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KUNSTMARKT: Hoher Preis für die Kunst

Die Auswahl an der 48. Art Basel ist riesig. Doch was kosten eigentlich die Werke? Wir haben uns unter die Käufer gemischt und bei den Preisen mitverhandelt.
Sabine Altdorfer
Das Wandstück von Anish Kapoor ist für 300 00 Dollar zu haben (oben). Das Bild von Remy Zaugg kostet 120 000 Franken (Mitte). Der Metallbaum von Ai Weiwei wird auf mehrere Millionen geschätzt. (Bilder: KEY)

Das Wandstück von Anish Kapoor ist für 300 00 Dollar zu haben (oben). Das Bild von Remy Zaugg kostet 120 000 Franken (Mitte). Der Metallbaum von Ai Weiwei wird auf mehrere Millionen geschätzt. (Bilder: KEY)

Sabine Altdorfer

focus@tagblatt.ch

In der Stadt mögen Kleider­geschäfte die ersten Pre-Sales ­ankündigen, für die Kunst gilt kein Ausverkauf. Sie hat in Basel Hochsaison. Wer durch die zwei Etagen der Messehalle 2 flaniert, mag sich allerdings fragen: Lässt sich so viel Ware in sechs Tagen verkaufen? 291 Galerien buhlen allein an der Art Basel um Käufer, dazu kommen noch die Nebenmessen: Liste, Volta, Scope, Design Miami . . . Was sie verkaufen und für wie viel: Wir werden es Ende Woche nicht erfahren. Das Kunstmarktgeheimnis lässt sich nicht so leicht knacken wie das Bankgeheimnis.

Kunst einzukaufen ist so­wieso nicht der einzige Grund, die Art zu besuchen. Dabei sein, schauen, was «in» ist, wie sich die Preise entwickeln, neue Künstlerinnen entdecken, das lohnt sich. Staunen über die Menge und Vielfalt ist inbegriffen. Die erwartungsvolle Einkaufsstimmung beim Champagne Breakfast mit den First Choice VIPs gestern im Rundhof ist irgendwie ansteckend: Schliesslich gibt’s hier Kunst auch fürs normale Budget.

Bei der Londoner In-Galerie Frith Street entdecke ich schwarze Kohle-Wolkenbilder von Tacita Dean, hübsch ja, aber sie haben nicht die Kraft des riesigen Gemäldes, das mich in der Art Unlimited so gepackt hat. «Sorry, das ist verkauft», ernüchtert mich die Galerienhelferin. «Für wie viel?» – «About 750000 Dollar.» Dass ich beim Baumobjekt von Ai Weiwei, das am Art Parcours für Aufsehen sorgt, nicht fragen sollte, weiss ich bei Neugerriemschneider im Voraus. «Sind Sie von der Presse? Wir wollen unsere Preise nicht in den Medien lesen.» Andernorts erfahre ich, dass kleinere Ausgaben von diesen in Metall gegossenen Stämmen und Wurzeln ab 300000 Dollar kosten, das grosse Werk einige Millionen.

Weitere Millionenwerke finden sich an der Art Unlimited, auf dem Art Parcours – und im Erdgeschoss der Messe. Noch sind Klassiker wie Picasso, Calder, Rothko, Basquiat, Twombly oder Warhol zu haben – allerdings oft nicht mehr Spitzenwerke. Ich gehe lieber wieder zur Gegenwartskunst.

Galeristen reden lieber über Kunst als Geld

Ein Liebling des Marktes ist Anish Kapoor, der Brite mit seinen gefälligen und doch eindringlichen monochromen Schalen ist gleich bei mehreren Galerien vorrätig. Das sattblaue Wandstück bei Lisson, London, ist schon verkauft, man bietet mir ein rotes oder rotschwarzes an (700000 Dollar). Oder gefällt mir das ­sonnenblumengelbe bei Kamel/Mennour, Paris, doch besser? Dort steht auch der Baumstamm, aus dem Alicja Kwade wie eine bildhauerische Archäologin ein Stühlchen freigehauen hat. 72000 Euro will der Galerist dafür, der enthusiastisch über die in Berlin lebende Polin erzählt.

Künstlerische Trends lassen sich aber auch an der Art Basel erspüren – und mit den Galeristen diskutieren. Sie reden nämlich lieber über Kunst als Geld. Beispielsweise über den Trend, Analoges und Digitales zu mixen. Parker Ito etwa verarbeitet digitale Vorlagen, verpixelte Bilder, Malerei und Druck zu flirrend-schönen Bildern (22000 bis 50000 Dollar, bei Team, New York).

Noch analog, aber medial zwischen Schrift und Bild, Druck und Malerei oszilliert das Werk des Schweizers Remy Zaugg. Mai 36, Zürich, hat ein seltenes, mehrfach bearbeitetes Grossformat (120000 Franken). Angemessen, aber teuer.

Was gibt’s günstiger? Ein glänzender Ballon von Jeppe Hein (19000 Euro, König, Berlin) oder eine so geometrisch präzise wie poetische Zeichnung des 90-jährigen und doch praktisch unbekannten DDR-Künstlers Karl-Heinz Alder (12000 Euro, Eigen + Art).

Bei einem Kaffee im Rundhof sinniere ich über den Unterschied zwischen den aktuellen Grossausstellungen wie Biennale, Documenta, Skulptur Projekte und der Art Basel. Dort das inszenierte Engagement der Künstler, politisches Bewusstsein, grosse Ernsthaftigkeit – und hier der Markt, der sich in Format und Medien privaten Dimensionen anpasst.

Banale Skulpturen

Die Art Unlimited, die den Grossausstellungen in puncto Ausmass Paroli bieten kann, wirkt als Ganzes flau. Zu zufällig reihen sich hier die von Galerien angebotenen Werke aneinander. Die blaue aufblasbare Skulptur von Otto Piene: banal. Der begehbare ­Pavillon aus Fenstern von Song Dong oder der unendlich kreisende High-Tech-Zeppelin von Chris Burden: machen Spass, aber nicht mehr. Ernsthaftigkeit, Dringlichkeit findet sich am ehesten im Protestplakat von Barbara Kruger oder in einem der zahlreichen ­Videos.

Auf dem Markt, an der Art, kann sich jede herauspicken, was ihr gefällt, was ins Budget passt. Ob am Schluss alles verkauft ist – oder es doch ein bisschen Ausverkauf gibt? Zur Eröffnung geben sich die Galeristen wie immer ­optimistisch. Und der Abwärtstrend, den die Art-Market-Reports ausweisen? «Glauben Sie die? Wir Galeristen füllen diese Fragebogen doch gar nicht aus, oder wenn, wohl kaum ehrlich.» Das sagt mir ein Galerist und wendet sich dem nächsten Verkaufsgespräch zu.

Halle 2. Bis So, 18. Juni, 11–19 Uhr. Tageskarte Art: Fr. 50.–

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