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Kinderstück am Theater St. Gallen:
Auch Helden brauchen Hilfe

Das mobile Kinderstück «Kuno kann alles» am Theater St.Gallen spricht Drachisch – und plädiert witzig für vereinte Kräfte.
Bettina Kugler
Kuno (Tobias Graupner) kann alles – Klettern zum Beispiel. Karo (Tabea Buser) braucht einen Plan. Und ihre sieben Sachen. Bild: Jos Schmid

Kuno (Tobias Graupner) kann alles – Klettern zum Beispiel. Karo (Tabea Buser) braucht einen Plan. Und ihre sieben Sachen. Bild: Jos Schmid

Jedes Kind ist anders. Das wissen gute Eltern aus den Sachbuchklassikern von Remo Largo. Also muss Karo nicht wie Kuno sein: furchtlos und mit ungebremster Energie klettern, auf einem oder zwei Beinen gleichzeitig stehen. Sie muss nicht Kung-Fu können, Purzelbaum, Grimassen schneiden und vor allem: lauthals darüber reden. Hauptsache, Karo schaut zu und staunt, findet Kuno. Das macht sie richtig gut. Und so ein Kuno braucht Publikum.

Am Mittwoch zur Premiere des Stücks von Henry Mason im Studio des Theaters St. Gallen hatte Karo alias Tabea Buser reichlich Gesellschaft beim Gucken mit offenem Mund. Kinder ab fünf, dazwischen ein paar Mamis und Grosseltern: Macher und Angsthasen; solche, die sich kopfüber ins Abenteuer stürzen, und andere, die immer mindestens sieben Sachen dabei und einen Plan im Kopf haben. So viele Zuschauer – eine Sternstunde für Kuno!

Mit Siebensachen im Trolley auf Drachenjagd

Schauspieler Tobias Graupner schlüpft für diese Rolle in kurze rote Latzhosen und legt den Turbo ein. Er ist der Held des Kletterhäuschens, turnt wie ein Äffchen, gern auch kopfunter. Er rennt und springt und quasselt ohne Punkt und Komma. Gut für Tabea Buser, die neu ist im Ensemble, nach einem ersten Gastauftritt in «Peter Pan»: So muss sie nicht viel Text lernen. Stattdessen spricht ihr Gesicht Bände, wenn sie mit ihrem Handwagen dem ungleichen Freund bei seinen Abenteuern hinterherzottelt. Immerhin gönnt Kuno ihr die Freude, auszupacken und zu zeigen, was alles zu ihren Siebensachen gehört. Genauer gesagt: Er übernimmt das schnell für sie, sonst müssten wir noch jetzt im Studio sitzen.

Denn klar, es sind viel mehr als sieben Sachen, und Karo braucht sie alle dringend. Auch Kuno wird noch darauf angewiesen sein – doch Details werden hier natürlich nicht verraten. Nur, dass damit der gefahrenreiche Weg in die Schwarzen Berge gefunden und gemeistert werden kann. Dass die beiden dank Kritzelpapier, Stiften, Kompass und Bananen die Drachenhöhle erreichen. Und dass sich Karo vor Ort, mit dem entsprechenden Wörterbuch im Gepäck, als ziemlich sprachbegabt erweist. Wer hätte das gedacht? (Oder, in der Sprache des feurigen Höhlenbewohners: «Jolly-möi! Dragga kwatschi-dü?»)

"Jolly-möi! Dragga kwatschi-dü?"

Regieassistentin Maren Watermann zeigt in ihrer ersten eigenen Arbeit, dass sie das komische Talent der beiden Schauspieler wachkitzeln und zu verspieltem Blöd- und Hintersinn steigern kann. Damit unterhält «Kuno kann alles» eine knappe Stunde lang das anspruchsvollste Publikum überhaupt, ohne dass die über Zwanzigjährigen hibbelig werden und verstohlen auf die Uhr schauen.

Friederike Meisel hat zum einen Karos weissen Trolley mit vielen überlebenswichtigen Sachen ausgestattet. Zum anderen den beiden beweglichen Schauspielern ein Kletterhaus auf die Bühne gestellt, das ein echter Alleskönner ist. Ein paar Schrauben lockergedreht, lässt es sich aufklappen, mit Tüchern zum Wald oder reissenden Fluss umgestalten und überall hinfahren, wo das Stück künftig gespielt werden soll. I-Tüpfli ist die Musik von Marius Tschirky: Einfach genug, dass ein Hosenmatz wie Kuno sie turnend schmettern kann, für die Grösseren augenzwinkernd von «Mission Impossible» abgekupfert. Am Ende nimmt man nicht nur ein paar Brocken Drachisch mit. Sondern auch die Einsicht, dass Helden Hilfe brauchen. Und Zuschauer zu Machern werden können.

Weitere Vorstellungen: 21./28.9., 23/26./30.10. und im Nov., 14 Uhr, Studio Theater St.Gallen

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