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KRIMI: Auf der Loipe lauert der Tod

Vier Mörder, vier Jahreszeiten: Kaspar Wolfensbergers Romane sind psychologisch und atmosphärisch dichte Regiokrimis. Keine skandinavischen Schocker. Deshalb kann man sie auch Nichtkrimilesern empfehlen.
Hansruedi Kugler
Im verschneiten Walliser Langlaufparadies Obergoms ersticht in «Gommer Winter» ein Serienmörder mehrere Langläufer. (Bild: Denis Gateau/Getty)

Im verschneiten Walliser Langlaufparadies Obergoms ersticht in «Gommer Winter» ein Serienmörder mehrere Langläufer. (Bild: Denis Gateau/Getty)

Dies ist ein Artikel der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier: www.tagblatt.ch/epaper

Hartgesottene Fans skandinavischer Thriller werden diese Romane langatmig finden, weil sie zu wenig Schockerlebnisse und Gänsehaut-Suspense bieten. Zwar treibt hier ein Serienmörder auf der Loipe sein Unwesen, die Mordwaffe ist jeweils ein Holzpfahl und die Motive leuchten in seelische Untiefen – aber der Zürcher Psychiater Kaspar Wolfensberger ist kein literarischer Voy­eur: Er verschont die Leser mit seitenlanger Live-Quälerei, mit Gemetzel und Todeskampf. Ihn interessiert vielmehr die psychologische und die atmosphärische Spannung. Und das macht seine Romane zur idealen Lektüre für lange Winterabende und auch für Nicht-Krimileser. Denn auf 470 Seiten bietet er einiges auf: Lüge, Prahlerei, Flirt, Vertrautheit in den Gesprächen mit dem Ermittler Kauz einerseits, dann aber auch die sorgfältigen Porträts der Figuren und die Stimmung des gegen Weihnachten allmählich komplett eingeschneiten Oberwallis, in dem sich die Suche nach dem Mörder gegen Ende des Buches mit vielen Cliffhängern dramatisch zuspitzt.

Kurz gesagt: Die Qualität des Krimis liegt im Romanhaften. Wolfensberger legt in ruhigem Tempo Spuren, man rätselt lange über Motive und Täter, lebt sich mit dem Ermittler wider Willen, dem suspendierten, etwas treuherzigen Zürcher Kommissar Kauz, im Walliser Dorf ein, wo dieser eine Ferienwohnung besitzt. Der Lokalkolorit ist auch sprachlich eingebaut: Als «Üsserschwiizer» wird Kauz in urchigem Walliser Dialekt belächelt, lernt Hoteliers, Sportler, Polizisten und Bauern kennen.

Korruption, Eifersucht und eine gefährliche Romanze

Kauz ist der Aussenseiter, der allmählich Dorf-Geheimnisse entdeckt und sich durch den «Doorfäa», den Dorf-Klatsch, kämpfen muss. Das war schon in «Gommer Sommer» der Fall und hat nun in «Gommer Winter» seine Fortsetzung. Die noch fehlenden zwei Jahreszeiten-Krimis sind bereits in Entstehung. In diesen «Gommer»-Krimis gibt es Genretypisches wie den geschiedenen Kommissar, der eine Romanze mit einer mysteriösen Frau eingeht, es kommen korrupte Politiker und extreme Naturschützer vor, und natürlich wimmelt es von bitterer Eifersucht.

Wolfensberger fügt die Motive in ruhigem Erzähltempo zu einem aktuellen Bild einer zerrissenen Landschaft zusammen. Bester Regiokrimi. Dass Wolfensberger sein psychiatrisches Fachwissen in der Figurenzeichnung und bei den Mordmotiven nutzt, macht die Romane interessant. Gut, dass er dieses Wissen nicht aufdringlich einsetzt – seine «Gommer-Krimis» sind keine psychiatrischen Fallstudien. Erfahrene Krimileser werden zwar nach 300 Seiten eine sichere Tätervermutung haben. Also keine schlaflosen Lesenächte – spannend bleibt das Buch dennoch.

Kaspar Wolfensberger: Gommer Winter. Bilger-Verlag, 477 S., Fr. 39.–

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