KUNST: Von wegen Provinz

Die Galerie Kirchgasse in Steckborn hat sich mit erst zwei Ausstellungen einen Namen über die ­Region ­hinaus gemacht. Inhaber Erich Hausammann ist gut vernetzt und weiss, was Sammler suchen – er ist selbst einer.

Dieter Langhart
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Dieter Langhart

dieter.langhart@tagblatt.ch

Zwei Buchstaben reichen:«kg». Und so aufgeräumt wie das Logo und der Webauftritt gibt sich der grosse Raum im Erdgeschoss der Kirchgasse 11 in Steckborn: weisse Wände, klare Lichtführung, nicht zu viele Exponate. Und in der Mitte des Raums hält eine mächtige Säule die Decke – ein Eichenstamm aus dem 17. Jahrhundert, restauriert und von zahllosen Farbschichten befreit.

Hier hat sich Erich Hausammann den Traum einer eigenen Galerie erfüllt. Und bereits die zweite Ausstellung seit September eingerichtet – mit Mary Bauermeister, einer Wegbereiterin der Fluxus-Bewegung.

Eine Künstlerin von Welt in der thurgauischen Provinz? Eine Frau, die bei Max Bill studierte, bei der Beuys, Christo, Picasso ein- und ausgingen, deren Werke in New York hängen, im Moma und Guggenheim?

«Ich will internationale Künstler zeigen»

Erich Hausammann versteht die Frage, lächelt, wischt die Provinz weg. «Ich positioniere mich im Dreieck Zürich-München-Stuttgart, will internationale Künstler zeigen, kaum solche aus der Region», sagt der Ermatinger. Und die in Zürich üblichen Galeriemieten will er nicht zahlen. «Im mittleren bis oberen Kunstsegment besteht ein Marktbedürfnis.» Ein Blick auf die Preisliste zur aktuellen Ausstellung bestätigt dies; bis auf einen bewegen sich die Preise im fünfstelligen Frankenbereich.

Wie hat Erich Hausammann zur Kunst gefunden? Sein Grossvater hatte ihm jeweils Geld für Kunstbücher gegeben. Erich Hausammann reizte ein Kunststudium oder eine technische Laufbahn – die Eltern rieten ihm von etwas Brotlosem ab. Er wurde Ingenieur, kam in der Welt herum, und irgendwann kam diese Leidenschaft – er begann Kunst zu sammeln; warum genau, kann er gar nicht mehr ausmachen. Er besucht die wichtigen Galerien und Museen und Kunstmessen, kennt manche Künstler, die ihm wichtig scheinen, seit Jahren. Beziehungsnetze seien wichtig, sagt Erich Hausammann, und ebenso «der faire Umgang mit den Künstlern». Drum ist auch Mary Bauermeister zur Vernissage gekommen, ebenso Sohn Simon aus ihrer Ehe mit Karlheinz Stockhausen. Die Galerie zeigt neben Tempera-, Pastell- und Materialbildern drei ihrer «Linsenkästen»: Holzkisten mit optischen Linsen und anderen Objekten.

Erich Hausammann lächelt wieder: «Nein, selber gemalt oder gezeichnet habe ich nie.» Dieses Jahr ist er sechzig geworden. «Ich habe alles andere abgelegt und mich auf die Kunst konzentriert.» Im Gespräch streifen wir die Popstars der Kunst, die Millionen umsetzen und oft «machen lassen» von Handwerkern. «Dahinter gibt es viele gute Kunst, nur wird sie weniger beachtet.» Hausammann will, dass «hier die besten Kunstwerke in gute Hände kommen». Die Sammler, die in seine Galerie kommen, stammen aus Süddeutschland und Liechtenstein, aus der Region Zürich – und auch aus dem Thurgau. Bewusst legt Hausammann die Vernissagen auf 15 Uhr, damit Besucher am selben Tag wieder daheim sind.

Zwischen Steckborn und New York

Der Galerist plant sechs Ausstellungen pro Jahr, unterstützt von Kurator Leo Lancsés. Kommenden Januar zeigt die Kirchgasse Philipp Schwalb, einen in der Schweiz lebenden deutschen Künstler mit Jahrgang 1984, der vor einem Jahr in der Kunsthalle Basel zu sehen war. Er werde das Spannungsfeld See und Kirche mit einer Performance ausloten, sagt Erich Hausammann. Mehr mag er noch nicht verraten. Um mit einem Lächeln hinzuzufügen, dass Moma Werke von Kai Althoff in einer Einzelausstellung zeigt. Der Kölner war einer der vier Künstler in seiner ersten Ausstellung. «Wir konnten Werke daraus verkaufen.»

Galerie Kirchgasse Kirchgasse 11, Steckborn.

Mary Bauermeister, bis 14.1.

Do/Fr 11–18, Sa 10–17 Uhr.

kirchgasse.com