Kunstpreis
Höchstdotierter europäischer Kunstpreis geht an die türkische Künstlerin Gülsün Karamustafa

Mit dem 150000 Franken dotierten Kunstpreis ehrt die am Kunsthaus Zürich angesiedelte Roswitha Haftmann-Stiftung das Werk der 1946 geborenen Gülsün Karamustafa. Ihre Arbeit ist von der Ästhetik byzantinischer Ikonen und der Hinterglasmalerei inspiriert.

PD/Hansruedi Kugler
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Double Reality, 1989–2013.

Double Reality, 1989–2013.

Salt / Aargauer Zeitung

Der Stiftungsrat der Roswitha Haftmann-Stiftung hat beschlossen, dass der mit 150'000.– Schweizer Franken dotierte Roswitha Haftmann-Preis 2021 an die türkische Künstlerin Gülsün Karamustafa verliehen wird. Die Künstlerin, deren Werk verschiedene Gattungen wie Malerei, Installation, Video und Performance umfasst, gehört zu den bedeutendsten Kunstschaffenden der Türkei. «Als eine der künstlerisch und gleichzeitig politisch überzeugendsten Stimmen unserer Zeit», so der Stiftungsrat der Roswitha Haftmann-Stiftung, «hat Gülsün Karamustafa den Roswitha Haftmann-Preis mehr als verdient.»

Gülsün Karamustafa

Gülsün Karamustafa

Muhsin Akgun

Höchstdotierter europäischer Kunstpreis

Roswitha Haftmann-Stiftung

Die Auszeichnung geht auf die Initiative von Roswitha Haftmann (1924–1998) zurück. Seit 2001 vergibt ihre Stiftung den Preis an lebende Künstlerinnen und Künstler, deren Werk von überragender Bedeutung ist. Wer den Preis erhält, wird vom Stiftungsrat bestimmt. Ihm gehören die Direktorinnen und Direktoren des Kunstmuseums Bern, des Kunstmuseums Basel, des Museum Ludwig in Köln und des Kunsthaus Zürich an. Hinzu kommen Mitglieder, die vom Stiftungsrat berufen werden.

Memory of a Square, 2005. Double Screen Video-Installation, 17 Min. Und 20 Drahtkörbe mit Rollen, 20 traditionelle Quilts.

Memory of a Square, 2005. Double Screen Video-Installation, 17 Min. Und 20 Drahtkörbe mit Rollen, 20 traditionelle Quilts.

The Artist And Bürosarıgedik / Aargauer Zeitung

Geboren 1946 in Ankara, studierte Karamustafa an der Staatlichen Kunstakademie in der türkischen Hauptstadt, wo sie auch heute noch lebt und arbeitet. Ihre Karriere begann in den 1970er-Jahren und stellt einen frühen Beitrag zu den heute mehr denn je aktuellen gesellschaftlich diskutierten Themen Migration, Feminismus, Gender und der Aufarbeitung des Kolonialismus dar.

Mit ihrer Haltung, die auch durch autobiografische Erlebnisse geprägt ist, provozierte Karamustafa wiederholt die türkische Regierung. Man entzog ihr den Pass und damit während 16 Jahren die Möglichkeit, ins Ausland zu reisen. 1981 promovierte sie über die «Interaktion zwischen Malerei und Poster» an der Staatlichen Kunstakademie Istanbul, wo sie seit 1975 als Dozentin tätig war.

Re-make of the 1985 Studio, 2004–2016 Variable Masse / variable Ausstellungsansicht.

Re-make of the 1985 Studio, 2004–2016 Variable Masse / variable Ausstellungsansicht.

Chromaistanbul / Aargauer Zeitung

Mit Ausstellungen in den renommiertesten Kunsthäusern der Welt

Nach ihrer Promotion widmete sie sich voll und ganz dem künstlerischen Schaffen. Mit Erfolg: Renommierte Institutionen wie die Tate Modern, London, das Guggenheim, New York, das Musée d’Art Moderne de la Ville de Paris, das Museum Ludwig in Köln, das mumok – Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien und namhafte Privatsammlungen erwarben ihre Werke. Durch Einzelausstellungen in Europa und den USA und der Teilnahme an Biennalen von Istanbul, Sao Paulo, Singapur, Kiev und Sevilla gewann die Künstlerin weiter an Aufmerksamkeit. Inzwischen inspiriert Gülsün Karamustafa eine ganze Generation von Kunstschaffenden, die seit der Jahrtausendwende mit eigenen Arbeiten an einem sozio-politischen Diskurs teilnehmen. Ihr eigenes sozio-kulturelles Engagement wurde unter anderem mit dem Prinz Claus Preis der Niederlande ausgezeichnet.

Poster for the 1977 First of May (Woman Constantly Sewing Red Flags with her Sewing Machine).

Poster for the 1977 First of May (Woman Constantly Sewing Red Flags with her Sewing Machine).

The Artist And Bürosarıgedik / Aargauer Zeitung

Gülsün Karamustafa ist die zwanzigste Künstlerin, der Europas höchstdotierter Kunstpreis zuteil wird. Der Haftmann-Preis wird ihr am 3. Dezember 2021 vor geladenen Gästen im Kunsthaus Zürich verliehen.