Künstler müssen sich austauschen

Der Frauenfelder Künstler Stefan Rutishauser hat 2008 sein Lager in eine Galerie umgewandelt und seither vier Ausstellungen pro Jahr ausgerichtet. Jetzt feiert er mit 25 Künstlern aus diesen sieben Jahren eben diese sieben Jahre.

Dieter Langhart
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Gemeinsam hängen: Der Frauenfelder Galerist Stefan Rutishauser zwischen Nicola Gabriele und Fredi Buchli, zwei der Künstler, die an der Jubiläumsausstellung «7» mitmachen. (Bild: Dieter Langhart)

Gemeinsam hängen: Der Frauenfelder Galerist Stefan Rutishauser zwischen Nicola Gabriele und Fredi Buchli, zwei der Künstler, die an der Jubiläumsausstellung «7» mitmachen. (Bild: Dieter Langhart)

FRAUENFELD. Stefan Rutishausers Galerie ist ein Zufall. Der Frauenfelder Künstler malt, zeichnet und behaut Holz hoch über der Stadt, in seinem Atelier im Erdgeschoss des Hauses, das seine Familie bewohnt. Seit dreizehn Jahren nutzt er einen Raum nahe der Altstadt als Lager für seine Bilder, hier druckt er auch. Drei Künstlerinnen suchten vor sieben Jahren einen Raum für eine Ausstellung. «Ich fand's cool, ihnen mein Lager zu überlassen.» Und Rutishauser gefiel das.

Dann, am 11. April 2007, richtete er seine erste reguläre Ausstellung aus mit Heike Müller – die jetzt an der Jubiläumsausstellung «7» auch zu sehen ist neben 24 weiteren Kunstschaffenden, die in den vergangenen sieben Jahren bei Stefan Rutishauser ausgestellt haben.

Keine Mühe, Künstler zu finden

Stefan Rutishausers Konzept ist einfach: jedes Jahr drei Einzel- und eine Gruppenausstellung, in denen er gern Newcomern eine Chance gibt. Die Ausstellungen sind jeweils an drei Wochenenden geöffnet – und fast seit Anbeginn ergänzt sie ein Livekonzert. Rutishauser trennt klar zwischen Kunst und Galerie: «Ich stelle nie selber bei mir aus.»

Noch nie habe er Mühe gehabt, Künstler für seine Ausstellungen zu finden, denn in Frauenfeld mit seinen knapp 25 000 Einwohnern sind etablierte Kunsträume rar: der Kunstverein im Bernerhaus, die Shedhalle im Eisenwerk. Hannes Cögls Kunsthalle gibt es nicht mehr.

Rutishauser plant weit voraus, sucht sich seine Künstler selber aus, vorwiegend aus der Region, und wen er auswählt, der «muss etwas Spannendes machen». Beim Hängen ist er immer dabei, wichtig ist ihm der Austausch, den er innerhalb der Künstlergruppe Kunst Thurgau weitgehend vermisst. «Vernetzung unter Künstlern ist wichtig.»

Vier Standbeine

Rechnet sich die Galerie? «Das Echo ist unterschiedlich», sagt Stefan Rutishauser, «die Anzahl Besucher hat nie etwas mit dem Niveau der gezeigten Kunst zu tun.» Er habe ein Stammpublikum, «aber Frauenfelder Künstler ziehen am meisten Besucher an, dann besuchen stets mehr als dreissig die Vernissage». Noch mehr seien es bei den Konzerten.

«Galeristen sind ärmer als Künstler», sagt Rutishauser und lacht. Seine Marge liegt mit 25 Prozent unter der des Kunstvereins und erst recht unter jener von Galerien in Städten wie Zürich. Rutishauser macht nicht nur Kunst und stellt sie aus; zwei Tage die Woche arbeitet er in der Küche der Eisenbeiz, und für das Eisenwerk organisiert er zahlreiche Konzerte. Bleibt da Zeit für die eigene Kunst? «Gewiss, ich arbeite zwei bis drei Tage in meinem Atelier.»

Bereut hat er sein Engagement als Galerist in den sieben Jahren nie, auch wenn es ihn viel Zeit und Energie kostet. Etwa bei zwei Künstlern nachzuhaken, die die Anmeldefrist für die Jubiläumsausstellung «7» verpasst haben und drum nicht auf der gedruckten Einladungskarte aufgeführt sind.

Herr Mäder lädt ein

Manuel Stahlberger ist aufgeführt – und er hat das Motiv gezeichnet: Während sich Herr Mäder Bilder in der Galerie anguckt, foutiert sich sein Dackel um die Kunst und schaut hin zum Galeristen hinter der Theke.

Es wird eng kommenden Freitag. 25 Kunstschaffende, die in den sieben Jahren bei Stefan Rutishauser ausgestellt haben, zeigen, was ihnen «gerade jetzt wichtig ist». Einzige Vorgabe: ein Laufmeter je Künstler. «Ich wünsche mir ein neugieriges Publikum, kein elitäres», sagt der Galerist, der stets die Vernissage eröffnet. «Nicht klassisch mit viel Fremdwörtern, sondern lyrisch oder wie Slam Poetry – und höchstens fünf Minuten.»