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KUNSTVEREIN FRAUENFELD: Der fröhliche Melancholiker

Der Bildhauer Johannes Hepp schafft raffinierte Figuren aus Holz: winzige und lebensgrosse, verschachtelte und frei ­schwebende, kippende gar. Und dann ist da noch eine launische Ahnengalerie an der Wand.
Dieter Langhart
Traurige und fröhliche Überraschungsmomente aus Holz: Johannes Hepps Skulpturen in Frauenfeld. (Bild: Donato Caspari)

Traurige und fröhliche Überraschungsmomente aus Holz: Johannes Hepps Skulpturen in Frauenfeld. (Bild: Donato Caspari)

Dieter Langhart

dieter.langhart@tagblatt.ch

Humor hat dieser Mann. Aber nicht nur. Denn die Gesichter in manchen seiner Holzskulpturen schauen verloren drein, traurig fast. Und doch: Der Schalk überwiegt bei Johannes Hepp, das Doppelbödige und Hintergründige. Er sägt und schnitzt nicht einfach Figuren aus dem Holz, stellt sie hin und sagt: Sieh her, dies ist ein Mensch. Nein, Hepps Figuren zeigen Regungen, führen ein Eigenleben, lösen sich von ihrem Schöpfer. Keine Archetypen also, sondern Individuen.

In einer frühen Phase hat der 29-Jährige Figuren in Holzkisten gesteckt, doch das war bald «wie eine Masche», sagt er im Gespräch. Einige raffinierte Beispiele zeigt er im Kunstverein. Bald kamen kinetische Elemente hinzu, Teile der Skulpturen liessen sich bewegen – Beispiele davon sind auch in der Ausstellung im Kunstverein Frauenfeld zu sehen. Etwa der kleine Affe, vor dem Gesicht eine Banane, statt Beinen ein Pendel, das Gesicht und Frucht synchron zu einem Nein bewegt. Oder die Pumpe, mit der sich drei Walrossköpfe in einer Kiste anheben lassen, dazu rollen Perlen, als rausche das Meer.

Könige und Narren und ein Manager im Aktenkoffer

Die Männer sind in der Mehrzahl, auch einige Paare gibt es zu sehen. Eines hängt Brust an Brust, aber an Marionettenfäden, ein anderes hängt nebeneinander an der Wand, je in einem kirchenfensterförmigen Rahmen. Frappierend, dieser Einfallsreichtum! Hier steckt Hepp einen alten Mann in eine blaue Werkzeugkiste, und flugs fällt Otmar Dossenbach vom Kunstverein «Der alte König in seinem Exil» von Arno Geiger ein. Da drapiert Hepp eine Feder über ein gekröntes Männchen, dessen Bruder drüben in einem Vogelnest hockt. Einen Manager mit roter Krawatte packt Hepp in einen Aktenkoffer, einen nackten Winzling lehnt er auf einem Vierkantholz an die Wand, ein Mann steht mit hängenden Armen am Fenster und blickt hinaus, ein weiterer Typ steht aufrecht auf einem schiefen Holzblock. Der Künstler fragt rhetorisch: «Was ist schon sicher? Eigentlich nichts.» Jede Macht ist letztlich lächerlich, sagt Johannes Hepp, und lässt die klassische Bildhauerei ins Leere laufen, die nach dem Idealen suchte.

Bild: Donato Caspari
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Bild: Donato Caspari
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Bild: Donato Caspari
Bild: Donato Caspari
Bild: Donato Caspari
32 Bilder

Holzfiguren, humorvoll und traurig

Während andere Holzbildhauer jahrelang an ihrem Gestus kleben bleiben, also erkennbar sind, eint Johannes Hepps Skulpturen ein Einfallsreichtum, der spielerisch und ernsthaft zugleich ist und sich in den Gesichtern spiegelt, die er dezent mit Aquarellfarben koloriert. Könige und Narren, kein Körper ist perfekt, mancher wirkt alt und verlebt und hat Ruhe und Gelassenheit verloren.

Bei Johannes Hepp ist ein leicht melancholischer Grundton erkennbar, aber auch eine Art profaner Poesie. Sie kulminiert im hintersten Raum, wo Hepp eine Ahnengalerie aus der Familie seiner Schweizer Mutter aufgehängt hat, eine Collage aus «kleinen Spielereien», wie er sie nennt. Einige Aquarelle fallen auf. «Sie dienen mir phasenweise als Ausgleich», sagt der Künstler, «weil ihre Sprache und Machart so anders sind.» Und manchmal gesellt er geschriebene Sätze zu den Bildern.

Überraschungen zwischen Sockel und Figur

Johannes Hepp ist Jahrgang 1986 und hat in Freiburg im Breisgau Kunst studiert. Er hat sich in allen möglichen Techniken versucht, ist aber «mehr und mehr beim Holz gelandet». Gerade die winzigen Figuren bereiten ihm Freude. «Sie gehen mir schnell von der Hand, ich kann eine Idee rasch umsetzen und doch eine Raumwirkung erzeugen.» Das trifft nicht nur auf jenes Männchen zu, das er in eine WC-Schüssel gesetzt hat. Immer wieder erzeugt Hepp Überraschungsmomente aus dem Zusammenspiel von Sockel und Figur. Herrlich! Mehr Beispiele sind online in der Bildergalerie zu sehen.

Vernissage: Sa, 10.2., 17.30 Uhr (Türöffnung 16.30 Uhr), Kunstverein Frauenfeld, Berner Haus, Bankplatz 5; bis 11.3. Sa 10–12/14–17, So 14–17 Uhr Sa, 17.2., 11 Uhr: Führung

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