«Künstler sind arm? Ein Klischee!»

Der Thurgauer Michael Stauffer hatte mit seinem preisgekrönten Hörspiel ums Geld das Publikum auf seiner Seite.

Dieter Langhart
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Dichterstauffer kann es gut mit Geld. (Bild: Samuel Jaggi)

Dichterstauffer kann es gut mit Geld. (Bild: Samuel Jaggi)

Der aus Frauenfeld stammende Autor Michael Stauffer hat mit seinem Hörspiel «Die dritte Arbeitskraft, mein Geld» kontroverse Reaktionen ausgelöst. Über Geld weiss er viel.

Wie viel Geld liegt derzeit auf Ihrem Konto?

Michael Stauffer: Auf dem Bankkonto rund 44000 Franken, das übrige in Depots, bei der Pensionskasse, auf Freizügigkeitskonten. Dass Künstler arm sind, ist ein Klischee.

Woher kommt es?

Vom Schreiben, Lizenzeinnahmen, von einer kleinen Stelle an einer Fachhochschule, Preisgeldern, Projektunterstützungsbeiträgen, Auftragstexten. Ich bin kein Madoff, aber ich kann leben davon.

Haben Sie je mit Geld spekuliert? Gewonnen? Verloren?

Ja, ich habe eine Ahnung davon. Ich bin ein sparsamer Mensch und habe nie etwas verloren.

Non olet – Geld stinkt nicht. Stimmt das?

Die neuen Banknoten riechen gut, ähnlich wie früher die Spritmatrizen in der Schule. Geld ist neutral und ein Tauschmittel.

Manche sagen, Geld sei gar nicht real, bestehe nur aus Buchwerten auf der Bank.

Geld ist sehr wohl real, etwa in Form von Firmenbeteiligungen. Was manche Firmen herstellen, kann ich mit Händen greifen. Virtuell sind aber Bitcom & Co. und gewisse reguläre Währungen.

ARD-Hörspieltage: Michael Stauffer bei der Preisverleihung.

ARD-Hörspieltage: Michael Stauffer bei der Preisverleihung.

In Ihrem Hörspiel geht es um die Verführungskraft des Geldes. Was genau ist daran verführerisch?

Manche Leute sind entsetzt, was mit Geld alles angestellt wird. Andere besitzen zu viel Geld. Emotionen helfen da kaum.

Ist Ihr Hörspiel Satire oder Gesellschaftskritik oder Unterhaltung? Wissensvermittlung oder gar Aufklärung?

Alles trifft zu. Es ist kein journalistischer, sondern ein unterhaltender Beitrag, mit viel O-Ton und auch simulierten Voten.

Hat Sie und den Regisseur Mark Ginzler die Debatte zwischen der ablehnenden Jury und dem begeisterten Publikum überrascht?

Nein. Wir staunten über die Unbedarftheit und Verschlossenheit der Jury gegenüber diesem sehr emotionalen Thema.

Bekommen Sie oft ein Echo auf Ihre Texte?

Eher, wenn sie Lärm erzeugen. Ich bin nicht aktiv in den sozialen Medien – was da diskutiert wird, kenne ich kaum.

Kann man sich dem Geldsystem überhaupt verweigern?

Es kann nicht jeder in den Wald gehen und vom Tauschhandel leben, aber wir sollten von den Wachstumsversprechen loskommen. Und kaum einer überprüft, ob seine Pensionskasse bei der Geldanlage minimale ethische Normen erfüllt – mich betrübt, dass solche Themen leichtfertig delegiert werden.

Im Hörspiel wird vorgeschlagen, dass man selber für seine Altersvorsorge sorgt statt über die Pensionskasse.

Unbedingt. Wer jung ist, erzielt mehr Rendite durch Anlagen.

Was würden Sie tun, wenn Sie «zu viel» Geld hätten?

Nicht weiter anlegen, sondern spenden oder verschenken.

Sie nennen sich Dichterstauffer. Was genau ist ein Dichter? Und was nicht?

Er kann die Realität verdichten, neu arrangieren, erfinden. Mein Künstlername ist übrigens in meinem Pass eingetragen.

Preis für SRF-Hörspiel
Der Autor Michael Stauffer gewann am 10. November an den ARD-Hörspieltagen den Publikumspreis mit seinem Hörspiel «Die dritte Arbeitskraft, mein Geld». Stauffer entwickelte und realisierte es mit dem SRF-Hörspielregisseur Mark Ginzler. Spielerisch geht es der Verführungskraft des Geldes auf den Grund. Die Diskussion zwischen Publikum und offizieller Jury war lebhaft und kontrovers. (dl) 
Nachhören: https://bit.ly/2NIH8FJ