Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

«Das Vorhandene muss gestärkt und getragen werden»: Kuratorin Gioia Dal Molin über die bildende Kunst im Thurgau

Nach vier Jahren als Beauftragte der Kulturstiftung Thurgau zieht die Kunsthistorikerin und Kuratorin Gioia Dal Molin nach Rom.
Dieter Langhart
Gioia Dal Molin (Bild: Dieter Langhart)

Gioia Dal Molin (Bild: Dieter Langhart)

Gioia Dal Molin wirkt ab Januar 2020 am Istituto Svizzero als Kuratorin und Verantwortliche für den Bereich Kunst. Die Kulturstiftung sucht eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger.

Was war zuerst: die Kündigung in Frauenfeld oder die Berufung nach Rom?

Gioia Dal Molin: «Berufung» klingt sehr hochgegriffen. Tatsächlich habe ich für die Stelle in Rom einen wohl langen und intensiven, aber ganz normalen Bewerbungsprozess durchlaufen.

Ist der Umzug nach Rom eine Rückkehr in die Heimat?

Ich bin als Tochter eines Secondos in der Schweiz geboren und aufgewachsen. Mein Vater ist in der italienischen Community in Zürich aufgewachsen, bei uns daheim wurde aber nur Schweizerdeutsch gesprochen. Ich habe am Anfang des Studiums über ein Jahr in Rom studiert und gelebt – auch, um diesem Teil meiner kulturellen und sprachlichen Identität näherzukommen. Es ist also schon eine Art Rückkehr an einen Ort und in ein Land, das mich und meine Biografie immer schon geprägt hat.

Was haben Sie in der Ostschweiz erreicht, was nicht?

Ha, eine schwierige Frage. Ich glaube, es ist mir gelungen, die Projekte der Kulturstiftung – wie die Werkschau oder die Publikationsserie «Facetten» – erfolgreich weiterzuführen und weiterzudenken. Die Lyriktage haben nun eine Website, auf der ersichtlich wird, welche interessanten Autorinnen und Autoren seit 1991 an dem Festival in Frauenfeld zu Gast waren. Für «Facetten» habe ich mit dem jungen Verlag Jungle Books zusammengespannt.

Warum?

Wir konnten die Publikation im Kontext des in der Schweiz sehr anerkannten Sektors der Künstlerbücher positionieren und sind als eines der schönsten Schweizer Bücher von 2018 ausgezeichnet worden. Weiter habe ich das Atelierstipendium in Belgrad aufgebaut, das bei den Kunstschaffenden auf Anklang stösst und den Dialog zwischen dem Osten der Schweizer und dem Osten Europas intensiviert. Auch konnte ich mich als Beauftragte der Stiftung in nationale kulturpolitische Diskussionen einbringen. Etwa in einer von Pro Helvetia mitgetragenen Debatte über die Frage nach den Honoraren von Künstlerinnen und Künstlern, die mir sehr am Herzen liegt. Schliesslich glaube ich auch, dass es mir gelungen ist, durch eine sorgfältige Arbeit und grosse Achtsamkeit beispielsweise auf die visuelle Erscheinung von Programmflyern oder Publikationen die Projekte der Kulturstiftung breiter in der Schweizer Kunstszene sichtbar zu machen. Mit einem Pensum von lediglich 60 Prozent gibt es natürlich immer Dinge, für die Energie und Zeit nicht reichen.

Zum Beispiel?

Vielleicht hätte ich noch mehr Zeit in den Dialog mit den regionalen Kunst- und Kulturschaffenden investieren können. Aber grundsätzlich bin ich sehr zufrieden, doch.

Was braucht die bildende Kunst im Thurgau?

Sie hat bereits sehr viel. So etwa Ausstellungsorte und Kuratorinnen und Kuratoren, die herausragende Arbeit leisten und die so die in der Schweizer Kunstwelt seit langem anhaltende Tendenz zu tollen Ausstellungen abseits der vermeintlichen Hot Spots der Kunstwelt weiterführen. Diese vorhandenen Strukturen müssen gestärkt und getragen werden, auch in finanzieller Hinsicht und durch die kantonale Förderung. Weiter gilt es, die Akteure zu vernetzen, zusammenzubringen und einen Nährboden zu schaffen, auf dem auch neue Projekte entstehen können. Diese Aufgaben übernimmt die Kulturstiftung. Und ich bin überzeugt, dass sie das auch in Zukunft tun wird.

Hinweis: www.kulturstiftung.ch

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.