KULTURMACHER: Im Containerzelt

Mit dem Obertoggenburger Zeltainer schliessen wir die Serie der Ostschweizer Kleinkunstbühnen. Was nicht für die überdachte Containerburg in Unterwasser gilt.

Michael Hug
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Umtriebiger Obertoggenburger: Martin Sailer in seinem von Rotlicht durchfluteten «Zeltainer». (Bild: Michael Hug)

Umtriebiger Obertoggenburger: Martin Sailer in seinem von Rotlicht durchfluteten «Zeltainer». (Bild: Michael Hug)

Containerburg, Containerzelt, Zeltcontainer – ein Name musste für diese wohl ausgefallenste Kleinkunstbühne erst noch gefunden werden. Erfunden wurde der Prototyp des zerlegbaren und mobilen Kleintheaters von Künstlern im Toggenburg. Aber das Ding war eigentlich nicht konstruiert worden, um das Jahr 2003 zu überleben.

Verpackt und verladen

Damals war Kantonsjubiläum im Kanton St. Gallen, und dieses wurde auch unter den Kulturellen gefeiert. Beziehungsweise: Die Kulturellen lieferten Beiträge zur Unterhaltung, Belustigung oder tieferen Auseinandersetzung mit dem Anlass. Die vier Frachtcontainer bargen damals eine Wanderausstellung, die im Kanton während des Sommers die Runde machte. Nach Ablauf der Ausstellungsdauer wurde der ganze Ausstellungsinhalt in die Schiffscontainer gepackt, und ab ging es auf vier Lastwagen zum nächsten Ort.

Nicht ins Alteisen

Als der Wildhauser Lehrer und Musiker Martin Sailer diese Containerburg sah, hatte er nur einen Gedanken: «Diese <Dinger> dürfen nicht ins Alteisen, da muss doch ein Kleintheater draus zu machen sein.» Also kaufte er die «Dinger» und erschuf den «Zeltainer». Zwölf Meter lang und vier Tonnen schwer ist jeder dieser vier Ungetüme. Der eine wurde zur Bühne umgebaut, der zweite zur Garderobe, der dritte beherbergt das Kassenhäuschen, und im vierten gibt es eine Bar.

Die Stahlkolosse werden im Geviert aufgestellt, und in der Mitte wird eine Zuschauertribüne plaziert, die flexibel auf 150 Sitzplätze ausgebaut werden kann. Über das Ganze spannt Sailer eine rote Zeltblache, die das Innere der Containerburg bei Tageslicht in schummriges Rotlicht taucht. Ein Rotlichtmilieu hat das Obertoggenburg deswegen nicht erhalten, aber ein Kleintheater, was es bis dahin zwischen Nesslau und Wildhaus nicht gab.

Musiker, nicht Veranstalter

«Ich hatte vorher nichts mit Kleinkultur zu tun», sagt Martin Sailer. Er musste denn auch Lehrgeld zahlen. Doch mit der Zeit fand er heraus, was das Obertoggenburger Publikum will. Es sind die bekannten Protagonisten der Deutschschweizer und süddeutschen Comedy-Szene. «Das Publikum will einfach nur unterhalten werden.» Deshalb gibt es weniger klassisches Kabarett und selten Theater. Auch Kinder und Popmusikfans kommen auf die Kosten. Mit «open stage» hat Sailer seine Bühne auch schon den lokalen Amateurkleinkünstlern zur Verfügung gestellt. Theatralisch, komödiantisch oder gesanglich talentierte Büezer, Bauern, Pensionäre und Hausfrauen zeigten ihre einstudierten Sketche, sangen selbstgemachte Lieder oder referierten über ein mehr oder weniger wichtiges Thema.

Der Chef lacht selbst gerne

Martin Sailer lacht eben selbst gerne, und das auch während der Sommerferien. Der «Zeltainer» ist der einzige Kleinkunstveranstalter, der auch im Sommer ein Programm bietet. Dazu organisiert er in der Tennishalle unweit des Zeltainers das jährliche «Toggenburg lacht», einen Grossanlass mit Top-Comedians. Seine Containerburg wäre dazu zu klein. Dafür müssen er und seine treuen Helfer die Tennishalle auch nicht nach jedem Sommer demontieren. Denn genau dies geschieht mit dem «Zeltainer». Im Herbst verschwindet er in einer Lagerhalle. Den Platz braucht die Iltiosbahn als Parkplatz für die automobilen Skifahrer.

www.zeltainer.ch