KUNSTMESSE: Schweizer Kunsthändler bleiben zu Hause

Die 17. Art Bodensee bringt 75 Galerien und Kulturinstitutionen aus sieben Ländern nach Dornbirn. Schweizer Galeristen sind jedoch kaum vertreten. Hohe Zollgebühren und Bürokratie schrecken sie davon ab.

Philipp Bürkler
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«Epidemische Installation mit Spechten» des Wiener Künstlertrios Steinbrener/Dempf&Huber.

«Epidemische Installation mit Spechten» des Wiener Künstlertrios Steinbrener/Dempf&Huber.

Philipp Bürkler

philipp.buerkler@tagblatt.ch

Mitten im Industriegebiet Dornbirn zwischen Möbelhäusern, Elektronikmärkten und Tankstellen steht das soeben fertiggewordene Messezentrum. Nach 20 Monaten Bauzeit und Kosten von fast 30 Millionen Euro wurde nun auch noch die Halle 12 als letzte fertiggestellt. Darin hängen an weissen Stellwänden bis Sonntagabend Hunderte zeitgenössische Kunstwerke von bekannten, aber auch unbekannten Künstlern. 75 Galerien aus sieben Ländern präsentieren die Werke ihrer besten Künstler. Das Dreiländereck Schweiz, Deutschland und Österreich sei denn auch das Spezielle an der Art Bodensee, sagt Renate Färber, Inhaberin der Berliner Galerie Blond & Blond Contemporary. «Während wir in Berlin immer die gleiche städtische Kundschaft haben, bringt uns die Art Bodensee ein völlig anderes, heterogeneres Publikum.» Interessant sei, dass vor allem aus der Schweiz viele Käufer nach Dornbirn kommen würden. Tatsächlich hört man unter den Besuchern sehr viel Schweizer Dialekt, mehr als geschliffenes Deutsch.

«Die Schweizer kommen vor allem, um zu kaufen»

Die hohe Besucherzahl aus der Schweiz bestätigt auch Isabella Marte, Projektleiterin der Kunstmesse. «Die Schweizer kommen vor allem, um zu kaufen.» Während Schweizer Kunstinteressierte vor allem mit gefüllten Portemonnaies nach Dornbirn reisen, um Kunst zu kaufen, bleiben hiesige Kunsthändler zu Hause. Nur eine einzige Galerie aus der Schweiz hat in Dornbirn einen Stand. Als Hauptgrund, weshalb Schweizer Galeristen sich keinen Auftritt in Dornbirn leisten können oder wollen, sieht Isabella Marte den grossen bürokratischen Aufwand. Dazu kämen horrende Zollkosten für die Ausfuhr der Kunstwerke nach Österreich.

Zu hohe Zollkosten und Bürokratie beklagt auch Judith Huber von der Galerie «Platz für Kunst» in Rapperswil. Die Kunsthändlerin ist die einzige Schweizer Vertretung an der Messe. «Wir mussten 40 Prozent des Werts unserer Werke als Depot beim Zoll hinterlegen», erklärt Huber. «Alle anderen Galerien stammen aus EU-Staaten, für diese sind die Kosten viel niedriger.» Vom Messeauftritt verspricht sie sich vor allem neue Kontakte und den Einstieg in das Geschäft an Kunstmessen. «Die Art Bodensee ist im Gegensatz zu anderen Kunstmessen wie in Zürich oder Basel bezahlbar», sagt Judith Huber. Neben einem aufwendigen Bewerbungsverfahren werde grosser Wert auf die Qualität der Kunst gelegt. Huber zeigt an ihrem Stand grossformatige Arbeiten der Künstlerin und Architektin Birgit Borggrebe. «Vielen Leuten gefallen diese Bergbilder, leider haben aber die wenigsten solch grosse Wände, um die Collagen aufzuhängen», gibt Huber zu.

Fliegende Steine aus dem Rhein

Für den Vorarlberger Künstler Hannes Ludescher bildet der Rhein die natürliche Grenze, die Schweizer Galeristen davon abhält, nach Dornbirn zu kommen. Der 71-jährige ist an der diesjährigen Messe sogenannter «Fea-tured Artist», dessen Arbeiten besonders hervorgehoben und gewürdigt werden. Ludescher sammelt in Flüssen wie dem Rhein zufällig herumliegende Steine. In wochenlanger Arbeit vergrössert er die Steine zu Papierriesen detailgenau im Massstab 1:10. Die riesigen «Floating Stones» aus Papier können an einem Faden an die Decke gehängt werden, so leicht sind sie. Ludescher interessiert sich vor allem für die Millionen Jahre dauernde Geschichte der Steine. «Der Stein hat sich irgendwann einmal von seinem Berg gelöst und sich auf seine eigene Reise gemacht», so Ludescher, der seine Kunst als «typisch ländlich» bezeichnet. «Ein Grossstädter in New York würde nie solche Kunst machen», ist er überzeugt. Menschen in den Städten hätten zu viele visuelle Einflüsse, alles sei zu schnell, um solch archaische Werke zu schaffen. Dennoch, so glaubt Ludescher, hätten Grossstadtmenschen Gefallen an seinen Steinwerken. «Meine fliegenden Steine würden sehr gut in eine kühle Grossstadtwohnung in New York passen.» Auch Vorarlberg – die Heimat von Hannes Ludescher – ist mit seinen Industriegebieten nicht mehr die «ländliche» Idylle, die es einmal war.

Art Bodensee, Messe Dornbirn, Sa, So, 11–19 Uhr.