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Kulturpreise für Tagwerker, Anna Stern und ZündWerk

Die St.Gallische Kulturstiftung verleiht einen Kulturpreis an den Künstler Bernard Tagwerker und zwei Förderpreise an die Schriftstellerin Anna Stern und das Künstlerinnenduo ZündWerk.
Hansruedi Kugler
Bernard Tagwerker in seinem Atelier.

Bernard Tagwerker in seinem Atelier.

Am Donnerstag, 6. Dezember 2018, um 18:30 Uhr verleiht die St.Gallische Kulturstiftung an einer öffentlichen Feier in der Lokremise in St.Gallen zwei Förderpreise und einen Kulturpreis.

Kulturpreis für Bernard Tagwerker

Der diesjährige Kulturpreis wird an den St.Galler Künstler Bernard Tagwerker verliehen. Sein Schaffen hat sich seit den sechziger Jahren kontinuierlich und mit stets grosser Experimentierfreude weiterentwickelt. In konzeptuellen Arbeiten untersuchte er in jungen Jahren mit teils ironischer Distanz populäre Motive wie den Säntis auf ihren Symbolcharakter. So schuf er beispielsweise 1974 zusammen mit Roman Signer auf dem See vor Arbon das vielbeachtete Projekt «Bodensee und Säntis». Eine grundlegende Skepsis gegenüber den überlieferten Vorstellungen zur Ästhetik und künstlerischen Entscheidungsfindung führte ihn zur Arbeit mit Zufallssystemen.

In den USA, wo er zwischen 1976 und 1985 lebte, begann er mit Computern und Zufallsprogrammen zu arbeiten. Nach seiner Rückkehr nach St.Gallen erweiterte er, parallel zu den Entwicklungen in den digitalen Medien, fortlaufend den Einsatz von technischen Geräten und Programmen. So delegiert er seit Ende der achtziger Jahre auch die handwerkliche Umsetzung an Plotter und schuf vor einigen Jahren erste Skulpturen mit 3D-Druckern. Bernard Tagwerkers Schaffen zeichnet sich durch seine radikale Haltung ebenso wie durch die - trotz technischer Hilfsmittel - sinnliche Präsenz der Werke aus. Mit dem Kulturpreis würdigt die St.Gallische Kulturstiftung die Einzigartigkeit und Aktualität ebenso wie die Kontinuität seines Schaffens.

Anna Stern schreibt wissenschaftlich belegte Literatur

Seit Anna Stern diesen Sommer den 3sat-Preis am Klagenfurter Bachmann-Preislesen erhalten hat, ist die 1990 in Rorschach geborene Autorin über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Mit bisher zwei Romanen und einem dicken Erzählband hat sie ein umfangreiches Werk vorzuweisen. In ihrem Romandebüt «Schneestill» (2014) begegnet ein Student in Paris einer Kindsmörderin. Schon da war der Krimiplot eher Anlass zur Auslotung von Seelenlagen. Im süffigen Bodensee-Krimi «Der Gutachter» lässt die Autorin ihr naturwissenschaftliches Wissen einfliessen. Zuletzt hat sogar die Frankfurter Allgemeine Zeitung eine Lobeshymne auf die Erzählungen von Anna Stern geschrieben.

Anna Stern. (Bild: Michel Canonica)

Anna Stern. (Bild: Michel Canonica)

Als Doktorandin ist sie derzeit hauptsächlich mit der Erforschung von Antibiotikaresistenzen beschäftigt. Ihre literarische Produktivität ist dennoch ungebrochen. Anna Sterns neuer Roman «Denn du bist wild wie die Wellen des Meeres» erscheint im Januar 2019 im Salis Verlag. Die St.Gallische Kulturstiftung verfolgt das Schaffen der Autorin seit Jahren mit grossem Interesse und verleiht ihr nun einen Förderpreis.

ZündWerk bindet das Publikum interaktiv ein

Der zweite Förderpreis geht an das Rapperswiler Künstlerinnenduo Regula Pöhl und Daniela Villiger, welche gemeinsam unter dem Namen ZündWerk auftreten. Mit Installationen im öffentlichen Raum laden sie Passanten zur aktiven Teilnahme an ihren Werken ein und lösen damit einen gestalterischen Prozess aus. Ihre Aktionen sind flüchtig und dauern solange, wie wir dabei sind. «ZündWerk öffnet die Augen dafür, dass unsere Wahrnehmungen in jedem Fall richtig sind, weil sie unsere eigenen sind», hält eine Betrachterin fest. Unsere ungewissen Erfahrungen sind in ausgereiften Denkprozessen des Künstlerinnenduos gut aufgehoben.

Das Künslerinnenduo ZündWerk. (Bild: pd)

Das Künslerinnenduo ZündWerk. (Bild: pd)

Bereits im Jahr 2003 hat ZündWerk in der Aktion «eingemachte Träume» mit gesammelten Träumen in Einmachgläsern einen Platz beseelt und Aufsehen erregt. Die Installation «VerbindungsBlicke» thematisierte mit einem Fernrohr den politischen Zusammenschluss von Rapperswil-Jona. Oder im «Reisebüro ZündWerk» standen individuelle Reisen ins Ungewisse im Angebot. ZündWerk bespielte zuletzt in der sechsteiligen Reihe «Ästhetik im Alltag» einen langen Tisch im Rosengarten in Rapperswil. Mit dem Förderpreis 2018 ehrt die St.Gallische Kulturstiftung die zwei ZündWerk-Frauen für ihr herausforderndes Denk-Handeln «zwischen Kunst und sozialen Systemen».

St.Gallische Kulturstiftung

Die Kulturstiftung zeichnet mit der Vergabe von Förder-, Anerkennungs- und Kulturpreisen besondere Leistungen aus. Dabei legt der Stiftungsrat Wert auf die Berücksichtigung verschiedener Regionen und Themen. Das Spektrum reicht vom Brauchtum bis zur Wissenschaft, von der bildenden Kunst bis zum Naturschutz. Neben diesen Preisen wird auch alle drei Jahre der «Grosse Kulturpreis der St.Gallischen Kulturstiftung» verliehen, das nächste Mal im Winter 2019. (pd)

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