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KUNSTMUSEUM APPENZELL: In einem Schwung aufs Blatt geworfen

Über 4000 Zeichnungen, Aquarelle und Gouachen sind von Carl Walter Liner bekannt. Mehr als 100 davon zeigt eine neue Ausstellung, in denen der Künstler auch als grosser Reisender in Erscheinung tritt.
Rolf App
«Für mich der authentischste Teil seines Schaffens»: Roland Scotti vor Ausschnitten aus den Aquarellen und Gouachen Carl Walter Liners. Bild: Sabrina Stübi (Appenzell, 8. März 2018)

«Für mich der authentischste Teil seines Schaffens»: Roland Scotti vor Ausschnitten aus den Aquarellen und Gouachen Carl Walter Liners. Bild: Sabrina Stübi (Appenzell, 8. März 2018)

Dies ist ein Artikel der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier:<strong><em>www.tagblatt.ch/epaper</em></strong>

Am Ende, nach unserem Rundgang zwei Tage vor der Eröffnung der Ausstellung, gehen wir noch hinunter in den Keller. Das durch die private Stiftung des Unternehmers Heinrich Gebert ermöglichte und von den Architekten Annette Gigon und Mark Guyer entworfene Kunstmuseum Appenzell zeigt sich auch unter dem Erdboden von seiner besten Seite. Dicht an dicht hängt hier ein grosser Schatz an Werken moderner Kunst, im Zentrum die beiden Appenzeller Carl Walter und Carl August Liner. Die Wand dominieren zwei riesige Gemälde von Antoni Tapiès und Pierre Alechinsky, meditativ-blau das eine, verspielt-bunt das andere. Hier liegt in lichtdichten Schachteln die Druckgrafik von Vater und Sohn Liner. Hier findet sich in einem Nebenraum Carl Walter Liners weitläufige Bibliothek.

Hier wird geforscht. Das betont Roland Scotti besonders, der als Kurator der Heinrich Gebert Kulturstiftung und ihrer beiden Museen – des Kunstmuseums Appenzell und der Kunsthalle Ziegelhütte – den besten Überblick über das Werk der Liners hat. Schon allein Bilder und Zeichnungen zu datieren, ist oft eine Kunst – und gehört zu jenen Aufgaben, welche die Stiftung im Hintergrund wahrnimmt.

«Carl Walter Liner war ein obsessiver Künstler»

Der Schatz ist gross, mit dem Scotti und seine Mitarbeiter es zu tun haben. Man sieht das oben, in jener Ausstellung, die bis zum August über 100 (von mehr als 4000) Gouachen und Aquarelle von Carl Walter Liner zeigt. Der 1997 Verstorbene war «ein ab­solut obsessiver Künstler», sagt Scotti. «Er hat sein Leben in der Kunst realisiert, für ihn ging ein Bild in das andere über. Es gab nichts ausserhalb.»

Innerhalb des Kunstbetriebs war der als schwierig geltende Liner ein Einzelgänger, die Vermittlung und Vermarktung seiner Kunst betrachtete er als notwendige Übel, Ausstellungsmachern, Kunstkritikern und -händlern begegnete er misstrauisch. Er wollte, schreibt Scotti 2014 in der Begleitpublikation zum 100. Geburtstag, «jegliche Einfluss- nahme auf seine Kunst vermeiden». So ging er in der Tradition des deutschen Expressionismus seinen Weg, und fand Anerkennung in einem privaten Umfeld.

Dieser Weg lässt sich gut nachvollziehen anhand jener Gouachen und Aquarelle, die Carl Walter Liner Tag für Tag gemalt hat, und die, wie Scotti sagt, «für mich eine der wichtigsten Werkgruppen darstellen – und den authentischsten Teil seines Schaffens».

Nomadisierend sich die Welt erschliessen

Geprägt wird sie von einer weiteren Eigenheit dieses Malers, der die Ausbildung bei seinem Vater Carl August Liner bekommt, sich dann aber nach und nach auch darstellerisch von ihm löst: Er ist ein ausgesprochener Nomade. Immer wieder wechselt er den Wohnort, immer wieder auch geht er auf Reisen. Scotti erklärt sich dieses Nomadenschicksal auch daraus, dass Liner die Welt seines Vaters Carl August Liner verlassen muss, dass er neue Einflüsse aufnehmen will.

Die Reise- und Entdeckungslust erwacht früh. 1936, mit 22, begibt er sich auf eine grosse Reise nach Ägypten, die dort entstandenen Aquarelle zeigen, wie Carl Walter Liner sich emanzipiert. Es sind einfache Szenen, und Schritt für Schritt löst sich die Farbe vom Gegenstand. Die Bilder, zuerst eher zurückhaltend koloriert, werden eindringlicher, wirken manchmal beinah bedrohlich. Ägypten hat Bedeutung für Liner: «Auf diesen Studien und Erlebnisse in Ägypten baue ich auch heute noch meine Malerei», notiert er 1981, viereinhalb Jahrzehnte später.

Es gibt einen starken Hang zum Expressiven

Im Jahr darauf, 1982, wird er eine letzte grosse Reise unternehmen, die auch in der Ausstellung dokumentiert ist, nach Arizona. Stilistisch bewegt er sich da immer noch nah bei den Anfängen. «Es gibt keine Entwicklung», sagt Scotti, der frühe und späte Reisebilder nebeneinander gehängt hat. Allerdings: Es gibt eine enorme Vielfalt, und einen ganz starken Hang zum Expressiven.

Etwa in den blau leuchtenden Landschaften des Engadin oder den Naturdarstellungen aus Korsika. «Das ist pure Musik», sagt Scotti. «Alle diese Bilder entstehen in kurzer Zeit, es sind spontane, in einem Schwung aufs Blatt geworfene Kompositionen.» Wobei Carl Walter Liner zwei unterschiedlichen Pfaden folgt. Denn neben den Landschaften und figurativen Naturdarstellungen entwickelt sich das Abstrakte, was die Ausstellung anhand von Pflanzenbildern zeigt, die immer mehr zur reinen, in starken Farben leuchtenden Form mutieren.

Kunstmuseum Appenzell, bis 5. August

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