Kunst ist weiblich

Die Vorfreude ist gross: Im Kunstjahr 2015 gibt es zahlreiche Ausstellungen, die man gesehen haben muss – besonders von Frauen.

Christina Genova
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Berlinde De Bruyckere zeigt ihre verstörenden Skulpturen ab April im Kunsthaus Bregenz. (Bild: pd)

Berlinde De Bruyckere zeigt ihre verstörenden Skulpturen ab April im Kunsthaus Bregenz. (Bild: pd)

Das Kunstjahr 2015 wird weiblich. Beim Blättern durch die Ausstellungsprogramme der Schweizer Kunstmuseen fällt auf, dass zahlreiche hochkarätige Künstlerinnen um die sechzig Jahre eine Einzelausstellung ausgerichtet bekommen. Es beginnt schon morgen im Aargauer Kunsthaus mit den suggestiven Gemälden der Schweizerin Miriam Cahn. Ihre feministische Weltsicht verbindet sie mit Rosemarie Trockel, deren Ausstellung im Kunsthaus Bregenz ebenfalls am Freitag eröffnet.

Kunst mit neunzig

Zwei Monate später wird Rosemarie Trockel von Berlinde De Bruyckere abgelöst. Deren häufig aus Wachs bestehende Arbeiten kreisen um Themen wie Versehrtheit und Tod. Im Mittelpunkt der Bregenzer Ausstellung wird De Bruyckeres unheimlich anmutende Arbeit für den belgischen Pavillon an der Biennale von Venedig 2013 stehen.

Mit einer weiteren, spannenden Bildhauerin kann man in St. Gallen aufwarten: Die Britin Phyllida Barlow stellt ihre prekären Skulpturen ab August in der Kunstzone der Lokremise aus. Schon Anfang Mai hat dann die mit Abstand Jüngste in dieser Frauenrunde ihren grossen Auftritt: Die erst 36jährige gebürtige Urnerin Pamela Rosenkranz bespielt den Schweizer Pavillon an der Biennale in Venedig und ist trotz ihres jungen Alters in der Kunstszene international bestens vernetzt. Die älteste ausstellende Künstlerin ist hingegen die 90jährige, in Beirut geborene Etel Adnan, deren Werk nach ihrem grossen Erfolg an der letzten Documenta ab Oktober im Zürcher Haus Konstruktiv zu sehen ist.

Paul Gauguin und Malewitsch

Die Kunst von Frauen haben die Kunsthalle Ziegelhütte und das Kunstmuseum Appenzell gleich zum Jahresthema erhoben. Ende März eröffnet dort die Ausstellung «Die Dada la Dada she Dada». Quasi als Vorbereitung auf das 100-Jahr-Jubiläum von Dada 2016 werden Werke von fünf Künstlerinnen vorgestellt und mit zeitgenössischen Videoarbeiten ergänzt. Ein anderes Jubiläum wird ab Oktober in der Fondation Beyeler mit einer Ausstellung gefeiert: 1915 schuf Kasimir Malewitsch sein Gemälde «Das schwarze Quadrat» – heute eine Ikone der modernen Kunst. Die Besuchermassen wird man bei Beyeler aber schon ab Februar mit Paul Gauguin anziehen; die Ausstellung ist ganz unbescheiden angekündigt als «einer der grossen europäischen Kulturhöhepunkte des Jahres 2015».

Blochers Kunst in Winterthur

Von gleich vier Ostschweizer Künstlern sind vielversprechende Schauen angekündigt: Im Kunstmuseum Solothurn erhält der gebürtige Herisauer Peter Stoffel mit seinen gemalten Topographien ab März seine erste museale Einzelausstellung. Ebenfalls Ausserrhoder Wurzeln hat Florian Graf, der von April bis Juni die Kunsthalle St. Gallen mit seinen architektonischen Konstruktionen wohl komplett verändern wird. Der Rheintaler Manor-Preisträger Beni Bischof hingegen stellt von Februar bis Juni im Kunstmuseum St. Gallen aus. Das Werk des Thurgauer Aussenseiterkünstlers Adolf Dietrich (1877–1957) wird im Kunstmuseum Olten erstmals gemeinsam mit Positionen der Schweizer und internationalen Avantgarde seiner Zeit gezeigt. Die Ausstellung ist von Mai bis August zu sehen.

Wer schon lange wissen wollte, was da bei Christoph Blocher in Herrliberg und auf Schloss Rhäzüns so alles an den Wänden hängt, dessen Neugierde wird ab Oktober in einer Ausstellung mit dem Titel «Hodler, Anker, Giacometti» im Winterthurer Museum Oskar Reinhart gestillt.

Der Duft der Kunst

Wie riecht Kunst? Diese Frage stellt man ab Februar im Basler Museum Tinguely. In der Ausstellung «Belle Haleine» wird zum ersten Mal die Bedeutung des Geruchssinns in der Kunst thematisiert. Auch die Schau «About Trees» im Berner Zentrum Paul Klee ZPK verspricht neue Zugänge, indem sie den umliegenden Naturraum einbezieht und Werke von Künstlern präsentiert, die sich mit Bäumen beschäftigen. Das ZPK zeigt ab Ende Januar ausserdem erstmals seit 25 Jahren in der Schweiz einen Überblick über das Werk von Henry Moore, einem der bedeutendsten Bildhauer des 20. Jahrhunderts.

Tomi Ungerer und Alois Carigiet kennt man vor allem als Kinderbuchillustratoren. Dank zwei Ausstellungen erhält man nun einen Einblick in ihr eher unbekanntes Schaffen als bildende Künstler. Ab Mitte Juni sind Carigiet-Werke im Zürcher Landesmuseum zu sehen, ab Ende Oktober wird Ungerer im Kunsthaus Zürich ausgestellt.

Gespannt sein darf man ausserdem auf zwei Dinge: zum einen, ob die ersten Gemälde aus der Sammlung Cornelius Gurlitt wie von Direktor Mathias Frehner in dieser Zeitung angekündigt bereits 2015 erstmals im Kunstmuseum Bern zu sehen sind. Zum andern, wer zu den Auserwählten zählt, die beim Heimspiel 2015/16 dabei sind. Die alle drei Jahre stattfindende jurierte Gruppenausstellung für Ostschweizer Kunstschaffende findet ab Mitte Dezember statt.

Legende (Bild:)

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Kunst, die zum Himmel stinkt, gibt's ab März im Museum Tinguely. (Bild: pd/Agostino Osio, Fondazione Manzoni, Milano)

Kunst, die zum Himmel stinkt, gibt's ab März im Museum Tinguely. (Bild: pd/Agostino Osio, Fondazione Manzoni, Milano)

Gauguin wird die Besuchermassen in die Fondation Beyeler locken. (Bild: pd/Jürgen Karpinski)

Gauguin wird die Besuchermassen in die Fondation Beyeler locken. (Bild: pd/Jürgen Karpinski)

Bäume stehen im Zentrum einer Ausstellung im Zentrum Paul Klee. (Bild: pd)

Bäume stehen im Zentrum einer Ausstellung im Zentrum Paul Klee. (Bild: pd)

Die neunzigjährige Etel Adnan kommt ins Zürcher Haus Konstruktiv. (Bild: pd)

Die neunzigjährige Etel Adnan kommt ins Zürcher Haus Konstruktiv. (Bild: pd)

Miriam Cahn stellt in Aarau aus. (Bild: pd)

Miriam Cahn stellt in Aarau aus. (Bild: pd)