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KUNST: Geranien sind niemals rot

Was haben Pflanzen mit Apartheid zu tun? Und, sind die Geranien in die Schweiz gekommen? Das erzählt Uriel Orlow in der Kunsthalle St. Gallen.
Christina Genova
Geranien wurden im 17. Jahrhundert von holländischen Kolonialisten nach Europa importiert. Sie wachsen auch auf der Fototapete in der Kunsthalle St. Gallen. (Bild: Hanspeter Schiess)

Geranien wurden im 17. Jahrhundert von holländischen Kolonialisten nach Europa importiert. Sie wachsen auch auf der Fototapete in der Kunsthalle St. Gallen. (Bild: Hanspeter Schiess)

Christina Genova

christina.genova@tagblatt.ch

2014 schlenderte Uriel Orlow durch den Kirstenbosch National Botanical Garden in Kapstadt und las die Schilder an den Bäumen und Pflanzen. Alles war fein säuberlich auf Englisch und Lateinisch beschriftet. Doch was war mit den elf offiziellen Sprachen Südafrikas, 20 Jahre nach Ende der Apartheid? «Diese Wissensgewalt hat mich frappiert», sagt Orlow. Der 44-jährige Zürcher, der heute in London und Lissabon lebt, begann mit seinen Recherchen. Er wollte herausfinden, inwiefern Pflanzen Zeugen und Akteure der Kolonialgeschichte sind. Die spannenden, ausgezeichnet recherchierten ­Resultate sind in der Kunsthalle St. Gallen zu sehen. In «Theatrum Botanicum» werden neben vier Videoarbeiten Fotos, Installationen und eine Audioarbeit ­gezeigt.

Blumen hinter Maschendraht

Uriel Orlow fand heraus, dass die Schweizer Nationalpflanzen, die roten Geranien, alles andere als seit Urzeiten in der Schweiz ­beheimatet sind. Sie wurden im 17. Jahrhundert von holländischen Kolonialisten von Südafrika nach Europa gebracht. «Wie wir Menschen, migrieren auch die Pflanzen», sagt Uriel Orlow. Ausserdem gibt es gar keine roten Geranien. Ihre botanisch korrekte Bezeichnung lautet Pelargonien.

Vielschichtig ist auch die Installation «Grey, Green, Gold». Von 1964 bis 1982 war Nelson Mandela Häftling auf Robben ­Island. Er und seine Mitinsassen legten im Hof des Gefängnisses einen kleinen Garten an. Er existiert noch heute und ist auf einer wandfüllenden Tapete zu sehen. In diesem Garten vergrub Mandela ausserdem das Manuskript seiner Autobiografie, die später veröffentlicht wurde. Während der Jahre von Mandelas Gefangenschaft gelang es dem Botanischen Garten in Kapstadt, eine gelbe Variante der orangen ­Strelitzia zu züchten. Die Pflanze ist auch als Papageienblume ­bekannt. Als Mandela 1994 zum Präsidenten Südafrikas gewählt wurde, taufte man die gelbe ­Strelitzia ihm zu Ehren auf den Namen «Mandela’s Gold». Ein Samenkorn kann in der Ausstellung durch eine Lupe betrachtet werden. Mittlerweile müssen die wertvollen Pflanzen im Botanischen Garten mit Maschendraht vor den gefrässigen grauen ­Eichhörnchen geschützt werden. Nach Südafrika eingeführt worden waren sie im 19. Jahrhundert vom bekannten Kolonialisten ­Cecil Rhodes, der von der Überlegenheit der britischen Rasse überzeugt war.

Für die Audioarbeit «What Plants Were Called Before They Had a Name» machte sich Uriel Orlow mit dem Aufnahmegerät auf die Suche nach Pflanzen­namen in zwölf indigenen süd­afrikanischen Sprachen wie Khoi, Siswati oder isiZulu. «Für mich ist das Wissenschaftskritik», sagt Orlow. Kolonialisten «entdeckten» Pflanzen, gaben ihnen neue Namen und klassifizierten sie nach dem Linné-System, die ­lokalen Bezeichnungen wurden ignoriert. In Orlows «Soundgarden» erfahren die mündlich überlieferten Pflanzennamen neue Aufmerksamkeit. Fehlt nur noch, dass die Schilder in Kapstadts Botanischem Garten ausgetauscht werden.

Hinweis

Kunsthalle St. Gallen, bis 17. Juni.

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