Kunst
In dieser Ausstellung fehlt nur das Büsi, das einem den Bauch wärmt – im Trudelhaus Baden dreht sich momentan alles um Tiere

Wie halten es heutige Künstlerinnen und Künstler mit den Tieren? Meist lieb. Das zeigt «Bestia rara» im Trudelhaus Baden. Von Hunden bis zu Ratten und Fischen ist alles dabei.

Sabine Altorfer
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Isabell Bullerschen, Félicia Eisenring, Limbo II, Videostill.

Isabell Bullerschen, Félicia Eisenring, Limbo II, Videostill.

Friedlich liegt der Hund im Immergrün. Das ist der harmloseste Moment im Video «Limbo II» von Isabell Bullerschen und Félicia Eisenring. Denn bald sehen wir das Tier nachts um ein Gebäude streifen, die Menschen hinter den erleuchteten Scheiben merken nichts, kein Herrchen oder Frauchen ist in Sicht. Und wir fragen uns: Hund oder Wolf? Brav oder gefährlich?

Diesen Effekt wollen die Künstlerinnen mit dem Wolfshund-Video erzielen. Und uns dazu bringen, über unsere Haltung zu Wolf und Hund und Tier nachzudenken. Doch nicht nur sie. Im Trudelhaus Baden heisst es ab Samstag «Bestia rara» mit Werken von acht Künstlerinnen, Künstlern und Duos.

Tanzendes Skelett und herzige Ratten

Als Wachhund beim Eingang haben die beiden Kuratorinnen Andrina Jörg und Jeannette Polin einen weiteren Hund platziert. Der beisst und bellt garantiert nicht mehr, besteht er doch nur noch aus seinem Skelett. Saskia Edens hat ihn an einen Plattenspieler gekettet, so dass er nun zum Song «I Wanna Be Your Dog», freundlich wackelt.

«I Wanna Be Your Dog» von Saskia Edens

«I Wanna Be Your Dog» von Saskia Edens

Sabine Altorfer

Diese Hunde wirken nicht wie die sprichwörtlichen, treuesten Freunde. Dafür werden die jungen Ratten im Nest als hilfloses Jöö-Häufchen dargestellt. Marianne Engel liebt alle Tiere, die sich in ihrem abgeschiedenen Haus einnisten und verwandelt gar ihre Hinterlassenschaften in Kunst.

Unser Verhältnis zu Tieren ist mehr als ambivalent (geworden). Darf man sie noch essen? Welche Rechte haben Wildtiere? Wie nutzt man Nutztiere (nicht aus)? Wie soll man Arten vor dem Aussterben retten? Soll man? Die Frage, wie Kunstschaffende mit Tieren umgehen, habe sie zum Thema gebracht, erklärt Andrina Jörg.

Hübsche Ratten und trockene Fische

Auf einen Nenner bringen lassen sich die acht Positionen nicht, und Antworten auf die obigen Fragen geben sie kaum. Zu sehen sind eher spielerische Arbeiten mit visuellem Effekt. Hendrikje Kühne/Beat Klein haben Fische aus Zeitschriften ausgeschnitten und sie zu hübschen, bunten Quadern gesteckt.

Bunte Steckfische

Bunte Steckfische

Sabine Altorfer

Hübsch – zum Beispiel als bronzene Türknöpfe – sind auch die Miniaturköpfchen der Big Five aus Afrikas Wildnis von Wink Withol. Stefan Rohner erfindet drucktechnische Unterwasserwelten und Fell-Monster. Gekonnt und gediegen wirkt die Malerei von Eva Gadient, die an weiche Felle oder Flügel erinnert.

Zündstoff oder Sprengkraft liefert die Ausstellung kaum. Das meiste wirkt recht harmlos und angenehm – wie ein Büsi, das einem den Bauch wärmt. Die überraschendste Arbeit stammt von Tobias Rüeger. Er hat Fotofallen für Wildtiere installiert und daneben Heiligenbilder aufgestellt. Wie Fuchs und Hase, Reh und Dachs darauf «reagieren», ist erheiternd.

Bestia rara Trudelhaus Baden, bis 24. Oktober. Vernissage: Sa, 28. August, 17.30 Uhr.

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