Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

KUNSTMARKT: Hang zur Grösse

Die traditionsreiche Ostschweizer Galerie Widmer schliesst sich mit dem Basler Auktionshaus Beurret & Bailly zusammen. In St. Gallen findet nur noch einmal jährlich eine Versteigerung statt.
Christina Genova
Markus Schöb vor «Anémones du Japon» von Félix Vallotton, einem Spitzenwerk der Auktion. (Bild: Urs Bucher)

Markus Schöb vor «Anémones du Japon» von Félix Vallotton, einem Spitzenwerk der Auktion. (Bild: Urs Bucher)

Christina Genova

christina.genova

@tagblatt.ch

Im Januar wurde bekannt: Die St. Galler Galerie Widmer und das Basler Auktionshaus Beurret & Bailly schliessen sich zusammen. «Es ist ein überraschender, aber logischer Schritt», kommentiert Bernhard Bischoff, der Präsident des Schweizerischen Auktionatorenverbandes, die Fusion. Zwei gute Häuser mit drei erfahrenen Kollegen spannten zusammen und schafften so Synergien. Es sei ein Ausdruck der Zeit, alles werde grösser. Angesichts der internationalen Konkurrenz und der gesetzlichen Auflagen sei es für kleine Auktionshäuser zunehmend schwierig, im Markt zu ­bestehen.

Auch der Kunstmarktexperte Nicolas Galley sieht den Zusammenschluss positiv: «Es ist eine gute Strategie in einem schwierigen Umfeld.» Vor allem im mittleren Preissegment macht er ­Probleme aus, dort schwinde die Nachfrage zunehmend. Es gebe seit einigen Jahren eine neue Kundschaft, die seltene Werke von grossem Wert bevorzuge. Das sei vor allem für die kleineren Schweizer Auktionshäuser ein Problem. Sie hätten zwar gute Kunden, doch seien es immer dieselben.

Solide Ostschweiz

Markus Schöb, Geschäftsführer der Galerie Widmer, bestätigt, dass der Auktionsmarkt schwierig sei. Doch er bestreitet, dass dies der ausschlaggebende Grund für die Fusion gewesen sei: «Die Ostschweiz ist solide.» Als einziges Auktionshaus der Schweiz verkaufe man jeweils fast 100 Prozent der angebotenen Werke. Für Schöb ist der Zusammenschluss mit den Baslern eine Win-win-Situation: «Wir ­ergänzen uns perfekt.» Vor drei Jahren hat er die Galerie Widmer von seinem Geschäftspartner Hans Widmer übernommen. Dieser hatte das Auktionshaus 1977 als Buch- und Kunstantiquariat gegründet. Ab 1980 wurden auch Auktionen durchgeführt, seit 2004 gibt es eine Niederlassung in Zürich. Diese lange Tradition hat die Galerie Widmer ­Beurret & Bailly voraus. Die Firma wurde erst 2011 gegründet. Sie befindet sich nur 500 Meter von den Messehallen entfernt, wo alljährlich im Juni die Art Basel stattfindet, die grösste Kunstmesse der Welt. Das ist aus Sicht von Schöb ein Vorteil des noch jungen Auktionshauses. Denn zwar habe die Galerie Widmer das Monopol in der Ostschweiz, doch sei Basel der ungleich wichtigere Kunsthandelsplatz. Dank Emmanuel Bailly sei man ausserdem mit dem frankofonen Markt vernetzt: «Zusammen decken wir die ganze Schweiz ab.»

Doch um in die Liga der ganz Grossen aufzusteigen, reicht das laut Bernhard Bischoff nicht: Dazu gehören weiterhin die ­Galerie Kornfeld in Bern, Koller Auktionen in Zürich und natürlich Sotheby’s und Christie’s. Für Markus Schöb ist der Zusammenschluss mit Beurret & Bailly ein strategischer Entscheid. Für ein grösseres Haus sei es einfacher, an gute Werke zu kommen. Schöb nennt ausserdem persönliche Gründe: «Der Austausch mit Hans Widmer fehlt mir. Jetzt habe ich wieder zwei Kollegen.» Das Ostschweizer Publikum, die Sammler und die Künstler weiterzupflegen, liegt Schöb am Herzen: «Ich sehe es als Verpflichtung.» Den Bedarf nach regional verankerten Auktionshäusern mit persönlicher Beratung ist für ihn ungebrochen: «Wir sind jederzeit für die Kunden da. Das macht den Unterschied.»

Auktion online verfolgen

Die erste gemeinsame Auktion findet am 21. März in Basel statt mit Vorbesichtigungen in Lausanne, Zürich, St. Gallen und ­Basel. Sie wird zum ersten Mal live ins Internet übertragen. Dabei kommen unter anderem Eisenplastiken aus der Sammlung des Zürcher Industriellen Hans Koenig in den Verkauf, aber auch ein Teil der Sammlung der in Morges domizilierten Familie Givel. Darunter befinden sich zahlreiche Werke von Félix Vallotton, einschliesslich des Gemäldes «Le grand nuage» von 1918. Es besitzt mit 250000 Franken den höchsten Schätzwert.

Einen Wermutstropfen des Zusammenschlusses der beiden Auktionshäuser gibt es: In St. Gallen wird nur noch einmal jährlich im Herbst eine Auktion stattfinden; bisher gab es meistens auch eine im Frühling. Von den 384 Werken, die im aktuellen Katalog aufgeführt sind, stammen nur sechs von Ostschweizer Künstlern, darunter eine zarte Blaumeise von Adolf Dietrich.

Hinweis

Vorbesichtigung ausgewählter Werke: So 11–16 Uhr, Mo 12–18 Uhr; Unterstrasse 11, St. Gallen

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.