und Pavillons das Sittertobel.

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Die Sitterbühne im Blick: Innert kurzer Zeit bauten die OpenAir-Besucher ihre Zeltstadt im Sittertobel. (Bild: Hanspeter Schiess)

Die Sitterbühne im Blick: Innert kurzer Zeit bauten die OpenAir-Besucher ihre Zeltstadt im Sittertobel. (Bild: Hanspeter Schiess)

St. Gallen. Als das 35. OpenAir St. Gallen gestern eröffnet wurde, hatten die härtesten Festivalgänger schon über 24 Stunden Wartezeit in den Knochen: Seit dem späten Mittwochmorgen belagerten Grüppchen mit Bier, Campingstühlen und Pavillons das Sittertobel. Ein Rekord im traditionellen Kampf um die besten Zeltplätze.

«Sicher über 100 Leute» hätten vor dem Haupteingang übernachtet, schätzt ein 35jähriger Vorarlberger, der zuvorderst in der Schlange steht. Die Nacht auf den Donnerstag sei «saukalt» gewesen, es habe stundenlang geregnet – alles vergessen und vorbei, als das Gelände um 16 Uhr zum Sturm freigegeben wird; wegen des Grossandrangs eine Stunde früher als geplant.

Schlamm oder nicht?

15 000 Besucher, so schätzen die Organisatoren, waren gestern als «Nachtschwärmer» im Sittertobel unterwegs. Sie stürzten sich einen Tag vor dem eigentlichen Start des OpenAir in das Chaos und die Musik, die hier herrschen – und zwar in dieser Reihenfolge.

Für Nachtschwärmer gibt es seit 2010 keine Begrenzung nach oben mehr, zuvor war jeweils bei 5000 Schluss – beschauliche Zeiten, die sich gestern viele Anstehende zurückwünschten. «Die aktuellen Besucherzahlen zeigen eben, dass das Warm-up am Donnerstag ein Bedürfnis ist», entgegnet Christof Huber, Programmchef des OpenAir, den Kritikern.

Ohnehin zeigt sich Huber entspannt, während er am Haupteingang den Platzsturm der schwer beladenen Festivalfreaks beobachtet: Die Vorverkaufszahlen deuten darauf hin, dass das OpenAir 2011 ausverkauft sein wird, von Seiten der Bands gab's bisher keine Absagen. Und trotz Dauerregen in der Nacht wurde das Gelände «grün übergeben», wie Huber sagt. Zuvor musste an heiklen Punkten Dreck und Wasser abgesaugt werden, denn «ganz ohne Schlamm geht es nicht». Dass das OpenAir dieses Jahr zur berüchtigten Schlammschlacht ausartet, ist aber nicht zu erwarten: Für heute ist wenig Regen angesagt, ansonsten soll das Wochenende trocken bleiben.

Die Stadt am Stadtrand

Gute Aussichten also für die Bewohner der Zeltlandschaft im Tobel, einer eigentlichen Stadt am Stadtrand: Innert kurzer Zeit wurden ausgefallene Konstruktionen aus Blachen hochgezogen, Fahnen gehisst, Grills angeworfen und mit den Platznachbarn Bier aus PET-Flaschen geteilt.

Als erste Band des OpenAir 2011 standen gestern abend die schwedischen Alternative-Rocker Johnossi auf der Sternenbühne – ein erstes Highlight: Sänger und Gitarrist John Engelbert und Drummer Oskar Bonde faszinierten das Publikum mit einer wuchtigen Klangwand, die auch einer fünfköpfigen Band alle Ehre gemacht hätte.

Urs-Peter Zwingli

www.tagblatt.ch/festivals

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