«Kunst ist das Einfachste»

Ein Dokumentarfilm beleuchtet das kurze und intensive Leben von Eva Hesse, einer prägenden Künstlerin der Minimal Art.

Christina Genova
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Eva Hesse an ihrer Vernissage 1966. (Bild: Norman Goldman/PD)

Eva Hesse an ihrer Vernissage 1966. (Bild: Norman Goldman/PD)

Sie war schön, begabt und ehrgeizig. Und starb mit nur 34 Jahren an einem Gehirntumor. Eva Hesses Leben ist der Stoff, aus dem Filme sind. Dies erkannte die amerikanische Regisseurin Marcie Begleiter. In ihrem Dokumentarfilm, der schlicht «Eva Hesse» heisst, verwebt sie Tagebucheinträge und Briefausschnitte der Künstlerin, Erinnerungen ihrer Freunde und ihrer Schwester Helen Hesse-Charash zu einem dichten und intimen Porträt.

Skulpturen aus Glasfaser und Polyester

Als ob Eva Hesse ihren frühen Tod geahnt hätte, hat sie besonders die letzten fünf Jahre ihres Lebens intensiv gearbeitet. Auf der Suche nach einer eigenständigen Position entwickelte sie sich von der Malerin zur Bildhauerin und von einem abstrakten Expressionismus hin zu einem eigenständigen und originellen Werk, das zwischen Surrealismus und Minimalismus changiert. Es inspiriert Künstlerinnen bis heute, wie die renommierte Bildhauerin Phyllida Barlow, die sagt: «Als ich zum ersten Mal auf Eva Hesses Werke traf, war es, als ob man einen verhungernden Menschen füttert.» Eva Hesse behauptete sich in der männlich dominierten New Yorker Kunstszene der 1960er-Jahre. Für ihre Skulpturen experimentiert die Künstlerin mit neuen Materialien wie Glasfaser und Polyester. «Sie legte viel von ihren Ängsten in die Kunst», sagt Lucy Lippard, die eine von Hesses ersten Ausstellungen kuratierte. Diese Ängste hatten ihren Ursprung in den Erfahrungen ihrer Kindheit. 1939 gelang der jüdischen Familie Hesse ganz knapp die Flucht von Hamburg nach New York, die restlichen Verwandten wurden von den Nazis umgebracht. Die Mutter verkraftete dies nicht und stürzte sich von einem Balkon in den Tod, als Eva Hesse erst zehnjährig war. Die Kunst war Evas Rettung: «Mein Leben verlief niemals normal, nie. Kunst ist für mich das Einfachste», wird sie zu Beginn des Film zitiert. Den künstlerischen Durchbruch schafft Hesse 1968, ein Jahr später zeigte Harald Szeemann ihre Werke in der legendären Ausstellung «When Attitudes Become Form» in der Kunsthalle Bern, die im Film jedoch nicht erwähnt wird. Ebenfalls fehlt der Hinweis, dass Hesses Nachlass von der Galerie Hauser & Wirth verwaltet wird. In deren in Henau bei Uzwil domizilierten Sammlung sind ihre Werke zahlreich vertreten.

Kinok St. Gallen, morgen, 12.20 Uhr; Di, 8.11., 17 Uhr; Sa, 12.11., 17.20 Uhr; Sa 26.11., 12.45 Uhr.

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