Kurdische Geschichten

Zum zweiten Mal organisiert der kurdische Arbeiter- und Kulturverein «Kurdische Filmtage». Ab heute finden im Alten Kinok an der Grossackerstrasse sechs Filmabende statt. Zu sehen sind Spiel- sowie Dokumentarfilme.

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Kurzer Glücksmoment: Szene aus «Die Kinder von Diyarbakir». (Bild: pd)

Kurzer Glücksmoment: Szene aus «Die Kinder von Diyarbakir». (Bild: pd)

Die Begegnung und Verständigung zwischen Zugezogenen und Einheimischen ist ein Anliegen des kurdischen Arbeiter- und Kulturvereins St. Gallen. Die «Kurdischen Filmtage», die der Verein zum zweiten Mal veranstaltet, sind eine Möglichkeit für solche Begegnungen. Heute startet im Alten Kinok in St. Fiden ein Programm mit Filmen, die sich mit dem Alltag, den Schicksalen und Geschichten von Kurdinnen und Kurden in der Türkei und Menschen in der Migration beschäftigen. Darunter einige preisgekrönte Spiel- und Dokumentarfilme.

Roadmovie und Gefängnis

Den Auftakt macht «To Go – My Marlon & Brando» von Hüseyin Karabey. Der mehrfach ausgezeichnete Spielfilm (unter anderem am New Yorker Tribeca-Filmfestival) beruht auf Erlebnissen der türkischen Schauspielerin Ayça Damgayi. Erzählt wird, wie sich die Schauspielerin auf eine gefahrvolle Reise durch Kurdistan und Irak nach Iran machte, um zu ihrer Liebe, einem irakischen Schauspieler, zu gelangen.

Das Gefängnis Nummer 5 in Diyarbakir war nach dem Militärputsch im September 1980 das berüchtigtste Gefängnis für Oppositionelle. Der Dokumentarfilm «Zelle Nummer 5» von Cayan Demirel wurde 2009 unter anderem beim Filmfestival in Antalya ausgezeichnet. Es ist die erste und einzige Dokumentation, die die menschenunwürdigen Zustände in der als «Militärschule» deklarierten Haftanstalt aufzeigt.

Kinder, Migranten, Anführerin

Ein Doppelprogramm wird am Sonntag im Alten Kinok präsentiert: Zunächst wird «Verlorene Freiheit» gezeigt; der einzige Film, der nicht deutsch sondern lediglich englisch untertitelt gezeigt wird. Die Filmemacher Özlem Turan und Yusuf Yesilöz (der Autor und Filmemacher lebte lange in St. Gallen und nun in Winterthur) sind am Sonntag zu Gast.

«Min Dit – Die Kinder von Diyarbakir» ist das Langfilmdébut des in Deutschland aufgewachsenen Miraz Bezar und erzählt von zwei Geschwistern, die nach dem Tod der Eltern und ihrer Tante auf sich allein gestellt sind. Das Drama spielt während des Bürgerkriegs in der Stadt Diyarbakir, im Herzen des kurdischen Teils der Türkei.

Mit «Berivan – Epos eines Aufstands» ist ein 50minütiger Dokumentarfilm über den Volksaufstand 1992 zu sehen. Im Mittelpunkt des Films steht eine kurdische Frau; getarnt in traditionellen Männerkleidern, war sie als Berivan Anführer des Aufstands.

Den Abschluss der Filmreihe macht «Musikliebe» von Yusuf Yesilöz. Sein Dokumentarfilm porträtiert zwei Musikerinnen und einen Musiker, die ob ihrer Flucht aus der Heimat ihre erfolgreichen Karrieren abbrechen mussten. Er schildert, wie sie sich in der Schweiz zurechtfinden und einen künstlerischen Neuanfang versuchen. (pd/as)