Künstlerin Cécile Hummel zeigt in Arbon einen intensiven Blick auf nahe und ferne Ufer

Vom Bodensee zum Mittelmeer und zurück: Die Künstlerin Cécile Hummel unternimmt in der Galerie Adrian Bleisch in Arbon Bilderreisen.

Barbara Fatzer
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Afrikanische Masken im Grossformat: die Künstlerin Cécile Hummel beim Einrichten ihrer Ausstellung in Arbon.

Afrikanische Masken im Grossformat: die Künstlerin Cécile Hummel beim Einrichten ihrer Ausstellung in Arbon.

Bild: Reto Martin

Reisen, um die Welt zu erfahren, und dann wieder Rückzug ins Kunstlabor, wo das gesammelte Bildmaterial und die Vorstellungen davon verarbeitet werden, bis alles so weit gediehen ist, dass es für andere sichtbar werden darf. So geht Cécile Hummel vor, seit sie als Künstlerin ihren Blick schärft, Veränderungen in der vertrauten Umgebung wahrzunehmen wie auch sich das Fremde anzueignen. Ihre Bildwelt verführt dazu, den eigenen Blick zu weiten.

Cécile Hummel ist am Untersee aufgewachsen. Diese Landschaft habe sie sehr geprägt und bleibe für ihr Schaffen wichtig:

«Der See ist für mich Seelenlandschaft, ist Heimat, ich fühle sie in mir als eine Realität.»

So taucht Hummel auch immer wieder hier auf, bringt ihre neuen Bilderwerbungen mit, die immer auch mit ihrer ersten Aneignung dieser Urlandschaft zu tun haben. «Das Zeitlose einer sanft hügligen Landschaft; der Bodensee, eingebettet zwischen den Ländern» hat sie festgehalten für ihre «100 Ansichten des Untersees» in der Werkschau Thurgau 2019.

Und dann ist sie wieder weg in Basel, wo sie ihr Atelier hat, oder auf einer ihrer Reisen.

Zeichnerische Annäherung ans Fremde

Nun aber ist Hummel wieder einmal zwischengelandet, diesmal am Obersee, in der Galerie Adrian Bleisch in Arbon. Sie hat sich dort auf Zeit eingerichtet mit ihren installativen Bilderhängungen, wie das ihre Art ist. Es gibt Themen, die sich seit längerem in ihrem Werk durchziehen.

Zur Person

Cécile Hummel wurde 1962 geboren und ist in Gottlieben aufgewachsen. Neben einer regen Ausstellungstätigkeit seit 1990 hat sie auch als Hochschuldozentin gearbeitet. Hummel hat diverse Stipendien erhalten, etwa 2013 einen Werkbeitrag des Kantons Thurgau. Zweimal war sie im Kunstmuseum Thurgau mit Ausstellungen präsent. Sie hat mehrere Publikationen veröffentlicht, so wie «Recueil d’images du monde oriental-occidental» bei Edition Fink. 

Das menschliche Abbild, seit der Erfindung der Kunst in jeglicher Ausformung da, interessiert Cécile Hummel stark, obwohl sie in ihren Fotografien aus Kairo, Palermo, dem Iran kaum Porträts anfertigt. Dort interessiert sie mehr, wie menschliches Dasein und Lebensweise in der Stadt zum Ausdruck kommen.

Arbeit von Cécile Hummel, zu sehen in Arbon.

Arbeit von Cécile Hummel, zu sehen in Arbon. 

Bild: Reto Martin

Das kaum Beachtete, das Abfällige findet sie wert abzubilden, weil auch darin Ästhetik sein kann und es uns die Augen öffnet. Dagegen nimmt sie als gebildeter Mensch auf, wie die Wiedergabe des Menschen in Kunstwerken anderer Kulturen zum Ausdruck kam und sich heute immer noch auf unsere Sehensweise auswirkt.

Sie fotografiert frühere Fotografien dieser Kunstwerke und macht so die Verwandlung unserer Wahrnehmung sichtbar. Oder sie zeichnet afrikanische Skulpturen oder Masken auf grossformatige Blätter.

Wasser verbindet

Cécile Hummel interessiert sich auch für das, worauf sie im Austausch mit Menschen aus anderen Kulturen stösst. So durfte sie deren alte Fotoalben durchsuchen. Diese Porträts aus Sizilien hat sie jetzt mit ihren zeitgenössischen Aufnahmen der südlichen Landschaften und Architektur in einen Zusammenhang gebracht, eine kreative Art der Geschichtsschreibung.

Ein weiteres Kunstwerk aus der aktuellen Ausstellung.

Ein weiteres Kunstwerk aus der aktuellen Ausstellung.

Bild: Reto Martin

Der Mittelmeerraum erinnert sie an die Weite des Sees ihrer Kindheit, an dem seit je verschiedenste Menschen das Zusammenleben gestalten mussten. Auch diese Ausstellung zeigt Cécile Hummel als Reisende, die gleichzeitig als Archäologin, Archivarin, Dokumentalistin, Fotografin und Bildherstellerin vorgeht und ihre Forschungen kreativ aufarbeitet.

Ausstellung bis 29. März