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KUNST: Die Documenta der Ostschweizer

An der gerade eröffneten Documenta in Kassel befinden sich zwei Werke, die in St. Gallen produziert wurden. Ausserdem schildern vier Ostschweizer Kunstfachleute, wie sie die wichtigste Kunstausstellung des Jahres erlebt haben.
Christina Genovat
Das Paravent mit Ornamenten aus aller Welt von Nevin Aladag entstand in der Kunstgiesserei St. Gallen. (Bild: PD)

Das Paravent mit Ornamenten aus aller Welt von Nevin Aladag entstand in der Kunstgiesserei St. Gallen. (Bild: PD)

Christina Genovat

christina.genova@tagblatt.ch

«Being safe is scary» – sicher zu sein ist beunruhigend – steht in Grossbuchstaben über dem Fridericianum in Kassel, dem zen­tralen Ausstellungsort der am Samstag eröffneten Documenta. Der prominent platzierte Schriftzug erzählt vom Leben im permanenten Ausnahmezustand, aber auch davon, dass zu viel Sicherheit bequem macht. Nicht zuletzt knüpft er ein Band zwischen Kassel und Athen, den beiden Standorten der Documenta. Die prominent platzierte Botschaft ist eine Arbeit von Banu Cennetoglu. Die Türkin hat den golden bemalten Aluminiumschriftzug «Museum Fridericianum» ersetzt durch den Text eines Graffito, den sie an der Mauer des Polytechnikums in Athen entdeckt hat, einem wichtigen Ort des politischen Widerstands.

Urdeutsche Ausstellung wird europäisch

Die sechs fehlenden Buchstaben B, A, G, S, S und Y wurden in der Kunstgiesserei St. Gallen in Messing neu gegossen. Vor drei Wochen traf eine Palette mit den Kasseler Buchstaben in St. Gallen ein. «Banu musste in letzter Sekunde ihr Konzept ändern, da die Bewilligung zum Umschmelzen verweigert wurde», erzählt Felix Lehner, der Geschäftsführer der Kunstgiesserei. Ursprünglich wollte die Künstlerin die Buchstaben in die Form des Graffito umschmelzen. Schliesslich entschloss sie sich, die originalen Buchstaben des Fridericianums umzustellen und neu zu ordnen. Fehlende Buchstaben wurden typografisch aus den bestehenden neu zusammengesetzt.

Neben Cennetoglu hat mit Nevin Aladag eine weitere türkische Künstlerin eine Arbeit in der Kunstgiesserei realisiert. Im Gastatelier der Stiftung Sitterwerk entwickelte sie «Juli», ein Paravent aus licht- und sichtdurchlässigen Keramikziegeln. Die Arbeit ist von marokkanischen, japanischen und europäischen Gitter- und Fensterornamenten inspiriert. Die Elemente wurden in St. Gallen in eigens hergestellten Matrizen in Ton gepresst, gebrannt und in Pastelltönen glasiert. Zu sehen ist das Werk, das Nachdenken über die Auswirkungen von Grenzen anregt, im Hessischen Landesmuseum. Felix Lehner ist nicht nur glücklich über die beiden «St. Galler» Arbeiten, sondern auch von der Documenta im Allgemeinen sehr angetan: «Ich bin beeindruckt, wie visuell zugänglich und präzise die Werke und ihre Präsentation sind.» Positiv erscheint ihm auch die politische Brisanz und Aktualität der ausgestellten Arbeiten: «Bei vielen Werken spürt man förmlich die Anwesenheit der Künstler.» Man merke, dass es die Ausstellung eines Kurators sei, der ganz nahe bei den Künstlern sei und diese Arbeiten liebe.

Auch Albert Kriemler, der Chefdesigner des Modeunternehmens Akris, ist an die Documenta gereist. Das Konzept, die Documenta auch in Athen stattfinden zu lassen, überzeugt ihn: «Damit wird eine urdeutsche Kunstausstellung auf eine europäische Plattform gehoben.»

Lorenzo Benedetti, der neue Kurator am Kunstmuseum St. Gallen, war ebenfalls unterwegs in Kassel: «Es ist eine spezielle Documenta. Sie schaut zurück in die Vergangenheit, um unsere komplexe Welt in einem historischen Moment zu analysieren.»

Im Gegensatz zu den drei Herren ist Maren Brauner, Assistenzkuratorin der Kunsthalle St. Gallen, alles andere als überzeugt von der diesjährigen Documenta: «Ich hatte das Gefühl, dass das ganze Projekt an seinen eigenen grossen Ansprüchen scheitern könnte.» Maren Brauner hat nur wenige starke Werke gesehen, darunter ist ein Film über die Aufklärung des NSU-Mordes am Kasselaner Halit Yozgat. Insgesamt erschien der Kuratorin die Ausstellung in Kassel zu verzettelt – mit zu vielen Standorten und zu vielen Wiederholungen: «Viele Werke erschienen mir eher als Illustration der Themen, die in der Ausstellung verhandelt werden.»

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