Kunstvoll schimpfen mit Bernhard

Keiner hat das literarische Geschimpfe so kunstvoll zum sprachartistischen Vergnügen gesteigert wie Thomas Bernhard.

Hansruedi Kugler
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book (Bild: Hansruedi Kugler)

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Keiner hat das literarische Geschimpfe so kunstvoll zum sprachartistischen Vergnügen gesteigert wie Thomas Bernhard. Im späten Dramolett «Claus Peymann kauft sich eine Hose und geht mit mir essen» aus dem Jahr 1986 lässt er seinen Lieblingstheaterregisseur Claus Peymann über Schauspieler dies sagen: «Bis jetzt sind alle diese Burgtheaterschafe für ihr stumpfsinniges Blöken bezahlt worden. Den ganzen Tag, das ganze Jahr herumgelegen auf der Wiener Burgtheaterweide sind sie ...» Ordinäres Gezeter? Ja, klar. Für zartbesaitete Gemüter hat Thomas Bernhard nie geschrieben. Viele Österreicher bekommen heute noch rote Hassköpfe. Aber zugleich ist dieses Gezeter eine Parodie und jene hohe Kunst der Überheblichkeit, die sich selbst ins Lächerliche zieht. Und über die ich noch lange lachen werde. Thomas Bernhards Hassliebe zum Theater ist legendär. Im Herbst vorigen Jahres sass ich im Wiener Akademie-Theater. Auf der Bühne stakste Claus Peymann selbst herum, 77 Jahre, in lächerlich jugendlich wirkenden, viel zu bauschigen Bundfaltenhosen. Der Regiegrossmeister spielte sich selbst, in der Hand das Buch, aus dem er mindestens die Hälfte des Textes ablesen musste. Grotesk? Ja, aber das Theater war ausverkauft und die Wiener bejubelten ihren Peymann wie einen Popstar. Ich war gerührt. Mein Komödienvergnügen ist nämlich dann am grössten, wenn die Kunst der Satire auch den Satiriker selbst zum verehrten Lachobjekt macht. Einfacher gesagt: Nichts Plumperes als ein Witz ohne Selbstironie. Thomas Bernhard war darin ein rabiater Meister.