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Lachen für den tiefen Blutdruck

In Sekunden kann er zu Roger Köppel werden oder zu Christoph Mörgeli. Das tut auch jenen gut, die dabei zuschauen, erklärt Fabian Unteregger, der sein Medizinstudium auf der Bühne mit dem Programm «Doktorspiele» fortsetzt.
Rolf App
Das ist Doktor Fabian Unteregger, der gerne die Menschen zum Lachen bringt. (Bild: pd)

Das ist Doktor Fabian Unteregger, der gerne die Menschen zum Lachen bringt. (Bild: pd)

Fabian Unteregger liebt die Überraschung. Die Kellnerin in der St. Galler Lokremise spricht er sofort mit ihrem Namen an. Ihr Schildchen kann zwar auf diese Distanz nur ein Adler entziffern. Für ihn: kein Problem. Fliegt ein Helikopter in der Höhe über uns hinweg, sagt er wie aus der Pistole geschossen: «Ich sehe da gerade eine R22 aus Sitterdorf.» Fliegen, das hat ihn schon immer fasziniert. So hat der Vielbegabte auch fliegen gelernt.

Ob alle in seiner Familie so fix reagieren wie er? «Meine Eltern sind jedenfalls nicht die Langsamsten.» Kann man in dieser Wachheit und in diesem Tempo schon eine Art Lebensmuster des Komikers erkennen, der mittlerweile auch ausgebildeter Arzt ist – und jenes Programm, mit dem er kommenden Sonntag in St. Gallen im «Zelt» zu Gast ist, denn auch mit «Doktorspiele» überschrieben hat? Kann sein.

«Hausärzte im Test» lautet die Grundidee seines Programms. Die Schweiz braucht dringend Hausärzte, also testen wir mal, ob der eine oder andere Prominente dafür in Frage käme - und wie er sich denn als Arzt benehmen würde. Zum Beispiel Roger Köppel, eine Lieblingsfigur des begnadeten Parodisten Unteregger. Oder Christoph Mörgeli, der selbstverständlich auch mit Stethoskop kein Jota von seinen kruden Ansichten abweicht.

Humor und Medizin

So schlüpft Unteregger in rasantem Tempo in seine vielen Figuren und fühlt sich dabei «pudelwohl», wie er sagt. Und er kann jenes Medizinstudium zweitverwerten, das ihn fachlich weiter beschäftigt. Nach dem Abschluss seiner Ausbildung arbeitet Unteregger – wenn er nicht gerade als Comedyunternehmer tätig ist – in der Grundlagenforschung. «Mein Thema ist die Stimme. Wir haben fünfzig Sängerinnen in einen Computertomographen gesteckt und werten das jetzt aus.» Als Arzt praktizieren kann er derzeit nicht. Doch die Forschung lasse sich gut mit der Bühne verbinden, sagt er. Später im Leben noch Medizin zu studieren, das sei wirklich eine gute Idee gewesen. Und mit dem Umschalten zwischen Medizin und Comedy hat Unteregger «null Probleme; das geht in Sekundenbruchteilen».

Ohnehin liegen dazwischen keine Welten. Wer krank ist, empfindet Humor als tröstlich. Die Menschen machen sich gerne lustig über jene Mächtigen, die Fabian Unteregger parodiert.

«Es war höchste Eisenbahn»

Ausserdem, der Arzt hat wieder das Sagen: Humor tut auch körperlich gut. Wenn er als Comedian auftrete, dann wolle er, «dass nachher jeder Einzelne in einer besseren Verfassung geht, als er gekommen ist», sagt Fabian Unteregger. «Wer in mein Programm kommt, hat nachher garantiert einen tieferen Blutdruck, eine niedrigere Herzrate und glücklichmachende Endorphine im Blut.»

Schliesslich: Wie der Hausarzt seine Patienten mit Handschlag verabschiedet, so steigt Fabian Unteregger am Ende von der Bühne und gibt jedem Zuschauer die Hand. Das ist ernst gemeint. «Es war höchste Eisenbahn, dass das mal jemand macht», erklärt er. «Wir können ja nur dank jener Menschen überleben, die gekommen sind, uns zu sehen.» Die Zuschauer freuen sich und wollen sich dann manchmal mit ihm zusammen fotografieren lassen. «Wenn dann Siebzigjährige kommen, ein Selfie machen wollen und der Kamerablitz in die andere Richtung geht, dann ist klar: Da hat jemand das erste Selfie seines Lebens gemacht.»

Auftritt bei «Giacobbo/Müller»

Die Sache mit dem Humor hat, wie so oft, in der Schule angefangen, sich dann an der ETH fortgesetzt, wo Unteregger Lebensmittelwissenschaften studiert hat – und schliesslich zu einem Auftritt bei «Giacobbo/Müller» geführt. «Die haben zwei Monate vor der <Giacobbo/Müller>-Premiere angerufen, es folgte ein kurzes Kennenlernen, Dreh eines Piloten und der Rest ist Geschichte.» Er ist zu einem Anlass ans Zürcher Kongresshaus gebucht worden – ohne ein Programm, das er sich dann auf die Schnelle erarbeiten musste. «Ich weiss gar nicht mehr, was ich gemacht habe.» Sich Herausforderungen zu stellen – und auch seinen Ängsten – , darum gehe es.

Schwierigere Ostschweizer

Allein aufzutreten, mit einem Minimum an Technik, das sei für ihn die ideale Form der Stand-up-Comedy, sagt er. Nur Fabian Unteregger und das Publikum – das, je nach Landesgegend, immer anders reagiert. Die Ostschweizer sind zu Beginn träger, bei den Bernern geht es rasch, die Basler scheinen in der ersten Hälfte zu schlafen.

Am Ende bei allen die tiefere Herzrate hinzubekommen, das ist die schöne Arbeit von Doktor Fabian Unteregger.

Fabian Unteregger tritt kommenden Sonntag um 19 Uhr im «Zelt» auf der St. Galler Kreuzbleiche auf.

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