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KULTUR AUF SRF: Kultur und SRG - (k)ein Traumpaar

Zu den Kernaufgaben der SRG gehört die "Stärkung der kulturellen Werte des Landes". Die Meinungen darüber, wie gut ihr das gelingt, sind geteilt. Ein Pro und Contra von zwei Mitgliedern der Radaktion.
Sind die Kultursendungen der SRG ein gutgemachtes Nischenangebot oder ein überflüssiges Zelebrieren des Bildungsbürgertums? Im Bild "Kulturplatz" mit Eva Wannenmacher. (Bild: KEYSTONE)

Sind die Kultursendungen der SRG ein gutgemachtes Nischenangebot oder ein überflüssiges Zelebrieren des Bildungsbürgertums? Im Bild "Kulturplatz" mit Eva Wannenmacher. (Bild: KEYSTONE)

Kultursendungen am Schweizer Fernsehen sind überschaubar: Der wöchentliche«Kulturplatz» wird moderiert von Eva Wannenmacher und dauert 30 Minuten. Die «Sternstunden» Philosophie, Religion und Kunst werden jeden Sonntag ausgestrahlt. Neunmal pro Jahr debattiert Nicola Steiner im «Literaturclub» mit wechselnden Kritikern und Gästen über Neuerscheinungen.

Die Vielfalt an Kultursendungen auf Radio SRF ist ungleich grösser, im Folgenden ein paar Beispiele. Radio SRF 2 Kultur liefert mit «Kultur kompakt» rund 30 Minuten Kulturnews aus der Schweiz und der ganzen Welt – und das täglich. «Kontext» ist die tägliche Hintergrundsendung. In «Musik für einen Gast» erzählt ein Kulturmensch aus seinem Leben und bringt seine Lieblingsmusik mit. Zahlreiche Formate widmen sich der Musik, auf SRF 3 etwa die Kultsendung «Sounds!» oder auf SRF 2 Kultur das «Klangfenster» mit Musik aus aller Welt. Sehr empfehlenswert ist auch«Kino im Kopf» mit den fünf wichtigsten Filmen der Woche. (gen)

Wer Kultur mag, muss Radio hören

Redaktorin Christina Genova

Redaktorin Christina Genova

PRO. Letzthin begleitete ich Gertrude Bell während 13 Stunden durch die syrische Wüste. Ich lauschte den Reiseerzählungen, welche die britische Archäologin und Schriftstellerin 1905 im Buch «Das Raunen und Tuscheln der Wüste» niedergeschrieben hat. Von neun Uhr morgens bis elf Uhr nachts dauerte die Lesung im «Hörpunkt» auf Radio SRF 2. Einmal pro Monat widmet sich die Sendung während eines ganzen Tages einem Thema. Dank der App «Play SRF» kann man sich die Kapitel glücklicherweise auch einzeln zu Gemüte führen.

Der «Hörpunkt» über Gertrude Bell ist nur ein Beispiel dafür, dass Kultur am Radio funktioniert. Es ist einer von zahlreichen Radiobeiträgen der letzten Wochen, die ich nicht so schnell vergessen werde. Lange beschäftigte mich auch das einstündige Gespräch mit den Auschwitz-Überlebenden Ruth und Kurt Elias. Es wurde anlässlich des Holocaust-Gedenktags in der Sendung «Passage» ausgestrahlt. Ruth Elias tötete ihr Neugeborenes mit einer Morphiumspritze, um es vor Doktor Mengele zu retten.

Als bekennender Radiojunkie behaupte ich: Wer Kultur mag, muss Radio hören. Das Schweizer Fernsehen kann da leider nicht ansatzweise mithalten. Der Sender meines Vertrauens ist Radio SRF 2 Kultur. Was er an Beiträgen über Literatur, Musik, Kunst, Religion und vielem mehr bietet, ist in dieser Vielfalt und mit diesem Tiefgang einmalig in der Schweizer Medienlandschaft. Wo ausser in der Sendung «52 beste Bücher» leistet man sich den Luxus, sich eine ganze Stunde lang mit einem einzigen Buch zu beschäftigen? Von einem elitären Gehabe, das böse Zungen dem Sender zuschreiben, kann ich beim besten Willen nichts entdecken. Sondern nur spannende Sendungen, die meine Neugierde stillen und mich bestens unterhalten. Schade nur, dass der Sender bisher ein Geheimtipp geblieben ist: im Gegensatz zu den 1,5 Millionen Hörerinnen, die täglich SRF 1 einschalten, sind es bei SRF 2 Kultur nur rund 300'000.

Bildungsbürger für Bildungsbürger

Redaktor Rolf App

Redaktor Rolf App

CONTRA. Ein Geständnis zum Start: Ich vermisse «Parlando». Radio DRS 2 hat den Besuch bei einem Künstler oder einer Künstlerin 2016 eingestellt, aus welchen Gründen auch immer. Auf meiner Liste regelmässigen Kulturradiokonsums bleibt nun noch die «Diskothek».

Mit ihr bin ich mal mehr, mal weniger glücklich. Mal sitzen extreme Spezialisten im Studio, die uns ihr Spezialistentum unangenehm spüren lassen. Mal sind es Liebhaber, die durchaus Profis sein können. Der Pianist Oliver Schnyder zählt zu ihnen. Er erzählt so viele köstliche Details, dass wir Zuhörer Teil werden eines sehr lebendigen kulturellen Lebens.

Teil werden: Darum ginge es auch im Kulturjournalismus in Radio und Fernsehen. Teil werden, das heisst nicht – wie etwa im Sport – enthusiastisch alles bejubeln. Es heisst auf der einen Seite: Genau hinschauen, verstehen, unterscheiden. Und andererseits: Emotionale und sinnliche Qualitäten vermitteln.

Nun ist das kulturelle Angebot potenziell bodenlos. Bei seiner Erkundung leisten Radio und Fernsehen viel. Aber sie tun es auf eine Weise, die mich immer wieder befremdet. Selten handeln sie ein Thema kontrovers ab, sogar der kontrovers angelegte «Literaturclub» tendiert zum Schulterklopfen – es sei denn, Elke Heidenreich sitzt in der Runde.

Noch schlimmer: Nicht immer, aber allzu oft berichten da Bildungsbürger für Bildungsbürger. Der Bildungsbürger zeichnet sich dadurch aus, dass er viel weiss und viel voraussetzt. Und dass er, weil er so vieles schon kennt, selten wirklich beeindruckt ist. Und berührt schon gar nicht. Er ist auch nicht mehr besonders neugierig, dieser Bildungsbürger. Es genügt ihm, was er sieht. So kommt denn im Gespräch mit der Schriftstellerin nur ihr Buch, nicht aber sie selber vor. Neugierig ist «Parlando» gewesen. Aber es gibt Ersatz: «Klickklack» – im Bayerischen Fernsehen.

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