Kunst und meditieren beim Kloster Fischingen: Den Thurgauer Himmel auf Erden geholt

150 Jahre Landeskirchen im Thurgau: Bei Fischingen lädt Kunst zum Meditieren über Religion und Glaube ein. Am schönsten Aussichtspunkt auf Ottenegg erwartet den Wanderer die Installation «Opaion» des Thurgauer Künstlerpaares Heidi Schöni und Karl Steffen.

Martin Preisser
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Reiz der Spiegelung: Die Installation «Opaion» auf der Ottenegg lädt auch zum Meditieren über Himmel und Erde ein.

Reiz der Spiegelung: Die Installation «Opaion» auf der Ottenegg lädt auch zum Meditieren über Himmel und Erde ein.

Bilder: Martin Preisser

Landschaften um Klöster werden oft als Kraftorte bezeichnet und auch als solche wahrgenommen. Diese Ausstrahlung hat auch Fischingen und seine Umgebung. Wer von dort in einer guten halben Stunde hinauf zur Ottenegg wandert, entdeckt einen weiteren, fast magisch wirkenden Kraftort mit einer Kapelle und einer Mariensäule mitten in einem Rondell.

Auf dieses Rondell und die Säule nimmt das Thurgauer Künstlerpaar Heidi Schöni und Karl Steffen («steffenschöni») Bezug und hat einen runden Kreis mit sieben Metern Durchmesser in der Wiese installiert. «Opaion» heisst diese Aluminiumverbundplatte, die sich aus zehn Segmenten zusammensetzt. Opaion, das ist das offene Rund am Abschluss einer Kuppel, etwa wie beim Pantheon in Rom. Es dient zum Lichteinlass, aber auch als Abzug von Rauch, etwa bei Opferritualen.

Irdisches und Himmlisches kommen in Bezug

Für das Jubiläum 150 Jahre Landeskirchen im Thurgau ist eine dreiteilige Ausstellung mit dem Titel «Göttliche Landschaft – Zeitgenössische Kunst zu Glaube und Religion» entstanden, die einlädt, über private wie gesellschaftliche Relevanz von Glauben nachzudenken.

Das Opaion besteht aus einer speziellen Aluminiumplatte.

Das Opaion besteht aus einer speziellen Aluminiumplatte.

Ein Teil der Ausstellungsreihe, «Opaion» von steffenschöni, bringt den Himmel gespiegelt auf die Erde, Wolkenspiele können plötzlich auf dem Boden betrachtet werden. Oben und unten, Diesseits und Jenseits, Irdisches und Himmlisches kommen in Bezug und in Bewegung. Man sieht das Kunstwerk, das sowohl etwas Archaisches wie auch Zeitloses ausstrahlt, nicht gleich, sondern man muss vom Wanderweg noch ein paar Schritte bis zu einer Sitzbank auf einem Wasserreservoir gehen. Hier bietet sich einer der schönsten Ausblicke auf den Thurgau und die Hügel rund um das Hörnli. Ein aussergewöhnlicher Ort, der durch das Kunstwerk und die Mariensäule im Hintergrund zu einem Platz der Stille und Einkehr wird. Hier ist ein Kunstwerk in die Landschaft gesetzt, das eine mögliche Funktion von Kunst unterstreicht: das bewusstere Wahrnehmen.

Die heilige Idda ist präsent

Der Wanderweg zu steffenschönis «Opaion» belohnt bereits mit Kunst. Studierende der Hochschule für Design und Kunst Luzern haben sich des Themas Bildstöckli angenommen und drei solche installiert. Eine goldene Rettungsdecke und eine Wallwurzpflanze, die gegen Fussbeschwerden hilft, gemahnen an die heilige Idda, die für Fussprobleme von den Gläubigen angerufen wird (Künstlerduo: Gisler und Gähwiler). Auf dem Nachbarhügel von Ottenegg thront die Iddaburg. Reminiszenzen an den Grossvater und an Kindheit werden mit einer Arbeit aus Zinn (Felix Stöckle) und zwei recht versteckten Lindenblättern aus Holz (Maròn Gruno) thematisiert. Ein viertes Bildstöckli ist nur virtuell zu entdecken.

Hommage an die heilige Idda: Bildstöckli des Künstlerduos Gisler und Gähwiler.

Hommage an die heilige Idda: Bildstöckli des Künstlerduos Gisler und Gähwiler.

Der dritte Ort der Ausstellung ist die Kartause Ittingen, ebenfalls ein Kraftort. Dort hat Vincent Fournier eine Himmelsleiter in die Rebberge hineingebaut. Und eine Art Himmelsleiter ist eben auch der Weg hinauf zur Ottenegg, wo man dem Himmel durchaus ein Stück näher ist. Und Kunst kann diesen Eindruck hier subtil untermalen.

Bis 18. Oktober - www.150himmel.ch