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Kultur und SRG - (k)ein Traumpaar

Pro
Rolf App
Sind die Kultursendungen der SRG ein gutgemachtes Nischenangebot oder ein überflüssiges Zelebrieren des Bildungsbürgertums? «Kulturplatz» mit Eva Wannenmacher, Radio SRF 2, Aufnahmestudio 1 in Zürich und der «Literaturclub» auf SRF 1 (Bilder im Uhrzeigersinn). (Bilder: Ennio Leanza/KEY, Oscar Alessio/SRF, Christian Beutler/KEY)

Sind die Kultursendungen der SRG ein gutgemachtes Nischenangebot oder ein überflüssiges Zelebrieren des Bildungsbürgertums? «Kulturplatz» mit Eva Wannenmacher, Radio SRF 2, Aufnahmestudio 1 in Zürich und der «Literaturclub» auf SRF 1 (Bilder im Uhrzeigersinn). (Bilder: Ennio Leanza/KEY, Oscar Alessio/SRF, Christian Beutler/KEY)

Letzthin begleitete ich Gertrude Bell während 13 Stunden durch die syrische Wüste. Ich lauschte den Reiseerzählungen, welche die britische Archäologin und Schriftstellerin 1905 im Buch «Das Raunen und Tuscheln der Wüste» niedergeschrieben hat. Von neun Uhr morgens bis elf Uhr nachts dauerte die Lesung im «Hörpunkt» auf Radio SRF 2. Einmal pro Monat widmet sich die Sendung während eines ganzen Tages einem Thema. Dank der App «Play SRF» kann man sich die Kapitel glücklicherweise auch einzeln zu Gemüte führen.

Der «Hörpunkt» über Gertrude Bell ist nur ein Beispiel dafür, dass Kultur am Radio funktioniert. Es ist einer von zahlreichen Radiobeiträgen der letzten Wochen, die ich nicht so schnell vergessen werde. Lange beschäftigte mich auch das einstündige Gespräch mit den Auschwitz-Überlebenden Ruth und Kurt Elias. Es wurde anlässlich des Holocaust-Gedenktags in der Sendung «Passage» ausgestrahlt. Ruth Elias tötete ihr Neugeborenes mit einer Morphiumspritze, um es vor Doktor Mengele zu retten.

Als bekennender Radiojunkie behaupte ich: Wer Kultur mag, muss Radio hören. Das Schweizer Fernsehen kann da leider nicht ansatzweise mithalten. Der Sender meines Vertrauens ist Radio SRF 2 Kultur. Was er an Beiträgen über Literatur, Musik, Kunst, Religion und vielem mehr bietet, ist in dieser Vielfalt und mit diesem Tiefgang einmalig in der Schweizer Medienlandschaft. Wo ausser in der Sendung «52 beste Bücher» leistet man sich den Luxus, sich eine ganze Stunde lang mit einem einzigen Buch zu beschäftigen? Von einem elitären Gehabe, das böse Zungen dem Sender zuschreiben, kann ich beim besten Willen nichts entdecken. Sondern nur spannende Sendungen, die meine Neugierde stillen und mich bestens unterhalten. Schade nur, dass der Sender bisher ein Geheimtipp geblieben ist: im Gegensatz zu den 1,5 Millionen Hörerinnen, die täglich SRF 1 einschalten, sind es bei SRF 2 Kultur nur rund 300 000.

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