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Kunstmuseum Thurgau: Resonanzraum für gemeinsame kreative Prozesse

Das Künstlerkollektiv Cosmos nutzte das Kunstmuseum Thurgau als Experimentierraum. Das Resultat ist in der Austellung «Superhaufen» zu sehen.
Barbara Fatzer
Raum Planetarium mit Arbeiten von Mirjam Wanner, Almira Medaric und Goran Šković. (Bild: Goran Šković)

Raum Planetarium mit Arbeiten von Mirjam Wanner, Almira Medaric und Goran Šković. (Bild: Goran Šković)

Kennengelernt haben sich acht Kunstschaffende aus Kolumbien, Kroatien und dem Thurgau zum ersten Mal 2016 im Shed Eisenwerk während einer gemeinsamen Ausstellung. ­Daraus ist eine Zusammenarbeit über Landesgrenzen und Sprachbarrieren hinweg erwachsen, indem sie sich immer wieder zu Austausch und gemeinsamen Recherchen abwechselnd an ihren Herkunftsorten getroffen haben. Das zeichnet diese Künstlergruppe schon einmal aus, dass sie über drei Jahre hinweg zusammengehalten hat, sie sich so unterstützt haben, dass jeder von ihnen genug Raum und Inspiration erhielt fürs eigene Arbeiten.

Für das jetzige Zusammentreffen hat ihnen das Kunstmuseum Räume fürs Experimentieren zur Verfügung gestellt. Sie konnten so nicht nur ihre Projekte weiterverfolgen, sondern sie haben sich auch auf diesen Ort mit seiner Geschichte, der besonderen Geräuschkulisse wie auch der Stille und der Landschaft eingelassen.

Man hätte während der drei Wochen diese jungen Künstler auch besuchen dürfen, um so in die kreativen Prozesse hineinzusehen. Zumindest war das eine Vorgabe von Kuratorin Stefanie Hoch: «Wir wollen zeigen, dass auch unser Museum ein Ort sein kann, wo zeitgenössische Kunst entsteht. Es ist aber generell schwierig, dass sich Besucher so einlassen wollen.» Was jetzt aufgezeigt wird, ist von einer erstaunlichen Vielfalt und lässt auch so erahnen, was ein kreativer Prozess hervorbringen kann.

Sehen ist hören, Kultur wird Klang

Korridor Ereignishorizont/Event Horizon mit Arbeiten von Esneider Gamboa Burbano/Diana Becerra Guzmán: aus der Serie "Sound Landscapes": Bogotá 1, 2017, Video; Zagreb 1, 2019, Video Zurich 1, 2019, Video. (Bild: Goran Šković)

Korridor Ereignishorizont/Event Horizon mit Arbeiten von Esneider Gamboa Burbano/Diana Becerra Guzmán: aus der Serie "Sound Landscapes": Bogotá 1, 2017, Video; Zagreb 1, 2019, Video Zurich 1, 2019, Video. (Bild: Goran Šković)

Herauskristallisiert hat sich das Thema «Vom Zentrum des Klangs zum Rand der Stille», also was jeden Tag an Geräuschkulissen auf uns zukommt, aus Städten, von Transportmitteln und aus der Natur: harmonische Klänge, Wasserplätschern, Lärm von Maschinen bis zur ­Kakofonie, aber auch völliges Schweigen.

Das zeigen Esneider Gamboa Burbano und Diana Becerra Guzmán mit drei Videos aus Bogotá, Zagreb und Zürich, die sich sehr wohl unterscheiden in ihren Lautäusserungen im ­öffentlichen Bereich. Ganz verstummt sind dagegen vermisste Menschen aus Kolumbien, an welche die Künstler erinnern, indem sie deren Porträts auf Einweghandschuhen zeichneten, berührend in ihrer Fragilität. Die Stille der Kartause ­versucht Tea Hatadi mit ihren Frottagen «Silent step» wiederzugeben.

Wie setzt man visuelle Eindrücke um in Klang und Geräusch? Almira Medaric sah sich herausgefordert: «Mein Konzept der Stadtbilder ist, Geräusche einer Stadt sichtbar zu machen im Bild: Laut wird es, wo auch Architektur am dichtesten ist. Für mich ist sehen hören!» In einer anderen Bildserie macht sie daraus aufmerksam, wie sich bosnische Frauen während der Osmanischen Zeit Kreuze auf die sichtbare Haut tätowieren liessen, um sich vor Übergriffen zu schützen und sich klar zu ihrer katholischen Konfession zu bekennen.

Sprache und Kultur wird auch Klang: Miriam Wanner befragte junge Menschen, was für sie Freiheit bedeute. Letztlich geht es ihr darum aufzuzeigen, dass jeder Mensch einzigartig ist in seiner Präsenz. Goran Šković hat die Umgebung der Kartause erkundet und sich als «Artist in residence» erprobt, etwa, wenn er durch dichten Busch kriecht, um Vogelstimmen aufnehmen. Ständig pfeift ihm aber ein exotischer Vogel (aus Kolumbien?) dazwischen.

Führung: Do, 10.10., 19 Uhr, Kartause Ittingen; bis 16.10.
Ab 24.10. bis 21.11. Nextex St. Gallen

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