«Kultur darf nicht nur in den grossen Städten und Zentren stattfinden, sie muss auch hinaus aufs Land»: Wie der Weinfelder Dominik Anliker den Thurgau belebt

Er organisiert in Weinfelden Jazzkonzerte und Buchtage: Dominik Anliker gilt als einer der umtriebigsten Köpfe der lokalen Kulturszene. Dabei wollte er doch nur Saxofon spielen.

Roger Berhalter
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Auch um die Technik kümmert er sich: Dominik Anliker im Restaurant Frohsinn.

Auch um die Technik kümmert er sich: Dominik Anliker im Restaurant Frohsinn.

Bild: Reto Martin

Es klingt wie ein öffentliches Amt, ist aber eine private Initiative: «Departement für alles und nichts». Unter diesem Namen veranstaltet Dominik Anliker Kultur in Weinfelden und Region. Der 32-Jährige ist einer der umtriebigsten Köpfe der lokalen Kulturszene, und es ist schwer, zu glauben, wie er all seine Aktivitäten in einen 24-stündigen Tag, eine siebentägige Woche packt.

So ist er zum einen die treibende Kraft im Kulturverein Frohsinn, ebenso ist er Mitglied der Genossenschaft, die das gleichnamige Restaurant betreibt. Er hat den «8570 Jazzclub» ins Leben gerufen und veranstaltet in verschiedenen Lokalen Konzerte. Er organisiert seit 2017 mit Katharina Alder, die den Buchladen Klappentext führt, die Weinfelder Buchtage und die Veranstaltungsreihe Textkultur.

Er ist aktiver Musiker und spielt Saxofon in der Band T-Squad – und dann ist er auch noch Vater zweier Kinder im Alter von sieben und neun Jahren und arbeitet fast Vollzeit als Primarlehrer.

Die Wyfelder Luusbuebe holten ihn in den Thurgau

Anliker ist in Herisau aufgewachsen und kam 2007 nach Weinfelden. Hauptsächlich wegen der Wyfelder Luusbuebe; in diesem Quartett spielte Anliker damals Saxofon. Die Luusbuebe gibt es mittlerweile nicht mehr, aber Anliker ist geblieben. Er ist ein kultureller Überzeugungstäter.

«Ich möchte den Musikern in Weinfelden eine Plattform bieten. Kultur darf nicht nur in den grossen Städten und Zentren stattfinden, sie muss auch hinaus aufs Land.»

Er gehe selten nach Winterthur, Zürich oder St.Gallen, um sich Konzerte anzuhören. «Ich hole die Musiker lieber hierher.» Deshalb habe er 2017 seine eigene Jazzreihe ins Leben gerufen. Die Musiker würden diese neue Auftrittsmöglichkeit schätzen.

Kaum sei im «Frohsinn» das erste Jazzkonzert über die Bühne gegangen, habe er Anfragen von Bands aus der ganzen Schweiz erhalten. Und wer schon einmal da gewesen sei, komme gerne wieder zurück. So habe ihn die Basler Singer-Songwriterin Anna Rossinelli nach ihrem ersten Gastspiel in Weinfelden angerufen und gefragt, ob sie erneut auftreten könne. Eine schöne Bestätigung für den Veranstalter.

Der Lohn ist tolle Livemusik

Dominik Anliker organisiert keine Grossanlässe, mit Ausnahme der Weinfelder Buchtage mit bis zu 150 Besucherinnen und Besuchern pro Lesung. Die Konzerte im «Frohsinn» und im Eventraum «Eis zu Eis» hingegen sind intimer. «Ich liebe solche Stubenkonzerte, sie sind direkt und echt», sagt Anliker.

«Die Leute sollen nicht einfach Kultur konsumieren, sondern sich ein bisschen wie daheim fühlen.»

Vieles macht Anliker in Eigenregie. Er bucht die Bands, kümmert sich aber auch um die Werbung, die Website, und vor Ort um die Technik und die Kasse. Geld verdiene er damit nicht, doch dank Spenden von Privaten und Stiftungen sowie Zuschüssen der Gemeinde und des Kulturpools Mittelthurgau gehe die Rechnung auf. Er bekomme ja auch etwas zurück, nämlich tolle Livemusik. «Ich mache das nicht zuletzt für mich.»

Sein «Departement für alles und nichts» ist soeben wieder gewachsen und umfasst jetzt auch eine Künstleragentur. Anliker hat das Management für den Magier Alex Porter übernommen. Kulturmüde ist er offensichtlich noch lange nicht.

Die nächsten Anlässe von Dominik Anliker

Der «8570 Jazzclub» ist kein Club, sondern eine Konzertreihe in Weinfelden. Als Nächstes steht das Quintett Spieltrieb auf dem Programm, am 13. März 2020 im Eventraum «Eis zu Eis». Auch im Restaurant Frohsinn klingt’s im Rahmen der Reihe regelmässig nach Jazz. Am 27. März 2020 singen dort Vera Kappeler und Bettina Klöti ihre Schweizer Volkslieder. Vom 6.-8. März 2020 finden zudem die Weinfelder Buchtage statt. Im Rathaussaal und im Buchladen Klappentext lesen unter anderen Simone Lappert, Thomas Meyer und Charles Lewinsky. (rbe)