KUNST: Farngarten im Museum

Das Appenzeller Volkskundemuseum Stein präsentiert eines der Lieblingsmotive Hans Krüsis. In seinen Bildern werden Farne zu Bäumen, zu Wäldern und Wesen.

Kristin Schmidt
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Bilderverkäufer Hans Krüsi (1920–1995). (Bild: Kunstmuseum Thurgau)

Bilderverkäufer Hans Krüsi (1920–1995). (Bild: Kunstmuseum Thurgau)

Kristin Schmidt

ostschweizerkultur

@tagblatt.ch

Hans Krüsi ist längst kein Unbekannter mehr, als Künstler nicht und auch nicht als Persönlichkeit. Über Krüsi wurde geschrieben, wurden Fernsehbeiträge gesendet, seine Werke wurden gesammelt, ausgestellt, aufgearbeitet. Doch noch immer gibt es unentdeckte Seiten im Werk des Ostschweizers. Eine davon wird jetzt im Volkskundemuseum Stein präsentiert: «Schattengewächs Farn – Hans Krüsi und die Natur» verweist bereits im Titel auf das zentrale Ausstellungsmotiv und zeigt dessen Wandlungsfähigkeit und Vielfalt.

Pflanzen als Schablone, übermalt oder übersprayt

Mitte der 1970er-Jahre entstehen Krüsis erste künstlerische Arbeiten, und schon in ihnen tauchen Farne auf. Noch ist der Blumenverkauf Krüsis Haupterwerb, und so verwundert es nicht, dass er in dieser Zeit Farnstängel zu straussähnlichen Gebilden fügt. Noch bleiben die Farnpflanzen im Hintergrund, sind zartes, schmückendes Beiwerk für ­Vogeldarstellungen. Bald aber ­erhalten die Farne mehr Gewicht und eine eigenständige Farbgebung. Grössere Querformate füllt Krüsi einzig mit Farnwedeln. In leuchtenden Farben sind sie mal Ornament, mal Motiv, aber ­immer von einer selbstbewusst vorgetragenen Schönheit. Die ­regelmässige Form, die zur Spitze sich verjüngenden Blätter, die bis ins kleinste Blattdetail sichtbare Struktur, die Rippen, Sporen und Adern – Krüsi war ganz offensichtlich fasziniert von der ­Gestalt der Farne und von ihrem motivischen Potenzial. Immer wieder spielt er mit den Grössenverhältnissen. Ein einzelner Farnwedel kann in einem Bild zu einem Baum werden, mehrere werden zu einem Wald. Rot eingefärbt gleichen sie Flammen, weiss erinnern sie an Eisblumen. Mit dem Pinsel lassen sie sich weitermalen, sie erhalten Gesichter und funktionieren als Positiv- wie auch als Negativform.

Krüsis Technik wechselt von Jahr zu Jahr und von Blatt zu Blatt. Er benutzt die Pflanzen als Schablone und übersprayt oder übermalt sie. Er verwendet sie als Stempel oder integriert sie als Objekt in seine Arbeiten. Alle Materialien wirken schlicht, die Arbeiten fragil. Trotzdem oder gerade deshalb entfalten sie eine grosse Unmittelbarkeit, selbst dann noch, wenn sie verglast und gerahmt sind.

Krüsis Nähe zur bäuerlichen Welt

Die Ausstellung beschränkt sich nicht darauf, Krüsis Kunst zu zeigen, sondern stellt sie in den Kontext seines Lebens und seiner Herkunft. Die präsentierten Brillen des Künstlers, sein Mantel und das Blumenwägelchen mit Papierrosen sorgen allerdings eher für anekdotisches Beiwerk. Interessanter sind die Ton- und Fotodokumente. So lassen sich auch auf Krüsis Polaroids Farne entdecken, und die Tonbandaufnahmen zeugen von seiner Nähe zur bäuerlichen Welt wie auch von seiner Leidenschaft für die Natur. Letztere hat in der Ausstellung einen besonderen Auftritt: Der Meisterflorist Walter Zellweger, bekannt durch «Blumen für die Kunst» im Aargauer Kunsthaus, hat für Krüsis Arbeiten einen hängenden Farngarten und eine Farnwolke gestaltet. Der Schwellbrunner gliedert damit die kleinräumige Ausstellung und bringt das Grün und den Duft der Pflanzen ins Museum.

Hinweis

Ausstellung im Volkskundemuseum Stein, bis 21.10.