Kunst und Kredite

Die Geschichte der St. Galler Kantonalbank mit dem Hauptsitz in der Hauptstadt ist eine schon sehr lange dauernde von Geld und Wachstum. Zeitlich etwas kürzer ist die Geschichte der hausinternen Kunstsammlung.

Brigitte Schmid-Gugler
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Eingelagerte Werke im Archiv der St. Galler Kantonalbank: Ein Werk von Rolf Iseli neben einer monumentalen Malerei von Gisela Krause aus dem Jahr 1987. (Bild: Ralph Ribi)

Eingelagerte Werke im Archiv der St. Galler Kantonalbank: Ein Werk von Rolf Iseli neben einer monumentalen Malerei von Gisela Krause aus dem Jahr 1987. (Bild: Ralph Ribi)

In der nach dem Umbau zur Wiedereröffnung erschienenen Zeitung «Durchblick» stand geschrieben, dass im Hauptsitz «offene, helle Räume und eine zeitgemässe Infrastruktur» geschaffen worden seien, «damit sich alle Kundinnen und Kunden noch viel wohler fühlen.» Möglicherweise ist das Warten in den Schlangen vor den Schaltern folglich ein absichtlich eingefädeltes, hat man doch, den Blick in den Lichthof schweifen lassend, beste Sicht auf Kunst. Über den Köpfen schwebt Alex Hanimanns Leuchtskulptur «Die grosse Schlaufe»; drüben bei den Lifttürmen zwinkert einem die Arbeit «NEXT» von Silvie Defraui zu, die sich wie Riesenstrichmännchen über fünf Stockwerke hinaufzieht.

Dreizehn Kunstschaffende waren während des Um- und Neubaus an der St. Leonhardstrasse aus zwei parallel laufenden Wettbewerben für «Kunst am Bau»-Beiträge ausgewählt worden. Die Idee war, qualitativ hochwertige Kunst in den öffentlich zugänglichen Revieren der Bank zu präsentieren. Das Sammlungskonzept änderte sich grundsätzlich nach der Neueröffnung. Interne Kunstausstellungen, wie man sie vor dem Umbau veranstaltete, finden seither keine mehr statt.

Gut archiviert

Eine neu zusammengestellte Kunstkommission sollte nicht mehr wie anhin ohne klares Konzept und ohne eine Strategie vor sich hinwursteln, sondern mit einer schriftlich festgelegten Ausrichtung eine Sammlung aufbauen. Und dies mit Werken «von Kunstschaffenden, welche einen direkten Bezug zur Ostschweiz» haben. Die Werke der dreizehn Ostschweizer Künstlerinnen und Künstler sollten den «Grundstock» bilden für eine erweiterte und solid kuratierte Sammlung.

In der Kunstkommission sitzen heute sechs Leute, darunter der Präsident der Geschäftsleitung, Roland Ledergerber – in dessen Büro ein Werk von Josef Felix Müller hängt –, die Kunsthistorikerin Elisabeth Keller-Schweizer und der ausgebildete Polier Peter Hirzel, der 35 Jahre bei der KB in der hauseigenen Bauabteilung tätig war, selber nicht nur künstlerisch tätig, sondern auch mit eigenen Werken in der KB vertreten ist. Hirzel wurde damit betraut, ein KuKo-Konzept zu erstellen. Dieses wurde von der Geschäftsleitung abgesegnet; die Kommission bekam grünes Licht und ist seither aktiv. Um eine engere Auswahl von möglichen Ankäufen bemühen sich die beiden Kunstsachverständigen Keller und Hirzel. Sie besuchen Kunstschaffende in ihren Ateliers und bringen ihre Vorschläge vor die Kommission. Wird im Kanton eine Filiale um- oder neu gebaut, wird ein Teil des Budgets für «Kunst am Bau» mit einberechnet.

Ausrangiert und verschenkt

Selbstverständlich gab es im St. Galler Hauptsitz und in den 35 im Kanton verteilten Filialen schon vor diesem Wandel Kunst. Nur ging es der Grossbank nicht anders als vielen anderen Institutionen, die Kunst sammeln: Irgendwann sind die Bilder aus der «Mode», sie werden in einen Keller verbannt und fristen dort meist ein dem Vergessen anheim gestelltes Dasein. Niemand weiss so recht, was mit den Bildern geschehen soll, und niemand fühlt sich zuständig dafür, sie fachgerecht zu archivieren. Dieses Problem gab es auch bei der KB. Nach dem Umbau initiierte Peter Hirzel eine bankinterne Ausstellung für die Angestellten. Er liess die Kellerleichen in den Gängen des vierten Untergeschosses aufhängen und ins interne Netz stellen. Wer wollte, konnte sich – ähnlich wie während der Ausstellung «Amtskarussell» im Regierungsgebäude, etwas aus dem Fundus aussuchen; teilweise seien Bilder auch verschenkt oder für ein kleines Entgelt an Mitarbeitende verkauft worden, sagt Hirzel.

Junge Kunst gut vertreten

Vom letztmals erfassten Bestand – 2325 Exponate im Juni 2011 – sind momentan 1864 in Bankräumlichkeiten plaziert und 461 im Hauptsitz eingelagert. Das Archiv, im vierten Untergeschoss der Bank, ist heute systematisch geordnet. Schiebewände beherbergen Werke von A bis Z; unter A einen Friedrich Aigner; unter H ein spannendes Bild des Toggenburger Naiven Max Heiland und unter K ein Gemälde von Gisela Krause. Auch Regionale wie Alge, Gehr, Oertli und Weisskönig sind unter den Eingemachten. Zahlreiche Neuankäufe sind in den Räumlichkeiten der Bank verteilt. Alexandra Maurers «Videostills» mussten aus der Cafeteria, wo sie ursprünglich plaziert worden waren, wieder entfernt werden – sie erregten Anstoss bei den Mitarbeitenden, wie Hirzel schildert.

Die Manor-Kunstpreisträgerin 2010 überblendet in ihren Arbeiten die Techniken Video, Malerei und Animation. Das vordergründig Schöne, Bunte kippt bei ihr gerne ins Verstörende.

Die Besprechungszimmer werden von teilweise bekannten und dann wieder ganz unbekannten Kunstschaffenden bespielt, darunter findet sich eine hübsche dreidimensionale Arbeit der aus Gais stammenden Claudia Eisenhut. Vertreten sind unter anderen auch Regi Müller, Rolf Graf, Ingo Giezendanner, Nicole Böniger.

Die St. Galler Kantonalbank, das ist offensichtlich, lässt sich die Kunst was kosten: Sie wendet für Neuanschaffungen «im Schnitt jährlich circa 200 000 bis 250 000 Franken auf», lässt die Geschäftsleitung wissen.