Krimikönigin im Doppel

Donna Leon hat sie und ihr Pseudonym Barbara Vine als «die beiden grössten Krimiautorinnen der Welt» bezeichnet. Jetzt ist Ruth Rendell 85jährig in London gestorben.

Rolf App
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Ruth Rendell (Bild: ap)

Ruth Rendell (Bild: ap)

Nein, hat sie vor zwei Jahren dem «Guardian» gegenüber gesagt: Sie könne sich nicht vorstellen, dass sie mit Schreiben aufhöre. Jetzt hat der Tod ihrer grossen Leidenschaft ein Ende gesetzt. Ruth Rendell ist, 85jährig, in England gestorben. Im Januar hatte sie einen Schlaganfall erlitten und sich davon nicht mehr erholt.

Aus Zufall ein Kriminalroman

Zu schreiben begonnen hatte die gelernte Journalistin mit 34, als der einzige Sohn aus dem Gröbsten heraus war. Sie verfasste Kurzgeschichten, «die aber nicht besonders gut waren» – und die von diversen Magazinen auch zurückgewiesen wurden. Trotzdem: Das Bedürfnis war da, Ruth Rendell schrieb und schrieb. Und versuchte sich auch an einem Kriminalroman.

Der Start

75 Pfund bot ihr ein englischer Verlag dafür, aus den USA kam ein 15mal höheres Angebot. Das war der vielversprechende Start. Jetzt, am Ende ihres Lebens, konnte die überaus fleissige Frau auf mehr als sechzig Romane zurückblicken, die in mehr als 20 Sprachen übersetzt worden sind.

Barbara Vine kommt hinzu

Zum Teil schrieb sie dabei unter dem Pseudonym Barbara Vine. Die publizistische Arbeitsteilung sah so aus: Trat Ruth Rendell in eigenem Namen auf, dann ging es um Kriminalfälle – und oft tauchte dann der übergewichtige, sensible Chief Inspector Wexford auf, der mit seiner Schöpferin viel gemein hatte. Weitete sie den Blick hinein ins Gesellschaftliche, dann trat Rendell als Barbara Vine in Erscheinung. Wobei sie sich auch in den Wexford-Krimis nicht nur dafür interessierte, wer «es» getan hat – sondern viel Zeit und Geduld auf Motive und Hintergründe verwendete. Denn was sie interessierte, das war das weite, dunkle Feld der Seele. Ihre Geschichten entstanden denn auch vor allem im Kopf, selten machte sie sich auf, ein Thema gründlich zu recherchieren.

In eigener Sache schweigsam

Über sich sprach Ruth Rendell nur ungern, Interviews waren ihr lästige Pflicht. Das eigene Leben hielt sie sorgsam unter Verschluss und erklärte beispielsweise nicht, warum sie sich 1975 hatte scheiden lassen – um zwei Jahre später den gleichen Mann noch einmal zu heiraten. Was nach ihrem Tod sein würde, sah sie mit grosser Bescheidenheit. «Man erinnert sich an niemanden über eine längere Zeit.»

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