Krieg in der Ukraine
Darf man russische Künstler ausladen?

Die Kartause Ittingen hat eine junge Cellistin ausgeladen, die Schweizer Klassikwelt ist darüber empört.

Christian Berzins
Christian Berzins
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Anastasia Kobekina hätte am Sonntag in Ittingen spielen sollen.

Anastasia Kobekina hätte am Sonntag in Ittingen spielen sollen.

Julia Altukhova

Wie weit gehen unsere Konzert - und Opernhäuser, um ihre Haltung gegenüber Wladimir Putin zu zeigen? Im Falle der Sopranistin Anna Netrebko und Dirigent Waleri Gergijew waren sich nach einiger Bedenkzeit alle einig: Diese putintreuen Künstler wurden von den subventionierten Kulturbetrieben von den Festivals in Verbier und Luzern ausgeladen. Kaum war das geschehen, fragte man sich: Was ist mit den anderen?

Es ist jedenfalls kein Problem, fünf weitere Künstler zu nennen, die dem russischen Regime fast genau so nah wie Netrebko sind, die allerdings nicht so dumm wie die Operndiva waren, um sich mit einer grossrussischen Fahne fotografieren zu lassen. Die Veranstalter scheuen sich vor Richtlinien, zumal man von den «normalen» Künstlern nicht eine Anti-Putin-Aussage erwarten kann, da sie sich sonst in Gefahr begeben.

Sollte man einfachheitshalber alle Russen boykottieren? Damit wären jedenfalls vermeintlich unpolitische Aushängeschilder Putins für gewisse Zeit weggesperrt. Wer das von den Veranstaltern verlangt, erntet einen Aufschrei: Man dürfe doch nicht alle bestrafen! Doch mit den Wirtschaftssanktionen trifft man auch den kleinen russischen Bürger. Ein Teufelskreis.

Die Frage bleibt, ob es nicht möglich ist, eine Linie zu ziehen. Die Kartause Ittingen hat es gewagt, und eine junge Cellistin ausgeladen. Der thurgauische Veranstalter hat damit im Unterschied zu den anderen eine klare Haltung gezeigt.