Kunstkolumne
Bildbetrachtung von Sabine Altorfer zum 1. August: Heil dir Helvetia

Rütlischwur hin, Tells Apfelschuss her: In diesem Jahr - 50 Jahre nach Annahme des Frauenstimmrechts - gehört das 1. August-Bild der Helvetia. Nicht der müden auf dem Basler Münsterplatz, nicht der braven auf dem Münz, sondern einer so stolzen wie seltsamen Miss Schweiz.

Sabine Altorfer
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«Freiheit (Helvetia» betitelte Arnold Böcklin (1827-1901) das Bild und gab damit die Interpretation vor. Tempera und Öl auf Fichtenholz, 96 x 96 cm, Kunsthaus Zürich, Leihgabe der Nationalgalerie Berlin, 1983

«Freiheit (Helvetia» betitelte Arnold Böcklin (1827-1901) das Bild und gab damit die Interpretation vor. Tempera und Öl auf Fichtenholz, 96 x 96 cm, Kunsthaus Zürich, Leihgabe der Nationalgalerie Berlin, 1983

Kunsthaus Zürich

«Heil dir Helvetia» sang die Schweiz einst bei der alten Nationalhymne. Zum 1. August holen wir die Mutter der Nation aus der Versenkung. Barbusig und entrückt von den alltäglichen Niederungen sitzt sie auf einem Berggipfel, ein Wolkenmeer ihr zu Füssen, sanftblau und ungetrübt der Himmel. Munter weht einzig das rote Tuch, den Bogen ihres reinweissen Körpers betonend und die statische Langeweile der Symmetrie störend. Palmzweig und Adler, Machtzeichen einer friedvollen Königin, präsentiert sie steif und stolz.

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