KUNSTZEITSCHRIFT: «Parkett»-Ära geht zu Ende

33 Jahre lang erschien die Schweizer Kunstpublikation «Parkett». Nun wird sie diesen Sommer mit dem Erscheinen eines Doppelbandes eingestellt.

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Das Logo von «Parkett» hatte die Mutter von Bice Curiger von Hand gestickt. Es sollte die Liebe zum Handwerk und das leicht Exzentrische dieser Schweizer Kunstzeitschrift zum Ausdruck bringen. Wie ihr Titel andeutet, hatte sie von Anfang an den Anspruch, sich etwas schräg auf dem rutschigen Parkett der Kunst zu bewegen. Vor wenigen Tagen hat nun Curiger zusammen mit den Mitherausgebern Jacqueline Burckhardt und Dieter von Graffenried bekannt gegeben, dass «Parkett» nach 33 Jahren im Sommer eingestellt wird. Ausschlaggebend für diesen Entscheid sei letztlich «das im digitalen Zeitalter sich radikal verändernde Leseverhalten des Publikums» gewesen.

Wie Dieter von Graffenried auf Anfrage unserer Zeitung mitteilt, seien mit dem drastischen Rückgang der Buchhandlungen vor allem deren Verkäufe zurückgegangen. Zudem abonnierten junge Leserinnen und Leser viel weniger, sondern informierten sich online und vorzugsweise ohne Bezahlung. Aktuell verfügt die Zeitschrift über 10000 Abonnenten in über 50 Ländern.

Wie von Graffenried weiter ausführt, entspreche der Abschluss eines in sich geschlossenen Zyklus von 33 Jahren gut einer greifbaren Zeitkapsel der Gegenwartskunst. Nachfolge- diskussionen seien deshalb kein Thema gewesen.

Brücke zwischen Europa und USA

«Parkett» als Zeitschrift zu bezeichnen, ist eine masslose Untertreibung, umfasste die Publikation, die sich ausschliesslich zeitgenössischer Kunst widmete, doch rund 200 Seiten. Sie erschien zweimal pro Jahr und arbeitete für jede Ausgabe mit Künstlern zusammen, die dafür einen Beitrag gestalteten. Ausserdem entstanden von Anfang an parallel zum Magazin Künstlereditionen. Sie erzielten rund einen Drittel der Einnahmen und dienten der Quersubventionierung. Sie erlaubten es aber auch weniger zahlungskräftigen Lesern, das Werk eines interessanten Künstlers zu erwerben. Mit der Zeit entwickelten sie sich zu gefragten Sammlerstücken, die in zahlreichen Museen ausgestellt wurden.

«Parkett» wurde 1984 gegründet, um eine Brücke zwischen Europa und den USA zu schlagen, wo damals in der zeitgenössischen Kunst vieles in Bewegung geriet. Dies gewährleistete man durch ein Büro in Zürich und New York und zweisprachigen Beiträgen auf Deutsch und Englisch.

Die «Parkett»-Ära wird abgeschlossen mit der Sonder-Doppelausgabe 100/101. Die «Parkett»-Bände und Künstlereditionen bleiben über die Website und die Verlagsbüros in Zürich und New York abrufbar. Zudem werden alle «Parkett»-Ausgaben und deren 1500 Texte digitalisiert und danach online gegen eine Gebühr zugänglich sein.

Christina Genova

christina.genova

@tagblatt.ch