Kolumne

Künzlis Playlist: Wir gratulieren einem ganz Grossen – Sonny Rollins zum 90. Geburtstag!

Unser Autor würdigt in seiner aktuellen Kolumne der Jazzlegende Sonny Rollins. Der Musiker feiert am 7. September den 90. Geburtstag.

Stefan Künzli
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Stefan KünzliRessortleiter Kultur

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Ressortleiter Kultur

Sonny Rollins ist ein Monument der Jazzgeschichte. Die ersten Aufnahmen machte der amerikanische Tenorsaxofonist im jugendlichen Alter von 18 Jahren 1948 in den Bands von Babs Gonzales, J. J. Johnson und seinem Idol, dem Pianisten Bud Powell – also mitten in der Ära des Bebop. Gefördert wurde er vor allem danach von einem gewissen Miles Davis, an dessen Seite er sechs Jahre wirkte.

Jazzlegende Sonny Rollins bei einem Konzert in Tokyo.

Jazzlegende Sonny Rollins bei einem Konzert in Tokyo.

Bild: Keystone

Den Durchbruch schaffte er in der Band von Thelonious Monk und nach dem Tod von Charlie Parker 1954 wurde er zum Hoffnungsträger des modernen Jazz. Er schuf Meilensteine wie «Saxophone Colossus», «Freedom Suite» oder «The Bridge» und avancierte neben Miles und John Coltrane zum gefeierten und einflussreichsten Instrumentalisten des Jazz.

Rollins hat immer wieder Auszeiten genommen. Anfang der 50er-Jahre, um sich von seiner Heroinsucht zu entgiften. Legendär war vor allem die Zeit von 1959 bis 1962, als er auf der Williamsburg Bridge in New York übte, um das Saxofonspiel «neu» zu lernen.

Die Zeit nach seinem dritten Sabbatical in den 70er-Jahren wird von der Jazzkritik gemeinhin als enttäuschend wahrgenommen. Tatsächlich blieben in jener Phase die wegweisenden Werke aus. Stattdessen suchte Rollins die Balance zwischen Altem und Neuem und baute, dem Zeitgeist gehorchend, immer wieder Fusion, Calypso und Interpretationen von Popsongs in sein Repertoire ein. Bei Jazz-Traditionalisten brachte es ihm den Vorwurf des Verrats und des kommerziellen Ausverkaufs ein.

Dabei wird vergessen, dass Rollins im Lauf seiner langen Karriere immer wieder Popsongs interpretierte. Seine Calypsos, als Reverenz an die Wurzeln seiner karibischen Mutter, wurden sogar zu einem Markenzeichen. Auf Platte klang das oft etwas plump, live machte er mit seinen solistischen Exkursen aus manch banalem Popsong eine musikalische Perle. Deshalb ist die Playlist dieser Phase gewidmet.

Sonny Rollins war bis zuletzt ein Ereignis, ein Gigant mit einem unnachahmlichen, kolossalen Ton. Sein letztes Konzert gab er 2012. Zwei Jahre später musste er sein Horn wegen einer Lungenerkrankung aufgeben. Am 7. September feiert er seinen 90. Geburtstag. Wir gratulieren einem ganz Grossen.

Sonny Rollins Playlist

I Want To Be Happy (1953)

Mambo Bounce (1953)

St. Thomas (1956)

I’m An Old Cowhand (1957)

If Ever I Would Leave You (1962)

Don’t Stop The Carnival (1962)

Brown Skin Girls (1962)

Hold Em Joe (1965)

Alfie’s Theme (1966)

Swing Low, Sweet Chariot (1974)

Lucille (1975)

Island Lady (1976)

Isn’t She Lovely (1977)

Autumn Nocturne (1978)

Camel (1978)

Don’t Ask (1979)

Little Lu (1980)

Coconut Bread (1981)

Rolling Stones: Slave (1981)

Rolling Stones: Waiting On A Friend (1981)

Mava Mava (1984)

G-Man (1987)

Duke Of Iron (1987)

Global Warming (1998)