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KUNSTBUCH: Jedes Bild gehorcht eigenen Regeln

Eine neue Publikation gibt Einblicke in Rachel Lumsdens Arbeiten der letzten vier Jahre. Die St. Galler Künstlerin erweist sich erneut als überraschend vielseitige wie geheimnisvolle Malerin.
Martin Preisser
Die Kunst von Rachel Lumsden, hier in ihrem Arboner Atelier, ist jetzt bereits in einem dritten Buch dokumentiert. (Bild: Urs Bucher)

Die Kunst von Rachel Lumsden, hier in ihrem Arboner Atelier, ist jetzt bereits in einem dritten Buch dokumentiert. (Bild: Urs Bucher)

Martin Preisser

martin.preisser@tagblatt.ch

Rachel Lumsden sitzt in ihrem leeren Atelier, einer ehemaligen Arboner Bootswerkstatt. Ihre Bilder hängen derzeit im Kunsthaus Biel, das der Künstlerin eine Einzelausstellung gewidmet hat. Im November 2018 kommt die Ausstellung ins Kunstzeughaus Rapperswil. «Bilder müssen raus und ins Gespräch kommen, sie müssen ein weiteres Leben haben, ohne dass ich dabei bin», sagt die Malerin geradezu erleichtert über die Bildleere im Atelier.

Eigentlich ist ein Katalog zu klein, um die oft lebensgrossen, in der Ausstellung wie körperlich einnehmenden Bilder abzubilden, und doch bietet das Buch «Return of the Huntress» (nach einem gleichnamigen Bildtitel) einen beeindruckenden Einblick in das Schaffen der Engländerin, die seit 2002 in St. Gallen lebt und inzwischen Schweizerin ist.

Sich von der Bilderflut ernähren können

«Ich begebe mich auf ein Abenteuer, wenn ich male», sagt die Künstlerin. Sie malt, unbeirrbar, sich bewusst immer wieder vom Mainstream der zeitgenössischen Kunst abkoppelnd und keinen Trends gehorchend. Drei Texte führen in die Bildsprache von ­Rachel Lumsden ein. Als «bildhungrig» bezeichnen die Autoren die Malerin. «Rachel Lumsden scheint sich geradezu aus der heutigen Bilderflut ernähren zu können.» Sie bedient sich in einer sehr eigenständigen Weise dieser Bilderflut, in der alte Malerei ebenso einfliesst wie Fotografien oder Material aus der Werbung.

Ob es Landschaften sind und die Eingriffe des Menschen in diese, oder ob es Porträts sind: Die Arbeiten strahlen stets etwas Geheimnisvolles aus, wirken teilweise wie Traumsequenzen, verführen den Betrachter zu eigener Stellungnahme, zum Weiter­denken des Gesehenen, können manchmal auch leichtes Unbehagen hervorrufen. Ihre Bilder sind oft figürlich, aber die Figuren sind mehrdeutig, geben ein letztes Geheimnis nicht preis. Farben ordnet die Künstlerin nicht ihren Ideen unter, sondern gibt ihnen sozusagen das Recht, sich im Akt des Malens selbst zu entwickeln. «Jede Leinwand ist ein eigenes Universum mit jeweils unterschiedlichen Regeln», sagt Rachel Lumsden, die ihre Fantasie sich erst auf der Leinwand selbst entfalten lässt. Dabei gelte es der eigenen Ästhetik immer wieder selbst zu widersprechen, sich ­immer wieder dem Risiko eines neuen Bildes mit seinen neuen Gesetzen auszusetzen.

Wie kraftvoll Rachel Lumsden ihre Bilder mit Farbe atmosphärisch aufladen kann, beweisen Arbeiten im neuen, dritten Kunstbuch über die Malerin.

Wie Fragmente aus dem Unbewussten

Viele Malereien wirken wie erinnerte Träume, wie Fragmente aus dem Unbewussten, wo nichts real wiedergegeben wird, sondern gespiegelt in der Fantasie und dem, was die Erinnerung als neues Element hinzugeben kann. Die Menschen wirken oft verloren, als Erinnerungs- und Gedankenbild, in Szenen, die über den ­Bildrand hinaus weiterzugehen scheinen, wie ein filmisches Geheimnis. Rachel Lumsden hat sich konsequent der Malerei verschrieben und stellt fest, dass das Interesse an guter Malerei wieder stärker geworden sei. Von einem gelungenen Bild spricht sie dann, wenn in ihm Thema und Material, Inhalt und Farbe genau ineinander spielten. «Es muss eine Fusion da sein», sagt sie. Zu welch spannenden und überraschenden Bildideen sie aus der ihr zur Verfügung stehenden Bilderflut findet, beweist die Publikation eindrücklich. Das Titelbild heisst «Rückkehr der Jägerin». Und gegen den Begriff Bilderjägerin für ihren eigenen Umgang mit malerischen Sujets hat sie nichts einzuwenden.

Ausstellung: Bis 3.9., Pasquart Kunsthaus, Biel; Publikation: Rachel Lumsden: Return of the Huntress. Verlag für moderne Kunst, Wien (vfmk.org)

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