Künstlerin täuscht Holocaust-Biografie vor

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Kunst Als angebliche Jüdin und KZ-Überlebende beschäftigte sich Künstlerin Rosemarie Koczÿ mit dem Holocaust. Nun kommt die Stadt Recklinghausen zu der Erkenntnis: Koczÿ hat ihre Biografie vorgetäuscht. Laut dem Stadtarchiv hat die 1939 in Recklinghausen geborene und 2007 in den USA gestorbene Künstlerin falsch angegeben, Jüdin und in einem Konzentrationslager gewesen zu sein.

Koczÿs Name sei nicht im ­Opferbuch der Stadt verzeichnet, sie selbst sei katholisch getauft worden. Auch die Angabe der Künstlerin, wonach sie als Kind im Konzentrationslager Traunstein gewesen sein soll, sei nicht zu belegen. Denn es war ein reines Männerlager, in dem es keine Kinder gab.

Der Direktor der Kunsthalle, Hans-Jürgen Schwalm, verteidigte die Künstlerin. Koczÿ habe sich auch erst Anfang der 90er-Jahre eine jüdische Identität gegeben. Aus der falschen Identität habe sie keinen Profit gezogen. Was sie dazu verleitet habe, wisse man nicht. Die Werke von Rosemarie Koczÿ finden sich heute unter anderem im Guggenheim-Museum in New York sowie in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem. Ein Sprecher von Yad Vashem wollte sich zu den Berichten am Mittwoch nicht äussern. Seit Mitte der 80er-Jahre lebte Rosemarie Koczÿ in den USA. Im Zentrum der aktuellen Ausstellung in der Kunsthalle Recklinghausen stehen Tuschezeichnungen aus dem Zyklus «Ich webe Euch ein Leichentuch», mit dem die Künstlerin an die Opfer des Holocaust erinnern wollte. Gegen 200 Werke der Künstlerin aus dieser Reihe waren im Jahr 2000 im Museum im Lagerhaus St. Gallen zu sehen.

Georg Möllers, Historiker und Dezernent der Stadt Recklinghausen, war der Fälschung auf die Spur gekommen, als er ein Online-Gedenkbuch initiierte. Seine Recherchen ergaben, dass Rosemarie Koczÿ ein tragisches Kinderschicksal hatte, in einer zerrütteten Familie aufgewachsen und zeitweilig im Kinderheim im Münsterland untergebracht war. (sda)